Ballard Power – Buy on bad news

Ja, Sie hören und Sie lesen richtig: Der aktuell sehr schwache Börsenkurs angesichts der Zahlen für das erste Quartal 2021, die eindeutig nicht den Erwartungen entsprachen, könnte die Wende bei der Abwärtstendenz der Kursentwicklung einleiten: Vermeintlich schlechte Nachrichten als Basis für den Neu- und Zukauf der Aktie. Denn Ballard arbeitet an diversen Kooperationen, aus denen Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) entstehen können und werden, so wie zuletzt die Ankündigung einer Partnerschaft mit Luminar, einem kanadischen Kfz-Zulieferunternehmen mit über 26.000 Mitarbeitern und einem Umsatz in Höhe von über 7,5 Mrd. US-$.

Gemeinsam wollen Ballard und Luminar Brennstoffzellenantriebssysteme (Powertrains) unter anderem für leichte Lkw (bis 5 Tonnen) entwickeln, aber auch Komplettsysteme für Pkw und SUV produzieren – wozu auch H2-Tanks zählen. Das da nicht sofort Umsätze generiert werden, liegt auf der Hand.

Burckhardt

Ähnlich verhält es sich bei dem Joint Venture mit Mahle oder auch mit Siemens, ABB und anderen – potentiell auch mit Honeywell. Dies ist die perfekte Positionierung als Basis für zukünftige Umsätze, Aufträge und natürlich auch Erträge. Die Börse wird dies allmählich in die Kursentwicklung einfließen lassen. Die Kursübertreibung im Januar und Februar dieses Jahres nach oben im Kurs ist nun in eine Übertreibung nach unten umgeschlagen.

Die Zahlen für das erste Quartal brachten einen Umsatz von nur 17,6 Mio. US-$, was weit von den Erwartungen entfernt lag, denn diese betrugen über 26,5 Mio. US-$. Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass Ballard vor allem noch Projektgeschäft macht, welches abrechnungstechnisch von Quartal zu Quartal große Schwankungen hat. Der Verlust pro Aktie lag bei 0,06 US-$. Erwartet war ein Minus von 0,05 US-$ pro Aktie. Sehr stark war der Bargeldbestand in Höhe von 1,27 Mrd. US-$ per Ende März.

HOC2021

Mich interessieren allerdings die Zahlen (Umsatz, Aufträge u.a.) für dieses Geschäftsjahr nur am Rande, denn es geht vor allem um die Positionierung in diesem neuen, extrem wachstumsstarken weltweiten Markt der Brennstoffzellen und des Wasserstoffs. Wir sprechen im Augenblick von der Entwicklung von Prototypen in diversen Anwendungen. Es geht jetzt um die Skalierungen via Aufbau von Produktionskapazitäten. Das dauert natürlich erst einmal. Dieser Markt in seiner gewaltigen Wachstumsvision beginnt gerade erst.

In China ist zwar das 14. Fünf-Jahresprogramm verabschiedet worden (Ende März) in dem klar festgelegt wurde, dass das Thema Klimawandel und dessen technologische Bekämpfung oberste Priorität genießt. Nur fehlen bislang noch die Beträge, die Peking da zur Verfügung stellen wird. Dies wird indes jederzeit erwartet. Ballard hat sich da – so CEO MacEwen – gut positioniert. Seine sechswöchige Reise durch China hat ihn mit diversen potentiellen Zulieferern und Kunden großer Unternehmen sowie Bürgermeistern zusammengeführt. Diverse Regionen und deren BZ-H2-Programme haben für Ballard sehr großes Auftragspotential für das JV mit Weichai.

