Mit nachhaltiger Politik die Krise überwinden

Immer häufiger wird dieser Tage die Frage diskutiert, wie es mit der Energiewende, dem Klimaschutz und dem vor einigen Wochen noch dImmer häufiger wird dieser Tage die Frage diskutiert, wie es mit der Energiewende, dem Klimaschutz und dem noch vor einigen Wochen deutlich wachsenden Interesse an Wasserstoff weitergeht. Was wird aus der FridaysForFuture-Bewegung? Wird jemals wieder ein Klimagipfel stattfinden? Wird es einen Rückfall mit einer Manifestierung der fossilen Energieträger geben, oder wird die H2– und BZ-Branche mittelfristig gestärkt aus dieser Krise hervorgehen?

Ich denke, die Chance für eine wirkliche Energiewende war noch nie so groß wie heute. Es wird aber darauf ankommen, was wir – jeder einzelne von uns – aus der aktuellen Situation machen.

Folgen wir weiterhin, wie in den Vor-Corona-Zeiten, den Automobillobbyisten, die nach wie vor an einer 140 Jahre alten Technologie festhalten und selbst für Verbrennungsmotoren – die noch so effizient sein mögen, aber fossile Kraftstoffe nutzen und somit Schadstoffe emittieren – Kaufprämien vom Staat verlangen?

Bevor wir – wieder einmal – diesen Weg einschlagen, sollten wir uns klarmachen, dass schon 2019 überdeutlich sichtbar wurde, dass die deutsche Automobilindustrie bei der Elektrifizierung des Pkw viel zu spät dran ist. China ist uns längst himmelweit voraus. Volkswagen hat zwar, kurz bevor es gänzlich zu spät war, in einer Hauruck-Aktion das Ruder herumgeworfen, setzt jetzt aber einzig und allein auf Batteriefahrzeuge. Und jetzt? Jetzt gibt es Probleme bei der Software-Entwicklung und bei der Auslieferung des neuen ID.3. Bei den anderen deutschen Mitbewerbern sieht es in Sachen E-Auto nicht viel besser aus.

Vernünftiger wäre es jetzt zu versuchen, zumindest im Nutzfahrzeugbereich den Anschluss nicht zu verlieren, hier vielleicht sogar Trendsetter zu werden. Bei den Personenwagen hat Tesla die gesamte Automobilwelt vorgeführt. Jetzt droht Nikola, das nächste US-amerikanische Start-up, dasselbe im Lkw-Sektor zu tun. Und was fällt den Deutschen dazu ein? Die Ankündigung, erst Ende dieses Jahrzehnts den Nfz-Bereich elektrifizieren zu wollen. Sorry, aber in zehn Jahren ist die Welt schon eine ganz andere.

Dies alles wäre nicht halb so dramatisch, wenn die deutschen Automobilisten mit ihrem eigenen Geld für ihre Entscheidungen geradestehen würden. Aber nein. Über Jahrzehnte wurden Fördergelder in zigfacher Millionenhöhe eingesammelt. Es wurde aktiv an sogenannten „Innovationsprogrammen“ mitgeschrieben, worunter insbesondere Klein- und mittelständische Unternehmen zu leiden hatten, weil diese faktisch von den auf Großkonzerne zugeschnittenen Fördermaßnahmen ausgegrenzt wurden. Die Autolobby hat zudem wiederholt politische Maßnahmen hinausgezögert, gleichzeitig aber Finanzhilfen durchgedrückt, die jetzt im Nachhinein erwiesenermaßen als teuer und ineffizient bezeichnet werden dürfen.

Dank damaliger Abwrackprämie und nicht getätigter Investitionen in Zukunftstechnologien konnten die Autobauer in den vergangenen Jahren immense Gewinne einstreichen. Sie halten weiterhin am Verbrennungsmotor fest, fordern aber gleichzeitig finanzielle Unterstützung vom Staat, wollen aber auch Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Das ist wirklich tolldreist.

Warum wiederholt sich dieses Schauspiel immer wieder? Und warum macht der Steuerzahler das mit? Warum können BMW, Daimler und Volkswagen über zwanzig Jahre lang Bundesmittel in Form von Fördergeldern einstreichen, ohne adäquate Gegenleistungen (z. B. massentaugliche, bezahlbare Brennstoffzellenfahrzeuge) zu erbringen?

Weil sie es können. Sie brauchen lediglich damit zu drohen, einen Teil der vielen Arbeitnehmer zu entlassen. Dann macht die Politik (fast) alles, was sie wollen. Und dies ist auch (fast) allen bekannt, aber geändert wird – nichts.

An dieser Stelle sei einfach mal an die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers erinnert: Es ist seine Aufgabe, auf berechtigte Interessen der Arbeitnehmer angemessen Rücksicht zu nehmen – und berechtigte Interessen dürften ja wohl der Fortbestand der Firma und der des Arbeitsplatzes sein, ebenso wie ein mittel- und langfristiges Konzept, wie auf die Herausforderungen der Zukunft reagiert werden soll. Weiter an fossilen Energieträgern festzuhalten ist jedoch alles andere als weitsichtig und weiß Gott nicht fürsorglich.

