Zuversicht angesichts nahender BZ-Kommerzialisierung

Merkel
Zarajczyk, Szydło, Merkel, Fenkl (v. l.), dahinter u. a.: Oettinger, Wanka, Šefčovič

Auf der diesjährigen Hannover Messe hat Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel während ihres Eröffnungsrundgangs am 24. April 2017 ein deutliches Zeichen gesetzt: Gemeinsam mit der polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydło schaute sie sich in der Energy-Halle 27 einen Brennstoffzellenbus an und sorgte damit auch auf dem direkt angrenzenden Gemeinschaftsstand Wasserstoff + Brennstoffzellen + Batterien für gute Stimmung.

Für die Brennstoffzellenbranche war der Hybridbus des bis dato hierzulande relativ unbekannten polnischen Herstellers Ursus SA eines der Highlights (s. Abb. 1). Angetrieben wird dieses für 75 Passagiere ausgelegte und zwölf Meter lange Fahrzeug an der Hinterachse von zwei elektrischen, getriebelosen Radnabenantrieben (ZAwheel, 364 kW) der Firma Ziehl-Abegg. Nach Angaben des Künzelsauer Familienunternehmens erreichen diese einen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Die beiden Brennstoffzellenmodule (je 30 kW), die von dem niederländischen Unternehmen HyMove kommen, sowie die Wasserstoffbehälter (30 kg) befinden sich auf dem Dach. Von dort aus wird während der Fahrt der Akkumulator des deutschen Unternehmens BMZ geladen.

Vorstandschef Peter Fenkl sagte beim Kanzlerinnenbesuch sehr deutlich: „Dieselbusse braucht kein Mensch.“ Weiter erklärte er, dass während deutsche Bushersteller noch in der Sondierungsphase seien, er keinen Grund sehe, weshalb die BZ-Technik, die eine Reichweite von 450 km (6,8 kg H2 auf 100 km) ermögliche, nicht generell eingesetzt werden sollte. Ursus-Geschäftsführer Karol Zarajczyk sagte: „H2-Fahrzeuge sind die Zukunft des Straßenverkehrs. Wir registrieren eine große Nachfrage nach unserem Wasserstoffbus in Westeuropa. Diese Busse werden immer populärer, nicht zuletzt, weil sie inzwischen im Vergleich zu herkömmlichen Antriebssystemen wirtschaftlich darstellbar sind.“

Nicht zuletzt auch wegen dieses Besuches war die Stimmung insgesamt …

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Verunsichert, aber zuversichtlich

Für Unruhe unter den fast 150 Ausstellern sowie ihren Besuchern sorgte allerdings ein zentrales Thema, das in fast allen Gesprächen angeschnitten wurde: der angebliche Rückzug von Daimler aus dem Brennstoffzellengeschäft (s. Brennstoffzelle: Totgesagte leben länger u. Entwarnung: Daimler bleibt bei der Brennstoffzelle). Wie HZwei allerdings recherchieren konnte, hat es solch einen Rückzieher nie gegeben. Trotzdem drückten die damit verbundenen Gerüchte die Stimmung und bewiesen wieder einmal, wie verunsichert die Branche ist. Obwohl aber fast alle Befragten sichtlich genervt waren vom wiederholten Hin und Her in der Automobilbranche, überwog eine insgesamt eher positive Stimmung. So gab es zwar Äußerungen getreu dem Motto: „Man braucht einen langen Atem.“ Wirklich infrage stellte die Brennstoffzellentechnik aber niemand mehr in Hannover.

Stattdessen machte sich eher so etwas wie Trotz breit: …

Unterstützt wurde dieser Gedanke von der Entwicklung, dass etliche Großstädte in Europa durchaus gewillt sind, zukünftig verstärkt Brennstoffzellenbusse im öffentlichen Nahverkehr einzusetzen (s. Mit Brennstoffzelle Zug fahren). Wobei diese Nachfrage derzeit von deutscher Seite nicht befriedigt werden kann, weil sich beispielsweise MAN aus dieser Technologie zurückgezogen hat und Daimler zögert. Die Aufträge dürften daher voraussichtlich nach Belgien an Van Hool, in die Niederlande an Solbus beziehungsweise nach Polen an Solaris oder Ursus oder aber an asiatische Anbieter (z. B. Toyota, s. Toyota-Truck für LA) gehen.

