Wasserstoff-Container für Karlsruhe

Franz Untersteller, der Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft von Baden-Württemberg, hat am 9. Dezember 2011 den Prototyp einer ersten Wasserstofftankstelle in Karlsruhe in Betrieb genommen. Zur Einweihung befüllte er ein Brennstoffzellenfahrzeug aus dem Fuhrpark seines Ministeriums. Die Container-Lösung ist keine H2-Zapfsäule an einer Markentankstelle, sondern eine, an der die Cold-Fill-Schnellbetankungsmethode zunächst für zwei Jahre erprobt werden soll. Dafür wird der gasförmige Wasserstoff zunächst auf -40 °C abgekühlt, um dann verdichtet bis auf 700 bar möglichst rasch getankt werden zu können. Eine Befüllung dauert dadurch nicht länger als drei Minuten. Die entsprechende Technik, deren Praxistauglichkeit und Leistungsfähigkeit zunächst noch getestet werden soll, ist nach SAE 2601 A70 zertifiziert. In dem Container können insgesamt 56 kg Wasserstoff bevorratet werden, was für über 15 Fahrzeuge pro Tag ausreicht. Seitens des Energieversorgers EnBW, auf dessen Betriebsgelände diese mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II geförderte Anlage steht, hieß es, im laufenden Jahr solle in Stuttgart noch eine zweite Wasserstofftankstelle errichtet werden.

Politik wie im Paradies

Für Henning Zoz war es, als käme er ins Paradies, als er am 19. Oktober 2011 die Berliner Landesvertretung von Baden-Württemberg anlässlich des parlamentarischen Abends betrat. Alles drehte sich dort um „Wasserstoff und Brennstoffzellen“, wobei die Protagonisten tatkräftig den Eindruck vermittelten, als läge eine goldene Zukunft mit einer nachhaltigen Energieversorgung basierend auf Wasserstoff vor Deutschland. Bei näherer Betrachtungsweise der aktuellen Lage wird jedoch klar, dass bei weitem noch nicht alle Herausforderungen gemeistert sind. Das Stimmungspendel schlägt zwar seit einigen Wochen wieder mehr in Richtung „Wasserstoff und Brennstoffzellen“, auf der Sachebene hat sich im letzten halben Jahr jedoch kaum wirklich etwas bewegt.

Bei dem Aufeinandertreffen der Lobbyisten mit den Parlamentariern, die erfreulicherweise dieses Mal in nennenswerter Anzahl erschienen waren, ging es zunächst vorrangig um eine Darstellung der Errungenschaften, die das Land Baden-Württemberg im Wasserstoffsektor vorzuweisen hat. Dementsprechend drängten sich insbesondere der Autokonzern Daimler sowie der Energieversorger EnBW mit ihren Erfolgen ganz nach vorne. Auch Dr. Johannes Töpler, Vorsitzender des mitveranstaltenden Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands (DWV), malte ein durchweg positives Bild von der aktuellen Entwicklung, so dass Prof. Dr. Henning Zoz im Rahmen der Podiumsdiskussion aufstand und erklärte: „Ich fühle mich wie im Paradies, seit ich durch die Türen der Botschaft gekommen bin.“ Die prompte Antwort vom Podium lautete sehr zur Erheiterung der Gäste: „Ja, so ist Baden-Württemberg.“

Auch der Gastgeber des Abend, Landesumweltminister Franz Untersteller, sprach viel über die Vorzüge des süd-deutschen Bundeslandes, mahnte jedoch auch an, dass noch einiges in Sachen Effizienzsteigerung und Verbrauchssenkung unternommen werden müsse. Gleichzeitig appellierte er an die Mineralöl- und Gaswirtschaft, möglichst rasch ein akzeptables H2-Tankstellennetz aufzubauen, da die 20 von Daimler und Linde angekündigten zusätzlichen Betankungsstationen zwar richtig und wichtig seien, diese Maßnahme aber nur als Initialzündung verstanden werden dürfte für einen weiteren Ausbau.

Jan Mücke, der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, beteuerte: „Elektroautos gehört eindeutig die Zukunft“, und kündigte für 2030 rund 6 Mio. E-Fahrzeuge auf bundesdeutschen Straßen an. Er stimmte gleichzeitig in den Chor der Befürworter erneuerbarer Energien mit ein und bekräftigte: „Wind-Wasserstoff-Systeme für saisonale Energiespeicherung können einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten.“ NOW-Geschäftsführer Dr. Klaus Bonhoff kündigte daraufhin auch an, dass die H2-Produktion aus erneuerbaren Energien im Nationalen Innovationsprogramm zukünftig mit eigenen Projekten vertreten sein werde.

Ein Knackpunkt ging in dieser „paradiesischen Stimmung“ mit den rund 120 geladenen Gästen fast unter und wurde von Bonhoff nur am Rande erwähnt: Die eigentliche Markteinführung von Brennstoffzellen. Er beteuerte zwar, dass bereits erste politische Gespräche über geeignete Förderinstrumente laufen würden, aber selbst ein Energiepolitik-Experte wie Hans-Josef Fell von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen konnte gegenüber der HZwei-Redaktion nicht beantworten, wer denn da wo mit wem sprechen würde. Fell zweifelte vielmehr stark daran, dass „mit der aktuellen Bundesregierung“ in diesem Bereich überhaupt etwas zu bewegen sei, obwohl hier akuter Handlungsbedarf herrsche.

