40 % Förderung für BZ-Autos … allerdings fehlen die Fahrzeuge

Hyundai
Der Hyundai ix35 Fuel Cell – günstiger als gedacht

Brennstoffzellenautos sind zu teuer – und außerdem gibt es keine H2-Infrastruktur. Sätze wie diese hört man immer wieder. Über den Zubau von Wasserstofftankstellen wird und wurde in der HZwei immer wieder berichtet. Widmen wir uns deswegen jetzt dem Preis: Der kann bei entsprechender Förderung sehr viel niedriger sein als vielfach angenommen. So könnte ein Honda Clarity Fuel Cell anstatt für 57.000 Euro für etwa 42.000 Euro bezogen werden – wenn er denn hier angeboten würde. Die NOW bestätigte jedoch: „Der Honda ist derzeit nicht verfügbar.“

Die Zulassungszahlen von Wasserstofffahrzeugen liegen aktuell im Vergleich zu konventionellen Antriebstechnologien irgendwo im nicht nennenswerten Bereich: Im Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis zum 31. März 2017 waren es drei Käufer, die einen Antrag auf den Umweltbonus für ihr BZ-Modell stellten. Demgegenüber wurden 8.655 Anträge für rein batterieelektrische und 6.690 für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt – davon über die Hälfte von Gewerbetreibenden.

Kurz zur Erinnerung: Bei dem Umweltbonus geht es um einen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro seitens der Bundesregierung und eine zusätzliche Preisreduzierung in gleicher Höhe vom Autohersteller, insgesamt also 4.000 Euro, die der Kunde vom Kaufpreis erstattet bekommt. Beim Kauf eines Toyota Mirai (78.600 Euro) verringert sich der Preis somit um 5 %. Dabei wäre sehr viel mehr möglich: Im Rahmen einer Projektförderung können zwei Fünftel der Mehrkosten vom Gesamtpreis abgezogen werden.

40 % Abzug von den Mehrkosten

Am 1. März 2017 ist die neue „Förderrichtlinie für Maßnahmen der Marktaktivierung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie Phase II“ erschienen. Diese Richtlinie, die bis Ende 2019 gilt, ist Teil eines Regierungsprogramms, das für die Marktvorbereitung wettbewerbsfähiger Produkte im Wasserstoff- und Brennstoffzellenbereich konzipiert wurde. Hierin wurde festgelegt, dass Zuwendungen im Rahmen von Projektförderungen als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt werden können. Dies gilt für BZ-Autos ab einer Mindeststückzahl von drei Fahrzeugen.

Konkret können Investitionsmehrkosten mit bis zu 40 % bezuschusst werden. Bemessungsgrundlage sind in diesem Fall diejenigen Mehrausgaben, die durch den Einsatz der Brennstoffzellentechnik gegenüber dem Einsatz konventioneller Technologie bedingt sind. Dementsprechend hieß es seitens der NOW: „Die Antragsteller müssen bei Einreichung der Unterlagen Angebote für BZ- und konventionelle Modelle beilegen.“ (Vergleichsfahrzeug für den Mirai ist der Toyota Avensis – UVP: 24.790 Euro.)

Antragsberechtigt sind juristische Personen des öffentlichen und des Privatrechts sowie natürliche Personen, soweit sie wirtschaftlich tätig sind. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) mit Sitz in Deutschland werden zur Antragstellung ermutigt. Die Zuwendung darf allerdings nicht mit dem Umweltbonus für Elektrofahrzeuge kumuliert werden.

Rechenbeispiele

Fahrzeug Hyundai ix35 Fuel Cell Toyota Mirai
Neupreis 65.450 Euro 78.600 Euro (geleast)
Vergleichspreis 22.740 Euro – Tucson 24.790 Euro – Avensis
Mehrkosten 42.710 Euro 53.810 Euro
Zuschuss (40 %) 17.084 Euro 21.524 Euro
Endpreis gefördert 48.366 Euro 57.076 Euro

Preise ohne Gewähr

So ist jedenfalls die Theorie, denn diese Rechenexempel (s. Tabelle) gelten natürlich nur, wenn hierzulande auch tatsächlich ein Brennstoffzellenauto angeboten wird. Bislang ist es noch so, dass die Autoproduzenten jeweils nur wenige Tausend Exemplare bauen und die dann vorrangig in Japan oder Kalifornien anbieten. Nach Deutschland kommen meist nur relativ wenige. Von Hondas erster Brennstoffzellengeneration FCX Clarity waren es zwei, und die blieben im Besitz des Herstellers. Und bezüglich des neuen Modells erklärte Thomas Brachmann von Honda R&D Europe: „Der aktuelle Honda Clarity Fuel Cell wird in Europa nicht zum Verkauf angeboten.“ In den USA wird er für 59.365 US-$ verleast.

