Element Eins und Hybridge gestoppt

Die beiden prominenten Power-to-Gas-Vorhaben Hybridge und Element Eins haben von der Bundesnetzagentur eine Absage erteilt bekommen. Die Netzbetreiber Amprion und TenneT hatten im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie auf eine Lockerung der Regulierung gehofft (s. HZwei-Heft Juli 2020), nun aber im mittlerweile entbrannten Kampf um zukünftige Marktanteile und profitable Geschäftsfelder einen Rückschlag erlitten.

Im Rahmen des Projekts Hybridge hatten Amprion und Open Grid Europe (OGE) bis 2023 eine 100-MW-Anlage bei Lingen im Landkreis Emsland (Niedersachsen) aufbauen wollen. Mit Element Eins hatten TenneT, Gasunie und Thyssengas eine gleich groß dimensionierte Anlage am Umspannwerk Diele in der Kleinstadt Weener (ebenfalls Niedersachsen) geplant. Mit dem Betrieb dieser Anlagen beziehungsweise mit der Herstellung von Wasserstoff wären die beiden Netzbetreiber allerdings nicht mehr in ihrem originären Betätigungsfeld aktiv, wodurch es, so entschied die Bundesnetzagentur, zu einer Machtkonzentration und somit zu einer Benachteiligung anderer Akteure kommen würde.

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Ein Mitauslöser für die Entscheidung der Bundesnetzagentur war, dass eine Ende 2019 ins Leben gerufene „Allianz für fairen Wettbewerb im Wasserstoffmarkt“, bestehend aus Enertrag, Greenpeace Energy, Naturwind und Nordgröön, vor einer Wettbewerbsverzerrung im künftigen Wasserstoffmarkt gewarnt hatte. Entgegen der europäischen Entflechtungsbestimmung von Stromnetzbetreibern könnten Amprion und TenneT den H2-Preis über Netzentgelte refinanzieren, so die Befürchtung der Allianz.

„Mit einer Wälzung der Errichtungskosten von Elektrolyseuren über die Netzentgelte wäre eine volkswirtschaftlich sinnvolle Entwicklung des Wasserstoffmarktes im Keim erstickt worden“, erklärte Jörg Müller, Vorstandsvorsitzender von Enertrag. Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy, sagte: „Mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur bleibt die Chance auf einen fairen und wettbewerblichen Markthochlauf für grünen Wasserstoff gewahrt.“ Matthias Kaulmann von Naturwind ergänzte: „Wir erwarten in den nächsten Jahren einen großen Marktaufschwung, der auch dazu beitragen kann, durch die Pandemie entstandene wirtschaftliche Einbußen wieder auszugleichen.“

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Seitens Amprion hieß es dazu: „Die Ablehnung der Investitionsanträge durch die BNetzA kam nicht unerwartet. Amprion und OGE sind weiterhin von der Sinnhaftigkeit, Realisierbarkeit und Notwendigkeit des Projekts als Beitrag zu einer integrierten Energiewende überzeugt. Daher halten die Unternehmen an Hybridge fest und stehen bereit, es weiterzuentwickeln, sobald dies rechtlich möglich wird.“

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