Börse beruht auf Psychologie, aber letztlich zählen Fakten

Die Aktien vieler Unternehmen aus dem Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik haben es gerade schwer. Zwar ist da ein neuer Megatrend auszumachen, aber die Kurse wollen dies einfach nicht reflektieren und fallen selbst bei guten Nachrichten. Man ist geneigt, gewisse Interessen zu vermuten, deren Ziel ist, fallende Kurse zu provozieren, Unsicherheit zu schüren, um letztendlich auf tiefem Kursniveau wieder einzusteigen und den nächsten starken Kursanstieg auszulösen.

Eine derartige Entwicklung war auch 2021 bei Unternehmen wie FuelCell Energy zu beobachten. Dort kam es überraschend zu einer Kursexplosion, die von 0,50 US-$ bis auf über 25 US-$ führte, ohne, dass dafür ein plausibler Grund ersichtlich war, auch wenn das Unternehmen eine erfolgreiche Reorganisation absolviert hatte. Aber von 150 Mio. US-$ Bewertung auf 9 Mrd. US-$ war zu viel des Guten.

FuelCell nutzte die Gunst der Stunde und sammelte via Platzierung von Aktien über den Markt über 350 Mio. US-$ ein und konnte am Ende des Tages gar über 450 Mio. US-$ an Eigenkapital für sich gewinnen. Neobroker-Plattformen wie Robinhood und Reddit mit ihrem Heer von Millionen Kleinanlegern sorgten für gute Kurse. Es gab Tage, wo mal eben 100, 200 oder mehr als 300 Mio. Aktien umgesetzt wurden – in nur einer Session. Aber irgendwann übernehmen die Fakten wieder die Oberhand.

Bei Unternehmen wie Bloom Energy gibt es eine Reihe guter Nachrichten. Dennoch fällt die Aktien bei überschaubaren Umsätzen peu a peu weiter ab, obwohl Analysten wie die von Raymond James, Morgan Stanley oder Wells Fargo den Titel als Gewinner einstufen mit Kurszielen, die gut dem Doppelten entsprechen, wo die Aktie heute notiert. Man bedenke, dass tägliche Umsätze von 2, 3 oder 4 Mio. Aktien gerade mal 40, 50 oder 60 Mio. US-$ sind, was man auch im Verhältnis zum Unternehmenswert von über 3 Mrd. US-$ sehen sollte.

Ein großer Hedgefonds oder mehrere Fonds gemeinsam können jeden Kurs dahin bringen, wo sie diesen haben wollen. Genau dieses Bild ergibt sich für mich. Da gilt dann: Nicht bange machen lassen. Denn auch solche Fonds haben Ziele, die meines Erachtens eher in stark steigenden als in weiter fallenden Kursen liegen – selbst, wenn diese selbst zur Gruppe der Shortseller zählen, die ja auf fallende Kurse setzen, aber irgendwann auch eindecken wollen. Dann wechseln sie die Seite – von short auf long, geht doch.

Der Börsenkurs steht im Widerspruch zu den Perspektiven, besitzt Bloom doch wichtiges Know-how in Sachen Elektrolyse und kann auf viele erfolgreiche Projekte verweisen, wo beispielsweise AAA-Kunden wie Apple auf die netzunabhängigen Brennstoffzellenkraftwerken von Bloom setzen. Sollte SK ecoplant von dem Deal zurücktreten, sich mit bis zu 15 Prozent für 550 Mio. US-$ zu beteiligen oder gar den 4-Mrd.-US-$-Auftrag stornieren? Es sieht nicht so aus, aber Anfang Februar werden wir es wissen, wenn die Zahlen für das Jahr 2021 und das vierte Quartal 2021 veröffentlicht werden.

Warum setzt das indische Energieministerium und der größte Versorger dort auf Bloom mit dem ersten wasserstoffbetriebenen MicroGrid? Warum setzt MSC als weltgrößter Schiffskonzern und Nr. 3 in Sachen Kreuzfahrschiffen auf Bloom? Warum will Southern California Gas (21 Mio. Kunden) mit Bloom prüfen, wie die Gasnetze H2-ready gemacht werden ? Erkennen Sie Nachrichten, die negativ wirken und für fallende Kurse sprechen? Ich jedenfalls tue dies nicht.

Was hat Bloom mit Warren Buffett zu tun?

Die Bank of America ist Kunde von Bloom und baut Brennstoffzellenkraftwerke für Call Center und Rechenzentren. Die BoA will auch 20 Mrd. US-$ in regenerative Energien investieren und hat Bloom BZ-Kraftwerke mit über 35 MW finanziert. Warren Buffett ist mit circa 13 % größter Einzelaktionär dieser Bank. Zudem ist Buffett größter Einzelinvestor bei Apple Computer mit über 150 Mrd. US-$. Apple lässt unter anderem BZ-Kraftwerke von Bloom bauen.

Darüber hinaus hat Buffett vor Jahren Dominion Energy gekauft für circa 10 Mrd. US-$. Das Unternehmen ist ein großer Pipelinebesitzer, der mit Duke Power plant, in Wasserstoff zu investieren. Dies könnte auch mit Bloom zu tun haben, sei es in der Elektrolyse oder um Pipelines H2-ready zu machen, denn da arbeitet Bloom gerade mit BakerHughes dran. In den USA werden bislang gerade einmal 1.600 Meilen für Wasserstoff benutzt – von insgesamt 3 Mio. Meilen Pipelinenetz. Wer die Pipelines besitzt, wird an H2-Gas nicht vorbei kommen.

Warren Buffett ist somit der Idealpartner von Bloom. Alle seine Unternehmen sollten auf saubere Energie via Bloom setzen. Buffett wäre der perfekte Investor – direkt ist er dies nicht, aber es gibt halt viele Links. Der Stoff, aus dem steigende Kurse gemacht werden, oder?

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 14. Januar 2022

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2 Gedanken zu „Börse beruht auf Psychologie, aber letztlich zählen Fakten“

  1. Zitat:
    “Erkennen Sie Nachrichten, die negativ wirken und für fallende Kurse sprechen? Ich jedenfalls tue dies nicht.”
    Ich lese eingangs:
    “… überraschend zu einer Kursexplosion, die von 0,50 US-$ bis auf über 25 US-$ führte, ohne, dass dafür ein plausibler Grund ersichtlich war, … war zu viel des Guten.”
    Ich lese aber nicht, wo denn der Autor ein realistisches Kursniveau verortet – also fällt der Kurs – genau bis zu einem realistischen Niveau.
    Oder bis zur nächsten geschührten Wasserstoff-Blase, die nichts mit der langfristig evtl. positiven realistischen Entwicklung zu tun hat.
    Derzeit (Anfang März 2022) liegt die Aktie bei ca. 5€ – mit eher negativem Trend, trotz einiger stützender Peaks. Ob dies schon der realistische Boden ist?

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