Japan geht voran – Deutschland bleibt zurück

Scheppat
Pavillon-Organisatorin S. Frank u. B. Scheppat (r.), © Peter Sauber

Der deutsche Pavillon auf der 13. FC Expo in Tokio war vom 1. bis 3. März 2017 voll besetzt. Mit von der Partie war auch wieder die H2BZ-Initiative Hessen. Prof. Dr. Birgit Scheppat, Vorstandsmitglied und Professorin der Hochschule RheinMain, konnte sich direkt vor Ort ein Bild machen und berichtet an dieser Stelle für die HZwei aus Japan.

Die Ausstellung hatte ungefähr die gleichen Ausmaße wie letztes Jahr – laut Veranstalter waren es rund 280 Stände, allerdings mit einer Reihe neuer Firmen. Neben dem deutschen Stand gab es einen aus Norwegen, Frankreich sowie aus Taiwan. Nordamerika war mit beiden Ländern vertreten, allerdings gab es dort nichts Neues zu entdecken. Die Chinesen – sowohl aus Taiwan als aus der Volksrepublik – machten in diesem Jahr einen weitaus selbstbewussteren Eindruck als noch 2016, als es nur zögerliche Aussagen zu Lieferfähigkeit und Preisen gab.

Gezeigt wurden verschiedenste Brennstoffzellen, insbesondere PEM in kleinen und großen Leistungsklassen, und auch unterschiedliche Größen von Wasserstoffspeichern: sowohl Metallhydridspeicher als auch pfiffige Wechselsysteme für Roller oder Rollstühle. Es gab außerdem kleine H2-Erzeugungseinheiten, sowohl mit Methanol als auch mittels Elektrolyse. Demgegenüber war der Komponentenanteil für Hochdruckanwendungen, der im letzten Jahr stark vertreten war, diesmal nicht so präsent.

Das Thema Power-to-Gas steht in Japan auf der Tagesordnung und wird vorangetrieben. Man verfügt zwar noch nicht über die entsprechenden Stromüberschüsse, da die Erneuerbare-Energien-Erzeuger nicht wirklich vorhanden sind, aber man plant diese Themen mit. In den riesigen Ausstellungsbereichen PV und Batterie war die „Hölle“ los: Menschen drängten sich durch die Gänge wie an den Eingängen zu einem Fußballspiel.

China will H2 und BZ

Es gibt viele, viele Erwartungen, wobei die japanischen Aussteller überzeugt sind, dass die Technik nicht aufzuhalten ist. Auch China scheint diese Botschaft für sich umzusetzen. Prof. Jin Liu (Tsing Innovation Capital) berichtete beispielsweise über 300 H2-Busse, die in einem Zeitraum von zwei Jahren ausgeliefert werden sollen. Allerdings war unklar, wie denn die Logistik aussieht, um pro Station 100 Busse betanken zu können. Grund für das große Interesse an BZ-Bussen ist laut Jin die „üppige“ Unterstützung des Staates, der zwei Drittel der Kosten für einen Bus übernimmt. China will diese Technologie – der Preis scheint erst mal keine Rolle zu spielen.

In der Keynote-Session wurde Pierre-Etienne Franc von Air Liquide, der Sprecher des Hydrogen Councils, zusätzlich ins Programm genommen. Er machte die Wichtigkeit der Technologie klar – allerdings blieb er sehr vage bezüglich Zeitfenstern und Umsetzungsmaßnahmen. Dann berichtete Masaru Yamazumi vom japanischen Wirtschaftsministerium METI, dass Wasserstoff zunächst in Australien aus Braunkohle hergestellt und dann nach Japan verschifft werden soll, zumindest in der ersten Phase …

link-to-hzwei-web

Prof. Christian Mohrdieck von Daimler gab zunächst ein klares Statement ab: „Ja, Wasserstoff ist gut.“ – Aber nicht heute, nicht morgen, sondern irgendwann. Die Verbrennungsmotoren sind noch nicht ausgereizt, erst mal Hybridfahrzeuge, und dann wird man sehen, so sein Tenor. Daimler kommt zwar in diesem Jahr mit einer kleinen Anzahl an GLC-Exemplaren, dann folgte jedoch ein Aber, noch ein Aber und noch ein Aber – die Japaner verstanden und verließen in Scharen den Raum.

Für mich ein Déjà-vu: Die Situation war wie 1992, als der damalige RWE-Vorstand erklärte, Solarmodule würden immer ein Nischenprodukt bleiben und die Erneuerbaren niemals die bestehende Struktur gefährden. Man kann und darf sich irren – die Konsequenzen für Deutschland werden wieder dramatisch sein –, aber wo bleibt eigentlich der Mut zu dem vielen Geld, das nicht nur die einzelne Firma in Wasserstoff und Brennstoffzelle gesteckt hat, sondern alle Bürger?

Es ist wirklich ein Elend, all diese Haderer, diese Mutlosigkeit zu beobachten. Deutschland, deine Unternehmen sind Verwalter, keine Erneu

erer!

Probleme ansprechen

Wirklich interessante Informationen gab es im Gespräch mit Björn Siemonsen, NEL, und Kristian Vik, Secretary General Norwegian Hydrogen Forum: In Norwegen sind die Themen Schiffe und „emissionsfreie Touristik“ hochaktuell, deswegen sind für empfindliche Habitate emissionsfreie Elektroschiffe (Sightseeing, Fähren etc.) in Planung, Kreuzfahrtschiffe und Busse (Coaches) sollen emissionsfrei werden. Man hat durch Marktrecherchen erkannt, dass es eine „zahlungskräftige Klientel“ gibt, die bereit ist, für ihr grünes Gewissen deutlich tiefer in die Tasche zu greifen, wenn es wirklich nachhaltig ist. Die Idee, Elektrobusse mit einer Dieselheizung auszurüsten, funktioniert natürlich nicht. Wie wäre es stattdessen mit Fernbussen und Wasserstoff?

