Tesla – Up, up and away – Wie lange geht das noch gut?

Die Zahlen für das erste Quartal haben für Euphorie an der Börse gesorgt, obwohl ich selbst da nichts erkennen kann, was nun besonders gut sein soll. Konkret wurden 0,09 US-$ pro Aktie (GAAP) und 1,24 US-$ (non-GAAP) verdient, wobei bei letzterer Zahl ein Verlust von 0,36 US-$ (Analystendurchschnitt) erwartet wurde, worin das positive Überraschungsmoment liegen soll. Was aber ist mit den 354 Mio. US-$ regulatory credits bzw. ZEVs (an FiatChrysler verkauft?)? Würde da nicht ein massiver Verlust stehen, wenn dieser Betrag nicht gewesen wäre? Und reicht all das für 100 US-$ höhere Kurse und für einen Wertzuwachs von über 18 Mrd. US-$?

Dann kam Elon Musk und twitterte, dass die Aktie eigentlich zu teuer sei. Dadurch verlor der Wert umgehend wieder 100 US-$ in einer Sitzung, um danach wieder kräftig auf über 800 US-$ anzuziehen. Durfte Musk diesen kursbeeinflussenden Tweet eigentlich absetzen? Es gibt ja ein Abkommen mit der SEC, die ihn und Tesla jeweils 20 Mio. US-$ gekostet haben. Ist Musk bald seinen CEO-Posten los, weil er sich nicht an die Vereinbarung hält?

Das Spiel geht weiter: Musk wird wohl 700 Mio. US-$ bis hin zu 1 Mrd. US-$ mehr auf dem Konto haben, da eine Zielmarke (100,1 Mrd. US-$ Börsenbewertung für sechs Monate) bald eingetroffen ist – der aktuelle Wert liegt bei über 140 Mrd. US-$.

Musk selbst hat 18 von 34 Mio. seiner Aktien als Kreditsicherheit hinterlegt. Was macht er mit dem Kredit, der hieraus resultieren könnte? Aktien direkt oder indirekt zukaufen, so Gerüchte? Sein Bruder Kimbal und der CFO sind ihm da gefolgt. Was läuft da? Und dann noch diverse aktionistische Entwicklungen: Der Europa-Chef soll gegangen sein – im Streit? Und Kalifornien, der Gouverneur und der Landkreis, in dem Tesla sein Werk (Fremont) hat, gibt die Produktion wegen Corona noch nicht frei. Es folgte eine Drohung von Musk, man werde das Hauptquartier in einen anderen Bundesstaat verlegen. Er hat erst mal eine Klage eingereicht und bezieht sich auf US-Präsident Trump, der alle Sanktionen/Auflagen zu beenden plant.

Aus China ist währenddessen zu hören, dass die April-Zahlen für einen Einbruch bei Model 3 geführt haben könnten. Zudem stehen über 2 Mrd. US-$ Kredite und eine kürzlich erfolgte Kreditlinie über 565 Mio. US-$ in China aus. Diese sollen an viele Bedingungen geknüpft sein. Konzernintern können die Gelder wohl nicht zum Einsatz kommen, sondern nur in Shanghai. Umsätze in China müssen dort verbucht werden. Auch Exporte von da (Australien, Japan etc.) und damit zusammenhängende Kapitalflüsse müssen wohl in China bleiben.

Zudem hat Tesla dort mal eben die Preise um zehn Prozent gesenkt, um an die staatlichen Zuschüsse zu gelangen. Die gesunkene Gewinnmarge werde aber – so Tesla – durch erhöhte Verkäufe und Skalierungseffekte ausgeglichen.

Mein Fazit: Alles ist im Kurs drin, was gut laufen kann, aber nichts ist drin, was schlecht laufen könnte (Brandenburg?). Und wenn Musk seine CEO-Stellung verliert, gar zum normalen Vorstand degradiert würde (SEC), verlieren viele Elektromobilitätsgläubige ihren Guru. Die Auswirkungen auf den Aktienkurs kann sich jeder ausmalen.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 11. Mai 2020

2 Gedanken zu “Tesla – Up, up and away – Wie lange geht das noch gut?

  1. Tja, interessanterweise stellt sich die Frage nach „Up, up and away“ bei den Brennstoffzellenfirmen scheinbar nicht. Dabei wurde deren Aufleben schon mehrmals beschworen – ohne je eingetreten zu sein.
    Dass die Corona-Phase bei allen Autobauern für tiefe Einschnitte sorgt, ist ja nun kein Geheimnis. Bei Tesla kommt erschwerend hinzu, dass die Fabrik in China (noch) auf Teile aus den USA angewiesen ist. Sie kann also auch nicht produzieren, wenn Freemont still steht.
    Aber ein paar negative Fakten und Vermutungen, als „eigene Meinung“ sind hier ja traditionell Inhalt von Beiträgen zu Tesla. Dagegen ist die Zukunft der Wasserstoffbranche schon seit Jahren rosig – zumindest in den Beiträgen hier.
    Man muss schon sehr zwischen den Zeilen lesen, um diesen Börsen-Artikeln im H2-Blog einen Inhalt abzugewinnen.

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