Optimismus beim bisher größten f-cell-Symposium

Die Stimmung im Stuttgarter Haus der Wirtschaft war gut. So viele Teilnehmer wie noch nie zuvor waren vom 26. bis 27. September 2011 zur 11. f-cell gekommen. Entsprechend locker gaben sich die Veranstalter, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) und die Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse. „Das war die beste f-cell, die wir je hatten“, freute sich Peter Sauber. Mit zu diesem Erfolg beigetragen haben dürfte die Anwesenheit des neuen Phileas-Busses, der auch den Shuttle-Service für die Gäste der Preisverleihung übernahm.

Es waren nochmals weitaus mehr Besucher als in dem bereits gut besuchten f-cell-Jubiläumsjahr 2010: Über 1.000 Branchenvertreter waren aus insgesamt 26 Ländern angereist. Auch bei der begleitenden Ausstellung waren mehr Institutionen als jemals zuvor vertreten (46). Diese Steigerungen bewirkten nicht nur ein regeres Treiben in den Gängen, sondern gleichzeitig auch eine wesentlich optimistischere Atmosphäre.

Was genau auf einmal zu dem verstärkten Interesse an der f-cell geführt haben könnte, lässt sich nur mutmaßen: War es das klare Bekenntnis von Daimler zu BZ-Fahrzeugen? War es die öffentliche Debatte über Kernenergie und potentielle Energiespeicher? War es die Erkenntnis in der Zulieferbranche, dass ein Weg aus der Krise über neue innovative Techniken führt? Oder war die Zeit jetzt einfach reif?

Vielleicht war es auch einfach die Referentenauswahl, immerhin wurde die Begrüßungsrede zum ersten Mal von einem Landesumweltminister der Grünen, Franz Untersteller, gehalten. Dieser nahm sich dann auch extra viel Zeit und ging ausführlich auf die Energiewende, die Atomkatastrophe von Fukushima, die Landespolitik und natürlich die Brennstoffzellentechnik ein. Er betonte dabei die Notwendigkeit, für den Fahrzeugantrieb „grünen“ Wasserstoff zu verwenden und erklärte: „Die Zukunft hat bereits begonnen.

Beim Ride&Drive-Angebot standen erstmals fünf verschiedene Pkw-Modelle (z.B. Honda FCX Clarity, Opel Ampera) sowie zwei Zweiräder zur Verfügung. Für Aufsehen sorgte HyCologne, das es möglich gemacht hatte, mit seinem 18 m langen Brennstoffzellen-Hybridbus nach Stuttgart zu kommen. Der Phileas hatte erst kurz zuvor seine viermonatige Testphase im Rhein-Erft-Kreis erfolgreich abgeschlossen (s. HZwei-Heft, Juli 2011), bevor er nun im Linienverkehr in Hürth und Brühl eingesetzt wird. Durch die erfolgreiche Fahrt vom Rhein in die baden-württembergische Hauptstadt kamen alle Gäste der f-cell award Preisverleihung in den Genuss einer kostenlosen, leisen und sauberen Probefahrt zu den Stuttgarter Wagenhallen. Boris Jermer und Karsten Krause von HyCologne zeigten sich dementsprechend erfreut über die gelungene Überraschung und berichteten voller Stolz über den niedrigen Verbrauch des Gelenkbusses. Allein die Stuttgarter Wasserstofftankstelle, die trotz des angekündigten Nachfüllstopps am Anreisetag nicht betriebsbereit war, sorgte zunächst für etwas Unruhe. Tags darauf war dann allerdings schon wieder alles voll funktionstüchtig. So konnte dann auch am 28. September die Technik-Tour zum Zentrum E-Mobilität, zu Nucellsys nach Kirchheim/Teck und zum Max-Planck-Institut erfolgreich mit dem Bus durchgeführt werden.

Bei der Verleihung der f-cell awards konnte sich wieder mal eine Abteilung des Hauptsponsors Daimler freuen. Minister Untersteller überreichte den ersten Platz an Dr. Thomas Poschmann, Dr. Steffen Doenitz und Adrian Wieser für die Entwicklung und Produktion des ersten unter Serienbedingungen hergestellten Brennstoffzellen-Pkw, die B-Klasse F-Cell, die erst kürzlich erfolgreich die Erde umrundet hatte. Der zweite Rang blieb ebenfalls in Baden-Württemberg: Die Robert Bosch GmbH erhielt die silberne Auszeichnung für die Entwicklung eines kompakten H2-Dosierventils für BZ-Fahrzeuge verschiedener Größenordnung und Leistungsklasse („Klein aber fein“). Den f-cell award in Bronze mussten sich dieses Mal zwei Unternehmen teil: Zuerst wurde SFC Energy für die neue Produktgeneration des portablen BZ-Systems efoy Comfort geehrt. Anschließend kam Lars Frahm von N2telligence nach vorn und erhielt seine Urkunde für die Entwicklung des Brandschutzsystems QuattroGeneration.