Revolutionierung der Land- und Energiewirtschaft mit Regionalwert-Methode

Software für Banken und Berater

Cummins

Nach Jahren des Konzipierens und Rechnens hat die AG im Juli 2020 ein selbst entwickeltes Online-Tool herausgebracht, das seitdem bei der Regionalwert AG käuflich erworben werden kann (289 Euro). Nach eigener Angabe ist die Software „Regionalwert-Nachhaltigkeitsanalyse“ insbesondere für Geldhäuser sowie für landwirtschaftliche Berater interessant. Denn auch Banken müssen Risiken im Kreditgeschäft, die sich aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ergeben, prüfen und bewerten. Daher überraschte es Hiß nicht, dass sich inzwischen selbst die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zunehmend in diese Richtung orientiert.

Der AG-Gründer aus Eichstetten erklärte: „Wir beobachten seit einigen Monaten einen Übergang von der reinen Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Nachhaltigkeitsbilanzierung. Im Dezember 2019 hat die BaFin ein Merkblatt zur Behandlung von Nachhaltigkeitsrisiken für die Finanzbranche herausgebracht. Banken müssen demnach zukünftig derartige Risiken, die sich aus ihrem Geschäft ergeben, in ihrer Bilanz abbilden. Dazu braucht es Methoden und Instrumente, die es zu erarbeiten gilt. Mit unseren Projekten ‚Richtig Rechnen‘ und ‚QuartaVista‘ steuern wir unser Wissen zu dem Prozess bei.“

EZB-Chefin Lagarde will grüne Anleihen

Ulrich Martin Drescher, Aufsichtsratsvorsitzender
der Regionalwert AG Freiburg

Hiß zeigte sich zuversichtlich, dass sein Berechnungsansatz über die Banken auch Einzug in die Wirtschaft halten wird. Im Oktober 2020 warf dazu passend die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde während einer Veranstaltung der Vereinten Nationen die Frage auf, ob die Notenbank möglicherweise „grüne“ Unternehmensanleihen bevorzugen sollte. Sie sprach von „Beispielen für Marktversagen“ und darüber, dass Finanzmärkte nicht immer in der Lage seien, allein die Risiken zu bemessen und einzupreisen. Es allein den Märkten zu überlassen, Umweltrisiken mit dem richtigen Preis zu versehen, hielt sie für fragwürdig.

Hiß wird dabei nicht müde zu betonen, dass der Ansatz von Regionalwert der erste war, der den Schritt zu einer sozio-ökologischen Bewertung machte. Er kündigte zudem an, dass ein weiterer Regionalwert-Leistungsrechner in Arbeit sei und ab November 2020 für 500 Euro erhältlich sein solle.

Kooperation mit SAP

Besonders stolz ist der Süddeutsche auf die Zusammenarbeit seiner kleinen regionalen Initiative mit dem großen Software-Konzern SAP. Das ebenfalls in Baden-Württemberg ansässige weltweit agierende Entwicklungshaus von Computerprogrammen für alle erdenklichen Geschäftsprozesse erwägt aktuell die Implementierung der Regionalwert-Methodik in die SAP-Buchhaltungssoftware. Ein entsprechender Werbefilm über Regionalwert wurde bereits gedreht. Anfang des Jahres 2020 präsentierte SAP QuartaVista zudem auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, was für einiges Aufsehen sorgte.

Hiß denkt aber noch weiter. So sollen im Rahmen des avisierten European Green Deal neue europäische Bilanzierungsregeln erarbeitet werden. Der Regionalwert-Vorsitzende hält es durchaus für denkbar, dass sein Ansatz über die Kooperation mit SAP in diesem Zuge mit zurate gezogen werden könnte. „Die Feststellung von Experten ist, dass wir am weitesten in diesem Bereich vorgearbeitet haben“, so Hiß.

SAP bekennt sich jedenfalls klar zu diesem nachhaltigen Ansatz. So erklärte Reiner Bildmayer, Leiter des Innovationsprojektes QuartaVista bei SAP, gegenüber der Zeitschrift Liberal: „Wir stützen uns da auf den Fundus von gut 500 Parametern, die unser Projektpartner entwickelt hat, die Regionalwert AG Freiburg. Dank deren Expertise haben wir Bewertungsempfehlungen für alles Mögliche, bis hin zur Erfassung des Tierwohls in Abhängigkeit von der Fläche, auf der sich ein Küken bewegen kann.“ Auf die Frage, ob sich diese Herangehensweise denn wirtschaftlich für Unternehmen rechne, antwortete er: „Natürlich, zumal sie mit einer QuartaVista-Buchführung sogar ihre Reputation verbessern können. Überprüfbar nachhaltig handelnde Unternehmen sind für Kunden attraktiver und können auch leichter an Finanzierungen kommen, denn den Banken wird das Thema zunehmend wichtig. Auch für die BaFin scheint das von Bedeutung zu sein.“

2 Gedanken zu “Revolutionierung der Land- und Energiewirtschaft mit Regionalwert-Methode

  1. „Dies könnte speziell für die Energiewirtschaft weitreichende Folgen haben, denn die Regionalwert-Nachhaltigkeitsanalyse könnte dabei helfen, den „wahren“ Wert von grünem Wasserstoff zu ermitteln.“

    Ja, der Ansatz ist wirklich revolutionär und sinnvoll. In Bezug auf Wasserstoff frage ich mich allerdings wie das heute (>95% grauer Wasserstoff, vorwiegend aus importiertem Erdöl /Erdgas) bzw. morgen aussieht, wenn wir lt. vorherrschender Meinung die EE-Energie für grünen Wasserstoff oder gleich den kompletten Wasserstoff importieren wollen /sollen.

    Der Ausbau der EE-Nutzung und vor allem die Stärkung der dezentralen, kleinen Energieerzeuger in Deutschland ist der Schlüssel zu grünem Wasserstoff für Deutschland!
    Denn nur wenn durch die dezentrale Eigenversorgung mit el. Energie (Übertragungs-)Netzkapazitäten und EE-Erzeugerkapazitäten frei werden, kann sinnvoll (zentral) grüner Wasserstoff produziert werden.
    Dass kleine dezentrale Elektrolyseure für Überschussstrom an jedem Windpark nicht realistisch sind (viel zu geringe Jahresauslastung) sollte jedem einleuchten. Es braucht große. effiziente Elektrolyseure – und Übertragungsnetzkapazitäten für den Strom …

    Leider sehe ich diesen Trend nicht und daher auch keine positive Bewertung von Wassestoff nach dem neuen Ansatz.

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