Ballard – Börsenbewertung im Widerspruch zu Perspektiven

Randy MacEwen auf dem H2-Forum in Berlin

Beim H2-Forum in Berlin saß der CEO von Ballard, Randy MacEwen, zwischen Albrecht Neumann, CEO Rolling Stock Siemens Mobility, und Alexander Habeder, Head of Business Development Siemens Energy, auf dem Podium. Neben dem Moderator ein weiterer Top-Manager, Dr. Tobias Fischer, Head of Technology Deutsche Bundesbahn. Thema war die Entwicklung des Antriebsstrangs der zukünftiger Zuggeneration. Alle sahen die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnik auf der Langstrecke eindeutig im großen Vorteil, während batterieelektrische Züge vor allem für Kurzstrecken bis 200 km infrage kommen.

Einer Studie von Roland Berger folgend – MacEwen erwähnt diese explizit – rechnen sich wasserstoffbetriebene Züge auch bereits ab 100 km Radius bzw. batterieelektrische vor allem bis 100 km. Auch als Hybridvariante als Range Extender macht die Brennstoffzelle Sinn. Knackpunkte seien nach wie vor die Infrastruktur sowie die finanzielle Gesamtbetrachtung (Total Cost of Ownership). Dennoch sahen die Diskutanten kritische Bemerkungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Wasserstoff gelassen. Und natürlich spielt auch der Preis für grünen Wasserstoff eine wichtige Rolle, wobei Dr. Fischer explizit auf die Preisparität mit Diesel hinwies.

Business France

Lokomotiven der neuesten Generation werden in der Zukunft vor allem mit Wasserstoff betrieben. Perspektivisch entsteht hier ein Weltmarkt, der heute schon 4 Mrd. US-$ p.a. beträgt. Bis zum Jahr 2035 wird der Anteil der mit Wasserstoff betriebenen Züge auf über 40 % geschätzt, berichtete Neumann. Ein gewaltiger Markt. Allein Siemens rechnet mit einem Auftragspotential von mehreren hundert Zügen, was natürlich auf Ballard als dem BZ-Partner ausstrahlt.

Europa steht in den Startlöchern, wobei die USA (aber auch viele andere Länder) folgen werden, da es in Übersee gerade auch um die Langstrecke für Züge geht. Interessant die Bemerkung von Neumann, dass man auf das hervorragende Know-how von Ballard in Sachen Brennstoffzelle setzen würde, denn in jedem H2-Zug von Siemens ist dann wohl auch „Ballard inside“. Ein wahrer Ritterschlag! Man kann dies mit der Partnerschaft von Alstom und Hydrogenics (Tochter von Cummins Engine) vergleichen. Auch dort wurde das BZ-Know-how extern einkauft. Auf jeden Fall zeigt dies, wie gut Ballard in seinen Schlüsselmärkten aufgestellt ist. Jetzt müssen nur noch die Aufträge vergeben werden.

Persönliches Gespräch mit Ballard-CEO

In dem persönlichen Gespräch mit Randy MacEwen auf dem H2-Forum berichtete der CEO am 5. April 2022, dass die Zusammenarbeit mit CRRC gut verlaufe. Die Chinesen haben drei Straßenbahnen im Einsatz. Da entsteht – so meine Einschätzung – ein interessanter neuer Markt für Ballard. CRRC ist der weltgrößte Hersteller von Zügen. Die neuen Programme der chinesischen Regierung für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft – nun 7 statt 3 Regionen/Cluster/Provinzen – beinhalten jetzt auch Ballard bzw. das Joint-Venture mit Weichai. In diesen Clustern befinden sich wichtige Kunden mit ihren Unternehmenszentralen wie der größte Bushersteller Yutong.

Interessant war dabei zu hören, dass bereits einigen Provinzen und Regionen viel aggressiver ihre Wasserstoffstrategie auf den Weg bringen, als es die Zentralregierung in ihren Jahresplänen ausdrückt, weil man dort die Potentiale erkannt hat und diese umsetzen will.

MacEwen zollt den Chinesen sehr großen Respekt, da diese – was die Qualität der Stacks, Zulieferteile wie Bipolarplatten u.v.a. angeht – sehr gut aufgestellt seien für diesen neuen Weltmarkt. Ballard kann von dort auch den Weltmarkt bedienen – exklusiv aus dem Joint-Venture. Leider war ihm nicht zu entlocken, was ein BZ-Modul für Busse bzw. Lkw aus der dortigen Produktion am Markt kosten würde. Darauf ließe sich eine Umsatzprognose aufbauen. Rein theoretisches Beispiel: Würde ein Modul 50.000 US-$ oder 100.000 US-$ kosten und die Produktion ausgelastet sein, dann läge der potentielle Umsatz bei 100 Mio. oder gar 200 Mio. US-$. 20.000 Busse bzw. 35.000 Stacks können dort bereits pro Jahr gefertigt werden – die bislang weltgrößte Produktionsstätte.

