Brennstoffzelle: Totgesagte leben länger

Ende März 2017 hatte Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche mit seinen Äußerungen über Elektromobilität und Brennstoffzellen für erhebliche Aufregung in der Automobilbranche gesorgt (s. Daimler bleibt bei der Brennstoffzelle). Der Stuttgarter Autobauer will zwar erklärtermaßen – entgegen diversen Mutmaßungen – weiter an der Brennstoffzelle festhalten, aber das Rauschen im Blätterwald war doch erheblich. Die Krönung war der „Nachruf auf die Brennstoffzelle“, der direkt vor der Hannover Messe in der Wirtschaftswoche erschien – inklusive Todesanzeige. Etwas pathetisch wurden dort Formulierungen gewählt wie: „Wasserstofftechnik? Ruhe sanft.“

Dieser Kommentar der WiWo-Redakteure Martin Seiwert und Stefan Hajek zeugte zwar durchaus von Branchenkenntnissen, ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass sie voll auf batteriebetriebene Elektromobilität setzen und die Brennstoffzelle für einen „teuren Irrweg der Autobranche“ halten. Elon Musk wird von ihnen als „ziemlich lebendiger Überflieger“ bezeichnet, während „in der Brennstoffzelle eine hübsche Ingenieurvision mit der Macht wirtschaftlicher Fakten kollidiert“.

Etwas voreilig gehen die zwei Autoren allerdings davon aus, dass „das Elektroauto inzwischen genauso weit fährt und in der Gesamtbilanz umweltfreundlicher ist als Autos mit Brennstoffzellen“. Zudem sei es „viel billiger“.

Auf HZwei-Nachfrage bei der Wirtschaftswoche, wer denn die Brennstoffzelle zu Grabe trage, erklärte Redakteur Martin Seiwert: „Wir, anhand der im Beitrag angeführten Gründe und Aussagen. Herr Zetsche hat das Richtige gesagt, andere sind in der Öffentlichkeit nicht so mutig, weil ihre Unternehmen Milliarden in die Technik gesteckt haben.“ Und mit dem „Geburtsjahr“ 1966 (s. Todesanzeige, S. 34 im Juli-Heft der HZwei) sei die Präsentation eines BZ-Autos von General Motors gemeint.

Diese Zuspitzung in der Berichterstattung mit immer drastischer werdenden Formulierungen in den Kommentaren verfehlte ihre Wirkung nicht: Die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Community zeigte sich während der Hannover Messe deutlich verunsichert (s. HZwei-Heft Juli 2017). Obwohl die Grundstimmung auf der Industrieschau durchaus positiv war, drückten die oben benannten Meldungen ganz gehörig auf die Gemüter.

Selbst die Pressestelle von Daimler zeigte sich irritiert – nicht von Zetsches Äußerungen, sondern von den anschließenden Meldungen. Auf Nachfrage von HZwei stellte sie jedoch klar: „An der bisherigen Ausrichtung hat sich nichts geändert. […] Wir brauchen den Wasserstoff. […] Daimler sieht eine Zukunft in der Brennstoffzelle.“

Allein um Daimler geht es bei dieser ganzen Diskussion schon lange nicht mehr, auch wenn sich die Stuttgarter Pressestelle nach der Veröffentlichung des korrekten Sachverhalts im HZwei-Blog beim Hydrogeit Verlag ausdrücklich für diese Richtigstellung bedankte.

Die Äußerungen von Zetsche und auch ihre unterschiedlichen Interpretationen haben vielmehr gezeigt, dass mittlerweile ein Wettbewerb zwischen Batterie und Brennstoffzelle entbrannt ist. Genau dieser Technologiewettkampf, welche Antriebsform denn nun die bessere, die zukunftsträchtigere sei, ist trot

z aller anderslautenden Beteuerungen längst im Gange. Lange haben sowohl Politiker als auch die NOW GmbH versucht, Elektromobilität als Gemeinschaftsprojekt zu verkaufen. Fakt ist aber, und das haben die WiWo-Redakteure ganz richtig erkannt, dass es um sehr viel Geld geht, weshalb jetzt angesichts des zunehmenden Konkurrenzdrucks mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um Marktanteile gekämpft wird.

Der WiWo-Kommentar, wer auch immer dazu den Anstoß gegeben hat, war erst der Anfang einer Diskreditierungsschlammschlacht zwischen Batterie- und Brennstoffzellenanhängern, die in den sozialen Netzwerken bereits in vollem Gange ist.

3 Gedanken zu “Brennstoffzelle: Totgesagte leben länger

  1. Hallo,

    die Alleinstellungsmerkmale der Batterie- und der Brennstoffzellen-Fahrzeuge unter dem Dach der Elektromobilität zeigen bei ernsthafter Betrachtung sehr schnell: sie ergänzen einander.

    Beide sind längst nicht mehr allein F&E-Produkte; jetzt ist der Weg in den Markt real geworden und dort, wo der Handel einsetzt, entstehen auch unvollständige Werbetexte.

    Einen Wettbewerb-Vorsprung herstellen dürfte dabei im Vordergrund stehen.

    Dieter Mende für das Anwenderzentrum H2Herten und für EEZ

    • Hallo, Dieter, danke,
      DAS ist ja allerdings ja alles schon seit den 1970er Jahren bekannt.
      Daimler hat seitdem, genau wie BMW, und auch VW;
      bei der Implementation von H2 mit FC oder ICE ganz schön rumgeiert.
      Deren Glaubwürdigkeit war schon vor Jahren verspielt.

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: