Nikola – Shortseller bringt das Unternehmen unter Druck

Hindenburg Research hat eine Reihe von Vorwürfen in seinem Informationsdienst gegen Nikola und seinen Gründer Trevor Milton vorgebracht. Dieser Dienst gehört einem bekannten Shortseller, der auf fallende Kurse setzt und auch schon bei Bloom Energy für Kursturbulenzen sorgte. Allein der Name „Hindenburg“ lässt die Vermutung zu, dass man Wasserstoff gerne negativ besetzt haben will. Indes sind solche Shortseller und ihre Postillen bei ihren Recherchen nicht schlecht, auch wenn sie in manchen Argumentationsketten und Vorwürfen übertreiben.

Nikola-Gründer Milton hat daraufhin seinen Hut genommen und wohl auf ein sehr ambitioniertes Bonuspaket verzichtet. Will er das Unternehmen dadurch schützen? Auf jeden Fall haben die Partner Bosch und GM bislang keine Absicht erkennen lassen, dass sie aus dem Joint Venture aussteigen. Ich denke, diese werden geprüft haben, mit wem sie sich ins Bett legen.

Der SUV Badger (Dachs) soll ja von General Motors gebaut werden. Kommen Batterie und Brennstoffzelle auch von GM? Was ist der Anteil von Nikola an diesem SUV? Sicherlich ist nun manche Unsicherheit entstanden. Tesla wiederum könnte dies eventuell freuen, will man in 2021 doch selbst einen Batterie-Lkw auf den Markt bringen. Das Design würde sehr dem Nikola-Design entsprechen.

Interessant ist, dass Broker und Investmentbanken wie Wedbush, die Tesla massiv hypen, Nikola abwerten. Auch das können Eigeninteressen sein.

Die Börse hat die Shortseller-Attacke mit einem Kursrückgang von über 30 US-$ auf fast 16 US-$ quittiert, aber jüngst wieder auf über 24 US-$ gedreht. Ich bleibe da optimistisch und gehe davon aus, dass der neue Vorstandsvorsitzende Klarheit schafft. Klar ist aber auch, dass da nun manche Sammelklagen (class action suits) eingereicht worden sind und diese Geld kosten könnten, auch wenn man da Interessen unterstellt, die denen der Shortseller entsprechen.

Sehr spekulativ eingestellte Anleger bauen eine kleine Position auf, da ja Nikola selbst Gegenklagen eingereicht hat und mancher Vorwurf meines Erachtens eine gute Chance hat, völlig entkräftet zu werden, ohne dass ich mangels Informationen zu sehr ins Details gehen kann. Alles kann da nicht falsch sein, da ja auch ein Börsenprospekt vielen rechtlichen Bedingungen entsprechen muss. Shortseller sind dann auch so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind, wenn sie ihren Gewinn via fallender Aktienkurse realisiert haben.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 1. Oktober 2020

2 Gedanken zu “Nikola – Shortseller bringt das Unternehmen unter Druck

  1. Hallo Joe,

    besagter Artikel „vom 2. Oktober“ wurde am 1. September verfasst, was auch drunter steht. Zu diesem Zeitpunkt waren die Betrugsverwürfe noch kein Thema, folglich waren – zu diesem Zeitpunkt und mit diesem Informationsstand – Gewinnmitnahmen eine plausible Erklärung.

    Der Artikel oben wägt ab, so wie alle anderen Artikel auch, die Nikola gerade negativ darstellen. Keiner hat Fakten oder Antworten, diese werden wir in den nächsten Wochen und Monaten erhalten. Der Artikel hat aber eine etwas andere Sicht auf die Dinge, was mir bei der einseitigen Berichterstattung der letzten Tage ganz gut gefällt.

    Über Ihren Hinweis, dass Tesla bereits Fahrzeuge verkauft, Nikola Motors aber noch nicht, habe ich einmal nachgedacht. Es könnte daran liegen, dass Nikola 11 Jahre später gegründet wurde, als Tesla und somit noch nicht über die Startup-Phase hinaus ist.

    Dass Nikola zunächst batteriebetriebene Fahrzeuge bauen will und dann erst LKWs mit Brennstoffzelle, diese Punkt gibt tatsächlich zu denken. Wobei das eine das andere nicht ausschließt.

    Gruß
    Elon

  2. Fragen über Fragen – aber wegen „mangels Informationen“ keine Fakten /Antworten.

    Ich sehe diesen Beitrag von Sven Jösting eher als Reaktion auf seinen Artikel vom 02. Oktober 2020, in dem noch von „Gewinnmitnahmen“ beim Absturz der Nikola-Aktie die Rede war …

    Allein dass Tesla im dritten Quartal 2020 eine „ansehnliche“ Anzahl BEV verkauft hat, Nikola aber bisher kein einziges Fahrzeug für den Markt produziert hat, ist eine Überlegung /Nachdenken wert. Denn Nikola plant interessanterweise als erste Fahrzeuge reine batterieelektrische LKW (bei Iveco) produzieren zu lassen – die FCEV-Varianten sollen (irgendwann) erst später folgen …

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