Ballard – 400 Mio. US-$ frisches Kapital via Bought Deal

Portrait
ehemaliger Finanzvorstand Thomas Guglielmin © Ballard

Investmentbanken wie Raymond James haben Ballard das Angebot unterbreitet, Kapital zur Verfügung zu stellen und im Gegenzug Aktien dafür zu erhalten. Genannt wird so ein Angebot „Bought Deal“. Mit einem Ausgabekurs von je 19,25 US-$ fanden Aktien im Wert von 402,5 Mio. US-$ in Kürze neue Käufer. Der Deal konnte Ende November 2020 innert weniger Tage abgeschlossen werden. Ging es erst um 250 Mio. US-$, so wurde dieser Betrag schnell auf 350 Mio. US-$ plus Zusatzoption in Höhe von 52,5 Mio. US-$ erhöht – wegen der sehr starken Nachfrage. Das genehmigte Kapital von Ballard ist nun aber ausgeschöpft, es könnte aber weiteres zur Genehmigung anstehen.

Die Zahlen für das dritte Quartal lagen am unteren Rand der Erwartungen: Der Umsatz erreichte 25,6 Mio. US-$. Der Verlust in Höhe von 11,2 Mio. US-$ (minus 0,05/Aktie) ist hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung geschuldet wie auch anteiligen Anlaufverlusten (2,8 Mio. US-$) der Stackfabrik in China. Covid-19 hat dem Unternehmen geschadet, da die Reisetätigkeit sehr eingeschränkt war und ist und sich nach Firmenangabe mancher Auftragseingang verzögert hat. Bilanziell sieht es erstklassig aus, hat das 250-Mio.-US-$-ATM-Programm doch per 30.09.20 zu einer Erhöhung des Bargeldpolsters auf 361,7 Mio. US-$ geführt, zu dem noch 32,7 Mio. US-$ im laufenden Quartal hinzukommen – wie auch die jüngste Aktienausgabe, so dass die Barmittel gut 800 Mio. US-$ (vor Abzug der Kosten des 4. Quartals) am Ende dieses Jahres erreichen.

Der 2021 aus persönlichen Gründen aus dem Unternehmen scheidende Finanzvorstand Tony Guglielmin bedauerte bei der Bilanzpressekonferenz, dass er leider gerade zu dem Zeitpunkt ausscheiden werde, wo das Unternehmen am „Inflection Point“ stehe. In meinen Worten: Jetzt geht es erst richtig los.

Ein Beleg dafür ist die Kooperation mit dem Kfz-Zulieferer Mahle, einem Schwergewicht der weltweiten Zulieferindustrie mit über 10 Mrd. Euro Umsatz. In über 50 % aller weltweit zugelassenen Fahrzeuge sind Bauteile des Konzerns (z. B. Temperaturmesser, Luftfilter) enthalten. Ballard soll zukünftig BZ-Systeme für Nutzfahrzeuge liefern. Aus einer solchen Partnerschaft kann auch ein Joint Venture werden.

HOC

Audi steigt aus – gut für Ballard

Audi war für Ballard eine Zeit lang der ideale Partner bei der Entwicklung der Pkw-Stacks. Der Audi H-Tron ist daraus als Prototyp entstanden. Immerhin haben sich dies die Ingolstädter bereits über 50 Mio. US-$ für den Kauf von Patenten von Ballard kosten lassen. Man arbeite weiter zusammen, gehe aber doch – gefühlt – unterschiedliche Wege. So hat Ballard das bislang „fehlende“ Nutzungsrecht erhalten und kann die FCgen-HPS-Stacks, die man bereits für Lkw und Busse im Einsatz hat, nun auch für Pkw anderer Hersteller zum Einsatz bringen. Damit ist die Exklusivität für Audi (und für VW insgesamt) beendet. Ballard ist nun frei.

… Mehr in der aktuellen Ausgabe des HZwei Magazins Januar 2021

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 18.12.2020

0 Gedanken zu „Ballard – 400 Mio. US-$ frisches Kapital via Bought Deal“

  1. Audi (VW) hat also seine 50Mio.€ eingesetztes Kapital abgeschrieben und gibt zusätzlich noch seine Rechte an den BSZ-Stacks frei.
    Viel deutlicher kann man eigentlich nicht demonstrieren, dass man der Brennstoffzelle im PKW /Kfz keine Chance mehr einräumt.
    Nutzfahrzeuge?!?
    Dort entscheiden die reinen Betriebskosten.
    Ich bin gespannt, wo sich die Einsatzgebiete zukünftig auftun.

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