Zukunft liegt auf der Schiene

Ganz in diesem Sinne äußersten sich auch die Podiumsteilnehmer während der Pressekonferenz. So sprach sich der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies deutlich für die Brennstoffzellentechnik aus und konstatierte, dass neben dem Einsatz in Zügen auch der „Übergang auf den Lkw oder Bus ein kluger Weg ist“. Dr. Jens Sprotte von Alstom sagte hinsichtlich des Einsatzes der Brennstoffzelle auf der Schiene: „Die Technik ist da: Es funktioniert.“ Und Dr. Bernd Pitschak, Geschäftsführer von Hydrogenics, fügte hinzu: „Gerade die schweren Systeme sind prädestiniert für die Brennstoffzellen-Hybrid-Konzepte.“ (s. Mit Brennstoffzelle Zug fahren)

Viele internationale Akteure

Eine Besonderheit war der Besuch der IPHE-Gäste auf dem Gemeinschaftsstand. So berichtete beispielsweise Dr. Dimitrios Papageorgopoulos vom Fuel Cell Technology Office des U.S. Departments of Energy über die Entwicklung in Übersee. Unter anderem erklärte er, dass bislang rund 1.600 Brennstoffzellenfahrzeuge allein in Kalifornien verkauft worden seien und dass diese Zahl rasch wachse (s. auch USA-Bericht).

xperion Energy & Environment präsentierte sich gemeinsam mit der norwegischen Hexagon Composites ASA an einem Stand. Aus den beiden ehemaligen Wettbewerbern …

Wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt, war auch die Rouge H2 Engineering GmbH wieder auf dem Gemeinschaftsstand vertreten. Das österreichische Unternehmen, das seit kurzem auch mit einem Standort in Deutschland vertreten ist, hat eine kompakte Reformereinheit konzipiert, die Wasserstoff herstellen, speichern, reinigen und komprimieren kann (s. HZwei-Heft Jul. 2016). Dafür benötigt das Gerät …

sunfire war als Unteraussteller auf dem sächsischen Gemeinschaftsstand vertreten und …

Die Energy-Halle

Ebenfalls in Halle 27 waren Firmen wie Celeroton, EMS, Flexiva, HPS (s. HPS will Hausbesitzer autark machen), Resato und Senertec zu finden. EMS, ein deutsch-niederländisches Ingenieurunternehmen, zeigte auf dem Gemeinschaftsstand von Nordrhein-Westfalen erstmals sein neu entwickeltes H2-Speichersystem, das mehr als 1.000 kg Wasserstoff bevorraten kann. In dem dafür konzipierten Container befinden sich Druckbehälter des Typs 4 aus hochfestem, leichtem Verbundwerkstoff, die das Gas bei einem Betriebsdruck von 500 bar speichern.

Resato International ist ein Unternehmen für Hochdrucktechnik aus Assen, Niederlande. Es zeigte eine (s. auch Niederlande-Bericht) …

Forum MobiliTec

Alljährlich eröffnet Prof. Henning Kagermann, Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), das Forum MobiliTec und präsentiert einen aktuellen Lagebericht seiner Arbeit. Trotz der weiterhin nur zögerlichen Entwicklung im E-Mobility-Sektor zeigte sich der acatech-Präsident zuversichtlich und kündigte ein „exponentielles Wachstum“ an – für die Zeit „ab 2020“. Wie bereits im Vorjahr konzentrierte sich Kagermann allerdings …

E-Mobilität: Kaum etwas für Endkunden

Der größte Messestand zum Thema Elektromobilität war wie schon in den vergangenen Jahren der Baden-Württemberg-Pavillon (600 m2, 34 Aussteller). Auch hier ging es vorrangig um Datenplattformen, Apps zur Verkehrssteuerung und die Automatisierung des Fahrens. Für potentielle Endkunden von Elektroautos gab es – außer beim Bundesverband Solare Mobilität – jedoch kaum etwas auf der MobiliTec (s. auch Kasten).

Im nächsten Jahr wird die Hannover Messe vom 23. bis 27. April mit dem Partnerland Mexiko stattfinden. Erstmals wird ab 2018 parallel alle zwei Jahre auch die CeMAT, die weltweit wichtigste Intralogistikmesse, abgehalten.

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