7 Gedanken zu “40 % Förderung für BZ-Autos … allerdings fehlen die Fahrzeuge

  1. Die „Leute an den Schaltstellen“ schalten leider nicht. Die werden geschaltet und zwar von denen, denen der Wasserstoff gar nicht gelegen kommt, weil sie mit fossilen und atomaren Quellen ihr Geld verdienen und weiter verdienen wollen.
    An den Schaltstellen aber bräuchten wir Leute, die selber schalten können und das auch wollen.

    • Sollen Kohle und Öl doch im Boden bleiben, solange die Sonne scheint und der Wind weht und man damit Strom und Brennstoffe herstellen kann.

      Wer weiss, wofür man diese Rohstoffe später einmal brauchen kann und brauchen muss – anstatt sie immer schneller einfach zu verbrennen.

      Atomenergie ist fein, wenn der Reaktor hundert Millionen Kilometer in sicherer Entfernung steht. Funktioniert prima. Und das ist keine Ideologie, sondern Technologie.

      Die „Speicherung“ ist ein Popanz und nur ein lösbares technisches Problem. Und damit kein Problem.

  2. Besonders bedauerlich finde ich, dass mindestens drei Fahrzeuge angeschafft werden müssen um die Förderung zu erhalten. Damit sind innovative Freiberufler und KMUs schon mal außen vor.
    Was soll das? Vereinfachung der Verwaltung?
    So wird das nichts!

    P.S.: Nach einer ausführlichen Probefahrt mit einem Toyota Mirai bin ich absolut überzeugt von der Technik!!

    • Bedenkt man, dass so ein FCEV fast 3mal soviel kosten kann wie die Benzinausführung, dann sollten sich Gesetzgeber und Bundestag/-rat einen Ruck geben und: fördern!

      Kein Autofahrer, der billiges Benzin preist und Solardächer und Wasserstoff für eine schwache Lösung hält, hat selber eine Ölquelle unterm Haus.
      Für die kommt das Benzin woher? Aus der Tankstelle natürlich.

      Und: es kann doch nicht die Wahrheit sein, dass in der Autonation Deutschland nur die Ostasiaten FCEV anbieten.

  3. “ Es liegt an den beteiligten Leuten, nicht an der Technologie …“

    Das ist auch meine Meinung.
    Wo ein Wille ist, ist ein Weg.

    Die Steuerzahler weltweit, hier eher mehr, da eher weniger, haben über den Staat Unsummen direkt oder indirekt in Wasserstofftechnologien und verwandte Disziplinen investiert – über Jahrzehnte hinweg.

    Es gibt Wissenschaftler, Techniker, Ingenieure, Tüftler, Eigenbrötler, Idealisten und Humanisten, die ihr Leben den erneuerbaren Energien und der Nachhaltigkeit verschrieben haben.

    Immer wieder mussten Rückschläge hingenommen werden, wenn der Ölpreis aus as für Gründen auch immer sank. Es gab meiner Ansicht nach aber nie Rückschläge in Wissenschaft und Forschung.

    Jetzt.
    Jetzt stehen wir davor, wo im Prinzip jedermann mit Wasserstoff Auto fahren kann. Quer durch einen grossen Teil Europas. Mit Wasserstoff, der in Freiburg mit direktem Solarstrom, im Aargau mit Strom aus Wasserkraft, in Dübendorf mit vagabundierendem Billigstrom aus dem Netz und in Köln-Hürth aus „Industrieabfall“ gewonnen wird. In Oahu/Hawaii fallen bei Hawaii Gas Company täglich 7 Tonnen Wasserstoff als Nebenprodukt an. Damit könnte man täglich 1400 Hyundai ix35 Fuel Cell volltanken.

    Brennstoffzellenautos von Hyundai und Toyota kann man nun „von der Stange“ kaufen. Selbst die H2-Tankstellen, so scheint mir, sind im Prinzip keine Spezialanfertigungen mehr. DIN Normen, SAE Normen, genormte Druckbehälter, Zapfhähne und so weiter.

    Wer auch immer einen Teil seines Lebens in Wasserstofftechnologie u.ä. investiert hat (auch Leute aus Wirtschaft, Industrie, Verbänden), sollte jetzt die Gelegenheit ergreifen und aktiv werden und pro Wasserstoff handeln.

    Leihen Sie sich ein Wasserstoffauto, wo es welche gibt. Reisen Sie nach Bozen und erkunden Sie Südtirol und Österreich und Italien, so weit es geht. Die Wasserstofftechnologie ist voll von zukünftigen Arbeitsplätzen.

    Dann wachen vielleicht auch endlich die Leute an den Schaltstellen auf, die Flexibilität und Mobilität gewöhnlich nur von anderen fordern.

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