Nikola Motors – GM beteiligt sich nicht

Die Bombe platzte am 30. November 2020: General Motors wird sich nicht an Nikola beteiligen. Aber gemäß der neuen Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) will GM dennoch in der Batterie- und Brennstoffzellentechnik mit Nikola zusammenarbeiten. Der Badger wird nun nicht wie geplant bei GM vom Band laufen. Die ursprünglich angedachte Beteiligung an Nikola in Höhe von wertmäßig 2 Mrd. US-$ (dieser Betrag galt als Bewertungsbasis der Zusammenarbeit) ist damit auch hinfällig. Der Aktienkurs ging daraufhin in den Sinkflug.

Über 50 Mio. Aktien hatten Shortseller an Aktien leer verkauft, um damit auf fallende Kurse bei Nikola zu wetten. Wenn GM sich beteiligt hätte, wäre diese enorme Höhe an leer verkauften Aktien wohl die Basis für den perfekten Squeeze gewesen. Kurse von 40, 50 US-$ oder gar höher waren denkbar. Nun können sich die Shortseller erst einmal freuen. Andere Nikola-Partner wie Bosch, Mahle und Iveco bekräftigten indes, dass sie keinen Grund für die Beendigung der Kooperation sehen, was an und für sich schon zeigt, dass nicht alles heiße Luft ist, was Nikola da als Unternehmensperspektive sieht.

Nikola hat nach eigener Angabe gut 900 Mio. US-$ auf der Bank, womit sich der Ablaufplan für das Jahr 2021 erfüllen lässt. 1 Mrd. US-$ sollen aber wohl via Kapitalerhöhung 2021 aufgenommen werden, um kapitalmäßig bis zur Produktionsreife ausreichend finanziert zu sein. Kommt nun der „weiße Ritter“ – ein neuer Partner in spe?

Es ist anzunehmen, dass Nikola nun einen anderen Partner für den Badger (SUV) suchen wird. Hier hatte ich schon auf FiatChrysler spekuliert, da diese bislang wenige Elektrofahrzeuge im Bestand haben und deshalb Tesla diese Rechte, „Regulatory Credits“, abkaufen. FiatChrysler ist auch via Tochter CNH (entstanden aus Fusion mit Fiat Industries, mit Marken wie Iveco, Magirus, Case, New Holland u. a.) schon Partner von Nikola und hält über 6 %. Bosch ist mit circa 4,9 % beteiligt – von 4 Mio. Aktien hat man sich nach dem GM-Ausstieg getrennt. Aber:

HOC

Was spricht dagegen, dass CNH die Gunst der Stunde nutzt und sich an Nikola verstärkt beteiligt bzw. den Ball auffängt, während FiatChryslerAutomobile den Badger produziert? Und die 1 Mrd. US-$, die benötigt werden für die eigenen Pläne, könnten auch von Investmentbanken besorgt werden – da ist der aktuell niedrige Kurs sogar der perfekte Einstieg. Denn Brennstoffzellen sind im Lkw-Sektor aktuell ein großes Thema. CNH könnte die Technologie zudem in Landmaschinen einsetzen.

Ich erwarte, dass sich die Shortseller nun eindecken werden und sich Nikola neu aufstellt. Hier muss man Zeit haben, so dass ein Investment ein spekulatives, aber interessantes Vorhaben bleibt.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting

0 Gedanken zu „Nikola Motors – GM beteiligt sich nicht“

  1. Nikola hat durch den cleveren Russel einen Kurswechsel in letzter Sekunde vollzogen und dem unfähigen und gierigen GM Management, das Nikola sowohl kontrollieren als auch wirtschaftlich ausbeuten wollte, die einzig sinnvolle Entscheidung mitgeteilt: NikolaExit bevor das Verhängnis überhaupt begonnen hat.
    Nikola wird sich nun auf sein Kerngeschäft konzentrieren, was auch aus wirtschaflicher Sicht mehr Sinn macht: die Marge bei den schweren Lkws wird schlicht viel höher sein als bei dem Spielzeugtruck Badger.
    Den Badger wird Nikola bauen, nachdem sie Tre und Two gelauncht haben und auch sonst nichts dagegen spricht, aber sicherlich im eigenen Werk in Coolidge. Dazu brauchen sie kein GM. Mit Iveco arbeitet Nikola seit Jahren offenbar gut und vertrauensvoll beim Tre und auch beim Aufbau des eigenen Werkes in Coolidge zusammen, daher spräche dies dafür, daß sie auf deren Expertise auch beim Badger setzen.

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