Bloom Energy – Bottom-Fishing & Bargain-Hunting

Warum diese beiden englischen Wortkombinationen? Weil sie am besten beschreiben, wie es sich nach meiner Ansicht mit dem aktuellen Aktienkurs von Bloom Energy verhält: Da ist ein Kurs, der nach einem scharfen Rückgang wie ein Boden „Bottom“ und als Basis wirkt, von hier aus wieder die Richtung zu ändern – nach oben. Und eine Gelegenheit, ein Bargain, günstig neue Positionen aufzubauen wie auch bestehende aufzustocken, ist die Bloom-Aktie allemal.

An dieser Stelle sei die Formulierung eine These erlaubt: Könnten Hedgefonds gezielt die Aktien von Unternehmen aus dem Bereich der Brennstoffzelle und der Wasserstoffproduktion im Kurs drücken, um eventuell günstig größere Positionen aufzubauen bzw. auf tiefem Aktienkursniveau größere Stückzahlen zu kaufen, gar einzusammeln? Für diese Theorie muss man sich nur die einzelnen Charts der hier bei HZwei behandelten Aktien ansehen und alle diese Titel auch als Gruppe betrachten.

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Trotz ausnahmslos guter Nachtrichten kamen diese Aktien jüngst scharf unter Kursdruck. An den sehr guten Perspektiven des Gesamtmarktes im Einsatz der Brennstoffzelle hat sich nichts geändert – im Gegenteil: Es wird immer besser, wenn man die täglichen Ankündigungen über Joint Ventures, Aufträge, technologische Entwicklungen u.v.a. ansieht. Bei Bloom Energy hätten allein die jüngsten Meldungen den Kurs eigentlich nach oben ziehen müssen, aber der Kurs fiel zurück. Investmentbanken wie Wells Fargo (Kursziel: 38 US-$) bzw. J. P. Morgan (Kursziel: 42 US-$) haben ihre Ratings erhöht – guess why?

Im Einzelnen: Mit Southern California Gas, dem größten Gaslogistikkonzern Kaliforniens (21,8 Mio. Kunden), plant Bloom eine Versuchsreihe, die dem Ziel dient, bestehende Erdgaspipelines für die Mischung (Blending) mit Wasserstoff zu erproben. Mit MSC Group, Schweiz, (drittgrößter Kreuzfahrtschiffkonzern der Welt) wurde das erste Kreuzfahrtschiff, die MSC World Europa, mit einem SOFC-Brennstoffzellensystem von Bloom ausgestattet. Dort soll LNG als Energieträger, später aber wohl auch Wasserstoff, genutzt werden.

Immerhin eine Schadstoffreduktion (CO2) von über 60 %, wobei diverse Partikel und andere Emissionen vollständig vermieden werden. Man bedenke, dass allein dieser Markt ein Volumen von geschätzt hundert Kreuzfahrtschiffen bis zum Jahr 2027 aufweist.

JV-Partner Heliogen als Pionier für KI

Sehr spannend wirkt für mich die Kooperation mit Heliogen, die via SPAC (Special Purpose Acquisition Company: Athena Technology Acquisition ATHN) an die Börse gehen wird. Dieses Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die in sonnenreichen Regionen der Welt (hier gelten Länder wie Chile, Australien, Marokko als ideal) die Sonnenkraft bündelt. Mit Hilfe einer Software, die unterstützt wird durch KI (künstliche Intelligenz), soll diese Energie hoch-effizient nutzbar gemacht werden. Der daraus entstehende Strom soll günstig und 24/7 verfügbar sein und auch die Basis für eine billige Wasserstoffproduktion schaffen. Bis 2026 soll es möglich sein, bereits für 2 US-$ pro kg Wasserstoff produzieren zu können – mit stark fallender Tendenz des Preises in den Folgejahren.

Das sei alles wesentlich effizienter als Sonne via Solarzellenmodulen zu nutzen, heißt es. Ein wesentlicher Vorteil sei, dass Energie auch dann bereitgestellt werden kann, wenn die Sonne nicht scheint. Man braucht nur Flächen in sehr sonnenreichen Regionen. Bloom und Heliogen arbeiten eng zusammen, da deren beider Technologien perfekt zueinander passen. Die Heliogen-Tower lassen sich einfach skalieren und modular aufbauen.

Heliogen sieht sich als Software-Company, die ihr Know-how auch via Lizenzen (100 % Gross Profit) an den Markt bringen will. Bill Gross, sehr erfolgreicher Unternehmer in Sachen regenerativer Energien, der schon 150 Unternehmen gegründet hat, ist der CEO. Er hielt Mitte Dezember 2021 einen Vortrag bei IPO Edge über die Potentiale seiner Technologie, wonach sich sogar die Geopolitik in Sachen Energie wandeln könne/werde, wenn Länder/Staaten über Sonnenkraft zu neuen Playern werden und damit saubere Energie als Handelsware (Commodity) auf dem Weltmarkt verkaufen können. An Heliogen sind auch Investoren wie Bill Gates beteiligt. Zudem gebe es Interessenten wie den Stahlkonzern Arcelor Mittal, heißt es.

Shortseller scheinen zudem meine Meinung zu teilen, dass der Aktienkurs von Bloom günstig ist, haben diese doch die Höhe der leer verkauften Aktien „Short Interest“ von über 18,5 Mio. Aktien in zwei Monaten auf circa 13,2 Mio. Aktien zurückgefahren. Mit über 8 Mrd. US-$ Auftragsbestand, vielen wachstumsstarken Märkten für die Bloom-Technologien und einem Großaktionär wie SK ecoplant (Tochter des größten Energiekonzerns Südkoreas, hält perspektivisch bis 15% am Kapital von Bloom) sollte dies der perfekte Cocktail für höhere Aktienkurse sein. Zuvor ging es ja als Folge des Großauftrages von SK ecolpant im Volumen von über 4 Mrd. US-$ (Minimum) von circa 18 US-$ auf 36 US-$ hoch, dann allerdings wieder zurück auf 22 US-$.

Im Februar kommen die Zahlen für das vierte Quartal 2021 wie auch für das Gesamtjahr 2021. Man kann gespannt sein auf den Ausblick, den das Unternehmen dann gibt. Deshalb die Einschätzung: bottom fishing + bargain hunting.

Nachtrag: Bloom Energy muss indes kurzfristig auch unter dem Aspekt betrachtet werden, dass ein einzelner Senator der Demokraten das 2-Billionen-US-$-Programm der Regierung Biden blockiert, d.h. dieses Programm ohne dessen Stimme so nicht durchkommt. Bloom hätte da sicherlich manchen Auftrag bekommen, da Energiesicherheit in diesem Programm enthalten ist. Indes hätte das kurzfristig keinerlei wirschaftliche Auswirkung auf Bloom, sondern wäre – in case – ein schöner Nebeneffekt für neue Aufträge. Somit könnte man sagen: buy on bad news.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 19. Dezember 2021

HOC

1 Gedanke zu „Bloom Energy – Bottom-Fishing & Bargain-Hunting“

  1. …dazu kommt nun auch der erste Auftrag aus Europa / Grossbritannien mit einem Volumen von 1,2 MW. „…Teledata installs 1.2MW of Bloom fuel cells in Manchester data center“

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