Tesla – Robinhood-Trading via Hochfrequenzhandel als Grundlage?

Tesla-Familie
Tesla-Familie, © Tesla

Was sind das für Kurssprünge: Mit sehr hohen Tagesumsätzen ging es vor dem 5:1 Split auf über 2.200 US-$ hoch – am Anfang des Jahres stand der Kurs bei unter 400 US-$. 420 Mrd. US-$ Bewertung für was? Nach dem erfolgten Split explodierte die Aktie weiter auf über 500 US-$, was dann 2500 US-$ vor dem Split entspricht.

Dazu lese ich Kommentare, wonach diese Kursexplosionen einer Art schwarmtheoretischem Trading geschuldet sein kann. Portale wie Robinhood (Neobroker mit circa 13 Mio. Anlegern) mit fast 500.000 Anlegern allein bei Tesla schaukeln sich hier wohl gegenseitig hoch und lassen Vergleiche mit dem Hochfrequenzhandel (Daytrading) erkennen.

Leerverkäufer haben sicherlich hohe Verluste erlitten, spekulieren diese doch auf fallende Kurse. Nun sind es aber nur noch circa 12 Mio. Aktien bzw. 60 Mio. nach dem Split, die leer verkauft worden sind. Es gab Zeiten, da waren über 40 Mio. Aktien. Auf der anderen Seite ist damit aber wieder – gefühlt – viel Pulver da, im großen Stil neu short zu gehen, also den aktuell sehr hohen Börsenwert von über 450 Mrd. US-$ als neue Basis dafür zu nehmen, erneut auf fallende Kurse zu setzen. Denn sieben Prozent short interest ist wenig, da sich hierbei mancher Fonds und mancher Aktionär ja bestehende Buchgewinne als Hedge absichert, ohne die Aktie direkt zu verkaufen.

Sehr bekannte Shortseller sind dennoch davon überzeugt, dass das Unternehmen an der Börse völlig überbewertet sei und dass manche Bilanzierung (u.a. Höhe der Receivables) Fragen aufwirft. Jim Chanos lag schon bei der Bubble bei dem Energiekonzern Enron richtig, da er Luftbuchungen vermutete. Er hat gerade 100 Mio. US-$ Gewinn bei seinem Leerverkauf in Wirecard eingestrichen. Er setzt unbeirrt auf Tesla als Short. David Einhorn von Greenlight Capital erwartet ein Ende des Höhenfluges, sollte Tesla in den S&P-500-Index aufgenommen werden. Nach der Devise: Buy on rumors, sell on facts. Einhorn unterstellt Tesla, dass man bilanztechnisch wohl kreativ war, um den Bedingungen der Indexaufnahme S&P500 erfüllen zu können.

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Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 1. September 2020

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