Randy MacEwan nannte dies die „ frühe Phase der Marktübernahme” (early stage of market adoption). Da nehme ich als Beispiel den Markt der Lokomotiven, wo Prototypen u.a. für Canadian Pacific (CP) entwickelt werden. Das chinesische Unternehmen verfügt über 1.200 Loks, die innerhalb von 15 Jahren ausgetauscht werden sollen. Auf Nordamerika bezogen sprechen wir von über 40.000 Loks, die potentiell via BZ umgebaut/ersetzt werden könnten, wobei Ballard manchen Großauftrag erwarten kann. Dieses Beispiel können in wesentlich größerem Umfang auch auf Busse, Lkw u.v.a. übertragen werden.

Mein Fazit nach dem Studium des gestern Nacht erschienen Transkriptes der Telefonkonferenz zum ersten Quartal: Nicht kirre machen lassen – hier geht gerade ein neuer Megatrend los und Ballard ist ganz vorne mit dabei. Sie müssen aber noch etwas Zeit für das Investment mitbringen, denn dieser Weltmarkt steht gerade in den Startlöchern, wenn man beispielsweise die riesigen Programme sieht, die da auf den Weg gebracht werden. Ballard ist in einigen Kernmärkten wie Lkw, Busse, Schiffe und Züge an vorderster Stelle mit dabei. Am Rande: Die US-Investmentbank Raymond James hat jüngst wieder eine Kaufempfehlung mit Kursziel 40 US-$ ausgegeben – ich kann mich dem nur anschließen. Und dann gilt die Börsenregel: Buy on bad news – in Erwartung guter Nachrichten in der Zukunft.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, 04. Mai 2021

2 Gedanken zu „Ballard Power – Buy on bad news“

  1. Ich bin da anderer Meinung.
    Gerade wegen der hohen und nicht zu befriedigenden Nachfrage nach BEV´s kann der Siegeszug von grünem Wasserstoff weiter gehen.
    Es ist nämlich nur logisch, dass die Bewegung der Ökologen immer größeren Einfluss bekommt.
    Hinzu kommt, dass immer mehr Rohstoffe für Batterien in sinnlos herum fahrenden Plug-in-Hybriden verschwendet werden.
    Das Problem ist dass die Asiaten einen uneinholbaren Vorsprung in der BSZ-Technologie haben, was sie mit bezahlbaren Autos beweisen. Wo ist da die deutsche oder europäische Ingenieurskunst. Weit, weit weg.
    Schade

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  2. Zitat:
    „Randy MacEwan nannte dies die „ frühe Phase der Marktübernahme”“

    Na, da steigen die Erwartungen ja ins Uferlose! Es gibt zwar wenig Fakten, nur einige Prototypen, aber seit Monaten /Jahren wird hier der Siegeszug von mobilem Wasserstoff gepredigt. Da bin ich wirklich gespannt, ob im mobilen Sektor tatsächlich so viele Chancen bestehen.
    Ich bin da immer stärker im Zweifel, wenn ich mir die batterielektrischen Alternativen anschaue.
    Die Hoffnung liegt auf China. Aber die Chinesen haben schon mehrmals gezeigt, dass sie sehr pragmatisch vorgehen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden. Die hierzulande unerwartete Kürzung der Subventionen für FCEV zeigt m.M.n. eher an, dass die Chinesen die Betriebskosten und die Gesamtbilanz bei Wasserstoff nicht aus den Augen verloren haben.
    Bei weltweit >95% fossiler Erzeugung von H2 und einem Ökostromanteil in China von ca. 23% halte wohl nicht nur ich einen positiven Klimabeitrag von Wasserstoff in China für fraglich.
    Die Prämissen liegen in China eindeutig auf der Nutzung der EE und dem Ausbau der batterielektrischen Möbilität. Mobiler Wasserstoff wird wohl weltweit allenfalls eine Nische bleiben.
    Je schneller die Branche dies akzeptiert und sich auf die tatsächlich sinnvollen Einsatzgebiete konzentriert – um so schneller und kontinuierlicher dürfte die Entwicklung verlaufen.
    Die Basis für grünen Wasserstoff ist regenerativ erzeugter Strom. Der Ausbau der EE ist der Schlüssel für die Entwicklung der (grünen) Wasserstofftechnologien.

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