Währenddessen wurde der Börsengang des chinesischen Wettbewerbers Re-Fire vorerst abgesagt. Dieser wäre dann – in case – eine Bewertungsbasis für einen Vergleich in der theoretischen Bewertung des Joint-Venture als Basis für einen späteren Börsengang. Das erste Produktionsziel von Re-Fire sind 10.000 BZ-Stacks p.a. Im Nfz-Sektor geht das Unternehmen mehrgleisig vor: einerseits die Kooperation (Co-Development) mit Tier-I-Partnern wie Mahle mit dem Ziel der gemeinsamen Großserienfertigung des BZ-Powertrains und andererseits die Zulieferung der BZ-Module an Unternehmen wie Quantron.

Im Bussegment – das ist ja schon lange meine Annahme – werden Brennstoffzellen nun in immer größerem Umfang zum Einsatz kommen. Statt Stack-/Modul-Einzelaufträgen über 5, 10 oder 20 Exemplare erwarte ich zukünftig eher 100, 1000 oder gar einem Mehrfachen dessen allein im Busmarkt. Es ist „dramatic growth“ zu erwarten, so meine Interpretation. Das Salz in der Suppe: Die Absichtserklärung mit der indischen Adani-Group enthält diverse Möglichkeiten der Zusammenarbeit, wobei eine gemeinsame Stack-Produktion eher unwahrscheinlich ist, wohl aber der Kauf und die Integration von Ballard-Stacks bei diversen Anwendungen.

Steigt Adani ein?

Mit inbegriffen ist auch die Möglichkeit, dass sich Adani an Ballard beteiligen könnte. Wird dieses MoU mit Leben gefüllt – so meine Erwartung – dann kommt die Börse nicht umher, dies in die Kursentwicklung von Ballard einzuspeisen, da es sich dann – in case – um das breiter im großen Stil angelegte Entree in Indien mit einem Top-Unternehmen handelt – neben einer Kooperation mit Tata bei Bussen.

Für den Fall, dass sich Adani via Kaufempfehlung an Ballard mit 5 bis 15 Prozent beteiligt und dann 150 bis 450 Mio. US-$ überweist (rechnerischer Wert bei heutigen Kursen), sollten wir Kurse von über 15 US-$ in der Aktie alleine hieraus resultierend sehen – was aber nur eine theoretische Überlegung von mir ist.

Fazit: Von der aktuellen Kursbasis geht es bei guten Nachrichten wieder zügig aufwärts. Ballard setzt sein Kapital – noch über 1,1 Mrd. US-$ auf der Bank – sehr gezielt für die Optimierung seine BZ-Produkte und dem Aufbau der Unternehmensorganisation ein – woraus dann 2023ff ein sehr hohes Umsatz- und dann auch Gewinnwachstum resultiert. Dass das alles länger als gedacht läuft, liegt in der Natur der Sache, da hier gerade ein gigantischer neuer Weltmarkt entsteht. Mich überzeugt die unaufgeregte strategische Positionierung von Ballard. Da wird bald (2023ff) geerntet, was ausgesät (F & E, Produktionskapazitäten, JV) worden ist.

Ballard ist der Weltmarktführer in Sachen PEM-BZ und wird dies – gefühlt – so auch bleiben. Nun muss die Börse die Perspektiven noch richtig einschätzen, denn 40 Prozent am Börsenwert ist in Cash, so dass aktuelle Notierungen schon einem Crash-Kurs entsprechen. Wäre ich Gautham Adani, würde ich gerade diese niedrige Bewertung zum Einstieg nutzen und dem MoU Taten folgen lassen, aber das ist eine persönliche Meinung. Stay tuned und nicht bange machen lassen von niedrigen Börsenkursen. Das geht auch vorüber. Bringen Sie aber noch Zeit für dieses Invest mit. Es verhält sich nämlich wie 2018/19, als die Aktie zwischen 2 und 3 US-$ schwankte, bis es dann auf 40 US-$ ging und heute nur noch 8,50 US-$ notiert. 40 US-$ und mehr in zwei Jahren? Eine gewagte persönliche Prognose (ohne Obligo), aber auch nicht unrealistisch.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 23. April 2022

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