Plug Power – Kursexplosion für massive Kapitalerhöhung genutzt

Gendrive-Module
Gendrive Module am laufenden Meter ©PlugPower

Das ging schnell: Erst kommen gut 840 Mio. US-$ bei Plug Power durch eine Kapitalerhöhung via Platzierung neuer Aktien zu je 22,25 US-$ auf das Konto und gleich danach ein „bought deal“, bei dem Plug von außen Kapital angeboten wird (Volumen: 1 Mrd. US-$). So konnte der stark gestiegene Kurs perfekt genutzt werden, massiv Kapital einzusammeln. Über 1,7 Mrd. US-$ müssten nun auf dem Konto sein. Die Begründung liegt in den Wachstumsperspektiven, die das Unternehmen für sich in Sachen Wasserstoff ausgemacht hat.

Bei den Zahlen des dritten Quartals betrug der Verlust non-GAAP minus 0,04 US-$ pro Aktie; erwartet war ein höheres Minus von 0,07 US-$ pro Aktie, so dass diese Zahl positiv überraschte. Aber via GAAP lag das Minus bei 0,11 US-$ pro Aktie, wo ein Minus (Durchschnitt der Schätzungen) von 0,07 US-$ pro Aktie erwartet war. Die Börse nahm die für mich weniger aussagefähige Non-GAAP-Zahl als Grund für wesentlich höhere Aktienkurse.

Auf Jahresbasis haben Insider Aktien bereits im Wert von über 100 Mio. US-$ bei Plug verkauft. Der COO, Keith Schmid, soll gar wenige Tage vor der oben genannten ersten Kapitalerhöhung Aktien im Wert von 1,9 Mio. US-$ für je 22,84 US-$ am 12.11.2020 verkauft haben. Für mich ein erstes Warnsignal.

Interessant sind die Hintergründe zur Vergabe der Optionsrechte an Amazon und Walmart. Beide Unternehmen sichern Plug Power wohl jeweils 600 Mio. US-$ an Aufträgen für die Umrüstung von Gabelstaplern zu. Die Optionsrechte werden danach in Schritten zu je 50 Mio. US-$ Auftragswert vergeben. Amazon hat dabei Ausübungsrechte zum Kurs von 1,19 US-$ erhalten, wobei der Kurs der weiteren Optionsrechte bei 2,55 US-$ pro Aktie liegt. Aktuell hat Amazon kumuliert wohl per Ende 2020, basierend auf den vergebenen Aufträgen, circa 35 Mio. Optionsrechte erhalten. Weitere 20 Mio. kommen in den kommenden Jahren dazu. Der Buchgewinn liegt rechnerisch bei heute schon über 700 Mio. US-$ (Quelle: Bericht in US-Informationsdienst Seeking Alpha – ohne Obligo).

HOW

Im Fall Walmart sieht es ähnlich aus: Hier wurden erst circa 13 Mio. Optionsscheine ausgegeben (Bezugspreis: 2,12 US-$) – ohne Obligo. Weitere 42 Mio. Optionsscheine werden folgen, soweit Aufträge in 50-Mio-$-Schritten vergeben werden. Mein Fazit: Plug erhält hier rechenbar große Aufträge. Wie margenstark diese sind, kann ich nicht beurteilen. Für Altaktionäre bedeutet dies aber eine klare Verwässerung, sollten aus den Optionsscheinen Aktien gewandelt werden.

Wie verhalten sich aber nun die beiden Großkonzerne? Sichern sie ihren Buchgewinn via Optionsscheinbestand via Leerverkauf der zugrunde liegenden Aktien ab? Amazon und Walmart stehen wohl auch bislang noch für 50 bis 70 % des Umsatzes von Plug.

Nachhaltig wird das Geschäftsmodell von Plug Power, wenn der notwendige Wasserstoff via Elektrolyse selbst hergestellt wird. Dies ist auch klar als ein Unternehmensziel definiert, denn via dieser Consumables lässt sich dann ein schöner, nachhaltiger Gewinn darstellen, so meine Einschätzung, wenn großtechnische Elektrolyse im Einsatz ist. Nur ist mir eine Börsenbewertung von 12 US-$ Milliarden nicht geheuer. Den Anstieg habe ich verpasst, neu und nachkaufen würde ich nicht mehr, mit jetzt circa 30 US-$ in der Aktie. Und es stellt sich die Frage, was Plug mit dem enormen Bargeldpolster anstellen wird. Akquisitionen? Im konkreten Fall der Umsetzung kann man wieder neu nachdenken.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 18.12.2020

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