Wer also jetzt noch Kaufprämien für Verbrenner fordert, ist nicht nur einmal, sondern mindestens zweimal zu häufig befördert worden und sitzt auf einem Posten, dem er oder sie nicht gewachsen ist. Deswegen meine Bitte:

Überlassen Sie doch bitte die Entscheidungen, deren Folgen Sie voraussichtlich nicht mehr direkt zu spüren bekommen, anderen, damit endlich wirklich nachhaltiges Wirtschaften und weitsichtige Wirtschaftspolitik auch in die deutsche Automobilindustrie Einzug halten können.

Und an die Politik: Es gibt weitaus attraktivere und wirkungsvollere Instrumente, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln und gleichzeitig die Umwelt zu entlasten, seien es die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, des Fahrradverkehrs oder Elektromobilität mit Grünstrom beziehungsweise grünem Wasserstoff. Wie wäre es beispielsweise mit einem Markthochlaufprogramm für Batterie- und Brennstoffzellenbusse, die vielerorts nachgefragt werden, aber für Monate nicht geliefert werden können?

Vor uns liegt eine Riesenchance – wir sollten sie nutzen.

3 Gedanken zu “Mit nachhaltiger Politik die Krise überwinden

  1. Gut gebrüllt – Löwe!

    Nur vermisse ich beim Plädoyer für Nachhaltigkeit neben dem Bekenntnis zu grünem Wasserstoff die Forderung nach Aufhebung der Zubaubeschränkungen und bürokratischen Gängeleien, die die breitere Nutzung /Ausweitung behindern.

    Als erstes ist der gesetzliche „PV-Deckel“ zu streichen, der in wenigen Monaten sonst den eh fragilen PV-Markt in D kollabieren lassen wird – wenn nicht gehandelt wird.
    Als Zweites sind die Rahmenbedingungen so neu zu gestalten, dass bei Wind und Solar wieder die Bürger an der dezentralen Energiewende teilhaben können. Denn in den letzten Jahren wurde immer weiter nur auf Großinvestoren (der alten Energiewirtschaft) zugegangen …
    Wenn dann noch CO2 stärker bepreist wird und tatsächlich zusätzlicher (!) EE-Strom für die grüne Elektrolyse existiert (und nicht wie heute dem Strommarkt entzogen wird) – erst dann hat (grüner) Wasserstoff gute Chancen.

    @Arno A. Evers:
    Die Zeit der FCEV als PKW wird nicht (mehr) kommen. Dafür sind die BEV im Markthochlauf schon viel zu sehr voraus und FCEV noch nicht einmal in der Planung zur Massenproduktion. Denn wenn Toyota vom neuen Mirai II die Produktion verzehnfachen (!!!) will klingt dies natürlich erst einmal gut.
    Wenn dies aber „bis zu“ 30.000 Einheiten im Jahr bedeutet, ist es einfach nur lächerlich für den größten Automobilproduzenten der Welt. Das entspricht etwa der Menge BEV, die die kleine Firma Tesla schon 2019 in einem Monat (!) produziert hat …
    Selbst wenn FCEV die besseren E-Autos wären (was ich nicht glaube), ergeht es ihnen wie dazumal den Videoformaten „Betamax“ oder „Video2000“ – denen die technische Überlegenheit gegenüber „VHS“ letztlich nichts genützt hat.

    Ob sich FCEV im Nutzfahrzeugsektor etablieren /durchsetzen können, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Wenn nicht wie beim ÖPNV massiv mit Steuergeld subventioniert wird, hat die Technologie in diesem kostensensiblen Bereich kaum Chancen.

    Bleiben die stationären Anwendungen für H2 – vor allem als Substitution bei CO2-lastigen Prozessen in der Industrie und als Langzeitspeichermedium in der Energiewirtschaft. Hier sollten wir ansetzen und unsere Potentiale auspielen – zusammen mit dem weiteren Ausbau der EE-Nutzung …

  2. Danke, Sven, dieser Beitrag, wie so viele von Dir, spricht mir aus dem Herzen.
    Leider sagt mir meine Lebens- und Berufserfahrung, das wir uns da bitte nicht zu früh freuen oder aus dem Fenster legen sollten.
    Schon zu oft sind wir, was die „Einsichtfähigkeit“ von Politikern angehst enttäuscht worden. Die haben nur ein Ziel: Wiedergewählt zu werden.
    Also sollten wir denen etwas bieten, damit das passieren kann.
    Das muss dann allerdings aber auch bitte Substanz haben.
    Lediglich, nach all den Jahrzehnten, nur 507 zugelassenen Wasserstoff-betriebene Personen-Kraftwagen vorzuweisen,
    was einem Marktanteil von genau 0,000010583 Prozent entspricht,
    bei insgesamt 47,715,977 zugelassenen Pkw`s in Deutschland Ende 2019,
    das ist schon mehr als peinlich. Quelle: Kraftfahrzeugbundesamt.
    Wer bitte war oder ist dafür eigentlich verantwortlich?
    Und warum bitte wird darüber nicht diskutiert?

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