Ein wirklich leidiges Thema sind die …

oder, oder, oder …

Wo steht Deutschland?

Die Gäste am Gemeinschaftsstand fragten häufig danach, wo Deutschland steht und wo es hingehen wird. Es bekam viel Lob für seine Energiewende, und es gab Nachfragen bezüglich der nächsten Schritte. Chinesische Standbesucher waren eher auf Einkaufs- beziehungsweise Verkaufstour: Einkaufen wollten sie im Bereich Elektrofahrzeuge/Busse, verkaufen wollten sie ihre kleinen Brennstoffzellen und Komponenten. Die Zahlen, die man zu den chinesischen Busprojekten hörte, waren beeindruckend: Keine zehn Busse, nein, immer gleich über oder mehrere Hundert. Fragen zur Befülllogistik wurden aber eher ausweichend beantwortet.

Alle Städte in China sind …

Rahmenbedingungen anpassen

Schönreden hilft nicht – die deutschen Automobilunternehmen müssen ihre wacklige Haltung bei BZ-Fahrzeugen überdenken. Wo sind die Führungspersonen, die diesen Schlingerkurs beenden? Die Politik muss sich fragen lassen: Wann setzt man den Damen und Herren – nach all dem vielen Geld – endlich die Ziele, die ja auch den Unternehmen Sicherheit geben? Vielleicht hilft ein Gesetz wie in Kalifornien mit einem Prozentsatz an emissionsfreien Fahrzeugen.

In Japan gibt es hohe Subventionen: Ein BZ-Fahrzeug kostet heute etwa 70.000 Mio. Euro, davon werden …

Bei China weiß man nicht genau, wie es wird. Korea ist ebenfalls klar aufgestellt und betreibt alle relevanten Technologieaspekte mit klarer Stringenz. In den USA sind die Bundesstaaten die treibenden Kräfte. Wann und ob der Rest der Welt folgt, wird sich zeigen.

Deutschland verspielt Vorsprung

Europa entwickelt sich indes auseinander: In Frankreich gibt es eine Reihe von Aktivitäten, ähnlich in Großbritannien

und natürlich stark ausgeprägt in Skandinavien. Mein persönlicher Eindruck ist, dass Deutschland seinen technologischen Vorsprung verspielt hat. Das Umschwenken aus einem erstarrenden System, mit Angst vor Fehlern und dem Glauben, die Erfahrung der anderen lasse sich über „Nacht“ per Geld kaufen, wird dazu führen, dass Mobilität mit Brennstoffzelle und Wasserstoff nicht mit Deutschland verbunden werden wird. Nach dieser Messe fürchte ich, dass ohne ein sehr schnelles und bewusstes Handeln der Standort Deutschland keine relevante Rolle in diesem neuen Technologiefeld mehr spielen wird.

Einzelne Unternehmen haben zwar Chancen, die breite Menge aber …

Vielleicht sehe ich auch zu schwarz – es wäre mir recht –, doch eines habe ich aus Tokio mitgenommen: Wasserstoff und die damit verbundenen BZ-Technologien werden zu Produkten, werden langsam, aber stetig ihr Geld verdienen. Woher die Technologien kommen werden, ist für mich auch fast schon entschieden: Sie werden von dort kommen, wo das Know-how ist im Bereich Komponentenfertigung und daraus folgend bei Systemen. Ob das Europa sein wird? Vielleicht zeigt die Hannover Messe, dass ich mich irre – das würde ich in diesem Falle sehr gerne …

Autorin: Prof. Birgit Scheppat, Hochschule RheinMain

1 Gedanke zu “Japan geht voran – Deutschland bleibt zurück

  1. Sie irren sich leider nicht.
    Europa, vor allem Deutschland hat noch nicht einmal den Dieselskandal angenommen. Die Abweichungen der Abgaswerte ist bei uns genauso vorhanden, wie in den USA. Bisher ist noch niemand zur Rechenschaft gezogen worden. Wir verschließen uns der Realität und tun als wäre nichts gewesen. Unserer Auto-Industrie wird es gehen wie Kodak. Die Herren wissen das, doch stecken sie den Kopf in den Sand (BMW hat eine Kooperation mit Toyota., sie erhalten deren BZ zum testen…) Es ist bereits zu spät, daher wollen sie noch möglichst lange abcashen und dann in der Versenkung vewrschwinden. Denn der Unsinn mit dem selbstfahrenden Fahrzeugen lenkt nur von dem wirklichen Herausforderungen für unsere Gesellschaft ab.
    Klimawandel, Verabschiedung von den Kohlenwasserstoffen, Kampf dem Plastik.
    Japan ist seit 2004 als ganzer Staat dahinter den Wandel zum H2 zu vollziehen. Ursprünglich bis 2050 sollte ein Hauptteil umgestellt sein. Derzeit sieht es so aus, dass sie es 10 Jahre früher schaffen, die Entwicklungszyklen werden immer kürzer, es gibt bereits eine Zulieferungsindustrie, die auch alle zwei Jahre neue Produkte auf dem Markt bringt. Im Gegensatz dazu schaffen wir es nicht einmal die 50 Tankstellen aufzustellen.
    IN diesem Sinne,

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