Hat H2 Mobility alles im Griff?

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Während der Ausbau der H2-Infrastruktur allmählich voranschreitet, ergeben sich neben technischen und logistischen Herausforderungen auch konzeptionelle Fragen. So wurde während der Hannover Messe über die „Zuständigkeiten“ diskutiert. Wer „organisiert“ in Deutschland die Standortvergabe und auch die Vergabe der Finanzmittel? Und wer ist für welche Stationen zuständig?

Nach einhelliger Meinung ist seit ihrer Gründung H2 Mobility für den deutschlandweiten Aufbau von Wasserstofftankstellen verantwortlich – was aber so nicht ganz korrekt ist. H2 Mobility ist eine Gesellschaft, und deren Geschäftsführer Nikolas Iwan hat von den Shareholdern ein klares Mandat erhalten: Er soll – zeitlich befristet – die Interessen der Shareholder beim Infrastrukturausbau vertreten und die von ihnen bereitgestellten Finanzmittel sinnvoll verwalten.

Da es sich bei H2 Mobility um ein Konsortium mehrerer marktrelevanter Konzerne handelt und es zudem um die Etablierung einer neuen Technologie geht, gab das Kartellamt der Gesellschaft bei ihrer Gründung einige Auflagen mit auf den Weg. Um zu verhindern, dass H2 Mobility beziehungsweise die daran beteiligten Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen, darf das Konsortium maximal 400 H2-Stationen aufbauen. Danach ist Schluss. Deshalb können die Mitarbeiter auch keine aussagekräftigen Antworten auf die Frage geben, wie denn das Konzept zur Aufstockung bis auf 1.000 Tankstellen aussieht.

Festzuhalten ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass anfangs etwa 1 Mio. Euro Fördergelder pro Standort investiert wurden, aufgrund von Skaleneffekten aber bereits heute eine Kostenreduktion eingetreten ist, so dass die zu erwartenden Ausgaben weiter sinken dürften. In der Regel werden die H2-Säulen an bereits bestehenden OMV-, Shell- oder Total-Tankstellen installiert. Teilweise werden auch eigenständige Betankungsanlagen aufgebaut, die dann meist von Air Liquide oder Linde betrieben werden. Damit sich die Investitionen in all diese Standorte rentieren und die Fördergelder nachhaltig Wirksamkeit entfalten können, werden die Shareholder ihre Stationen auch nach dem Ende von H2 Mobility weiterbetreiben, so zumindest ihre Zusage.

Es geht auch ohne H2 Mobility

Neben den Aktivitäten von H2 Mobility besteht auch für andere Unternehmen die Möglichkeit, Wasserstofftankstellen aufzubauen, was allerdings bislang kaum geschehen ist. Aktuell plant beispielsweise GP Joule zwei H2-Stationen in Husum und Niebüll, um die dort ebenfalls geplanten Brennstoffzellenbusse mit Wasserstoff aus den fünf anvisierten Elektrolyseuren versorgen zu können – und auch die eventuell kommenden Brennstoffzellenzüge. Gerüchteweise ist auch ein norddeutscher Energieversorger mit sera ComPress im Gespräch über die Errichtung einer Betriebstankstelle für Oldenburg in Niedersachsen.

Darüber hinaus soll auch – etwas weiter in der Zukunft – eine Station in Heide aufgebaut werden, und zwar im Rahmen des Vorhabens „Tankstelle der Zukunft“, das im Februar 2018 gestartet ist. Bei diesem vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) koordinierten Projekt sollen Strom, Wasserstoff und Methan aus regenerativen Quellen möglichst effizient, kostengünstig und bedarfsgerecht an einer Multienergiezapfsäule bereitgestellt werden. Für dieses Teilprojekt von QUARREE100 werden über fünf Jahre rund 1,3 Mio. Euro vom Bundeswirtschaftsministerium bereitgestellt (s. HZwei-Heft Okt. 2017).

Wesentliches Ziel hierbei ist, jeweils die Variante mit den geringsten Energieverlusten zu wählen: Die Stufe 1 – Verwendung des regenerativen Stroms in Elektromotoren mit zehn Prozent Batteriespeicherverlusten – wird erst verlassen, wenn ihr Potenzial ausgereizt ist. Es folgt dann die Speicherung elektrischer Energie in Form von Wasserstoff mithilfe des alkalischen Druckelektrolyseurs und dann die Methanisierung (Wirkungsgrade 75 % bzw. 60 %). Dr. Ulrich Zuberbühler vom ZSW erklärte: „Mit unserem Vorhaben bleibt die Kopplung des Stromnetzes mit der Mobilität nicht auf Elektroautos beschränkt. Auch die anderen alternativen Antriebe profitieren davon.“ Der Demonstrationsbetrieb könnte ab dem Jahr 2020 starten.

Bei QUARREE100 geht es um die vollständige Energieversorgung eines Stadtteils von Heide in Schleswig-Holstein mit nachhaltig erzeugtem Strom. Das Leuchtturmprojekt wird mit 24 Mio. Euro gefördert.

H2.Live soll sich etablieren

Auf die Frage seitens HZwei, ob denn all diese Standorte auf den Übersichtskarten von H2 Mobility und NOW aufgelistet würden, antwortete eine Sprecherin des Firmenkonsortiums, dies sei sogar gewollt, um so eine gute Bedienerfreundlichkeit gewährleisten zu können. Sie betonte vor diesem Hintergrund zudem, dass auch das H2.Live-Logo verwendet werden könne und solle, da hierfür seitens H2 Mobility kein Copyright geltend gemacht würde (s. Fünf Fragen an H2 Mobility). Die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie nutzte demgegenüber bislang die Landkarte der Clean Energy Partnership, auf der die H2-Standorte aufgelistet sind, die im Rahmen von NIP 1 oder 2 gefördert wurden. Hier soll es aber im Laufe dieses Jahres eine Veränderung geben, da die CEP seit diesem Frühjahr eigenständig arbeitet.

Clean Energy Partnership

Die Zukunft der CEP war nach der Gründung von H2 Mobility lange Zeit ungewiss. Nach Beendigung der offiziellen Projektlaufzeit der Clean Energy Partnership Ende 2016 entschieden sich jedoch 13 Partnerunternehmen, den Firmenzusammenschluss am Leben zu belassen (s. HZwei-Heft Juli 2017) und in einer vierten Auflage als unabhängiges Konsortium bis 2023 weiterzubetreiben, dann allerdings ohne Fördermittel. Von den ursprünglich 20 Unternehmen entschieden sich beispielsweise EnBW, Ford, General Motors, Siemens und Volkswagen auszusteigen. Dafür stieß Audi neu hinzu. Das Ziel der Industriepartnerschaft ist fortan die sektorenübergreifende Etablierung von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie am Markt und in der Gesellschaft.

5 Gedanken zu “Hat H2 Mobility alles im Griff?

  1. Mich würde interessieren, wer den Tankstellen wie welche Art von H2 verkauft. Das bleibt bei dem Projekt immer vornehm im Hintergrund. Handelt es sich überwiegend um H2 aus industrieller Dampfreformation? Mit anderen Worten: Wird der stetige Zugewinn an Standorten erkauft mit einer Fortschreibung fossiler Marktmacht, während jährlich Erneuerbare im Tw-Bereich abgeregelt werden und nicht einmal wissen, wohin mit ihrem H2, das manche bereits mit ihrem überschlüssigen Strom produzieren?
    Bei dem Bahnprojekt mit Zügen von Alstom nehmen sie wenigstens grauen H2, der als Abfallprodukt der chemischen Industrie anfällt, solange sie noch keine bessere Qualität haben. Hier aber schweigt man sich über derartigen Stand und zukünftige Perspektiven lieber aus. So sehr ich mich freue, dass da endlich etwas voran geht. So sehr dürfte jeder wissen, eine solche Grundlage für viele geradezu das Totschlag-Argument für die gesamte Technologie ist!

    • Dass H2-Mobility mit „bis zu 50% grünem H2“ für seine Tankstellen wirbt, kann nur mühsam darüber hinweg täuschen, dass derzeit weltweit und auch in Deutschland >90% allen H2 aus fossilen Primärenergien erzeugt werden. Es ist ein Taschenspielertrick, den kleinen regenerativ erzeugten Anteil der H2-Mobilität zuzuordnen.
      Nach dieser Sichtweise fahren batterieelektrische Kfz fast 100% mit EE-Strom. Denn die meisten Ladestrom-Anbieter haben sich dazu verpflichtet. Allerdings wird richtigerweise in Vergleichen immer auf den Strom-Mix abgestellt und so muss man es auch beim (heute noch sehr „dreckigen“) Wasserstoff betrachten.
      Ob es derzeit überhaupt Sinn macht, H2 mobil einzusetzen, wo es ca. den dreifachen EE-Verbrauch (und höhere Betriebskosten) der Akkulösung für die gleiche Wegstrecke hat, ist mehr als fraglich.
      Die Verwendung von EE-Energie rechtfertigt noch lange keine Energieverschwendung!

      In der Industrie mit grünem Wasserstoff direkt den fossilen Primärenergieverbrauch zu senken, erscheint deutlich sinnvoller (bspw. bei der Stahlreduktion den Koks). Oder in stromerzeugenden BSZ-Heizungen die Abwärme sinnvoll zu nutzen …

    • Es wird ja bereits so gehandhabt, dass H2-Tankwagen Wasserstoff an Tankstellen anliefern und häufig auch die Tankwagen als Vor-Ort-Speicher verwendet werden.

      An Bahngleisen stehen bislang allerdings soweit ich weiß noch keine H2-Tankstellen.

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