Corona-Krise hat die Aktienbörsen weiter im Griff

Auch wenn es einen kräftigen Rebound an den Börsen als Reaktion auf den vorausgegangen starken Rückgang gab, ist die Unsicherheit wohl noch lange nicht vorbei. Denn US-Präsident Donald Trump plant bereits, die Restriktionen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus aufzuheben, während Fachleute empfehlen, dies behutsam zu tun und nicht übereilt. Mancher US-Bundesstaat steht zudem erst noch am Anfang der Auswirkungen der Pandemie und nicht am Ende. Für die Börsen kann dies – so mein Gefühl – starke Ausschläge nach beiden Seiten haben, da einerseits mit einer allmählichen konjunkturellen Erholung gerechnet wird, aber andererseits die Folgen der Krise wie erhöhte Arbeitslosigkeit und Konkurse noch nicht richtig in ihren Auswirkungen bewertet werden können. Was bedeutet dies für die hier besprochenen Unternehmen?

Die Brennstoffzellenunternehmen werden – trotz Corona – ihren Weg gehen. Hier entsteht gerade ein neuer Megatrend, der durch Corona eher noch verstärkt wird, da die enormen Mittel, Gelder der Notenbanken, sinnvolle Aufgaben brauchen. Dem Klimawandel zu begegnen ist da ein durchaus guter Weg. Denn via Brennstoffzelle und Wasserstoff (idealerweise grünen) lassen sich Klimaziele eventuell erreichen, wenn das Thema weltweit und mit großen Anstrengungen umgesetzt wird. Es geht ja um saubere Energie in all ihren Formen wie auch um Carbon Capture, um die CO2-Emisisonen in den Griff zu bekommen.

In diesem Bereich entsteht gerade neues und vor allem großes und nachhaltiges, qualitatives Wachstum, was sich auf die Branche im positiven Sinne auswirkt und dann natürlich auch auf die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen. Da werden viele neue Jobs und Märkte entstehen.

Ballard Power

Der Weltmarktführer arbeitet unaufhörlich an seiner BZ-Vision. So gibt es eine Reihe von Partnerschaften, die neue Märkte für das Unternehmen entstehen lassen. Kürzlich wurde das Venture mit ABB und Hydrogen de France bekannt gegeben. Es geht um den Einsatz der Brennstoffzelle in Kreuzfahrt- und anderen Schiffen. Von Ballard werden wir da auch sicherlich in Bezug auf den Einsatz der Brennstoffzelle in Schienenfahrzeugen hören, da die Kooperationen mit Siemens und CRRC reif sind, daraus Aufträge zu generieren, womit ich noch in diesem Jahr rechne – ohne Obligo.

Ballard profitiert aber vor allem auch von China, da ja demnächst das BZ-Stack-Werk mit Weichai eröffnet und viele positive Prognosen auf den Weg bringen wird. Weichai gab kürzlich bekannt, dass man ein Werk für Elektromotoren mit über 22.000 Motoren p.a. an den Start gebracht hat. Weichai als Großaktionär bei Ballard (19,9 %) ist da sehr engagiert und plant, die gesamte Wertschöpfungskette bei der Brennstoffzelle abzudecken. Hierzu zählt dann auch der Bau von H2-Tankstellen. Für Ballard der bestmögliche Partner.

Und die Tochter KION wird sicherlich das Ballard Know-how für Gabelstapler zu nutzen wissen, was man ja schon bei Plug Power erfolgreich im Einsatz sieht. KION als die Nummer 2 der Welt gehört ja zu über 45 Prozent Weishai. Und KION soll eine Tochter gegründet haben, die sich mit Wasserstoff und dessen Nutzungspotentialen befasst.

Der Aktienkurs von Ballard hat sich nach dem Corona-bedingten Sturz von über 14 US-$ auf circa 7 US-$ nun wieder auf über 9 US-$ erholt. Chattechnisch sieht es nun so aus, dass wir einen neuen Kursaufschwung erleben sollten. Die Werkseröffnung in China Mitte 2020 ist nicht mehr weit entfernt und Ballard wird dann die neuen LCS-Stacks von dort in die Welt liefern.

Weichai deckt dann China ab, wo es Schätzungen gibt, dass von jährlich über 400.000 neuen Bussen perspektivisch über 200.000 p.a. mit Wasserstoff fahren werden. Da erwarte ich als Folge auch, dass viele Städte (London usw.) und Kommunen in größerem Umfang Aufträge für wasserstoffbetriebene Busse vergeben werden, da deren Cost-of-Ownership-Situation an die der batteriebetriebenen und Diesel-Hybrid-Busse heranreicht und demnächst sogar hinter sich lassen wird. Dann erhält Ballard Einzelaufträge für über hundert BZ-Bus-Stacks und nicht mehr nur für fünf oder zehn. Und dann kann Ballard auch via China liefern. Ballard als Schlüsselinvestment ein klarer Kauf für Anleger mit Zeit – trotz/gerade wegen der Corona-Krise.

Bloom Energy

Bloom hat jetzt viel schneller als erwartet die Refinanzierung der ausstehenden Wandelanleihen durchgeführt, indem diese einfach auf den 31. Dezember 2021 prolongiert wurden und a) der Zins auf zehn Prozent erhöht und b) der Wandlungskurs in Aktien auf 8 US-$ (von 11 US-$) gesenkt wurde. Das kostet Bloom zwar mehr Geld via Zinsen, aber beendet die Unsicherheit, die Shortseller da wohl ausgemacht hatten. Diese stockten ihren Short-Interest gar um 2 Mio. Aktien auf nun circa 20,7 Mio. (30. März) auf. Sie setzen unverändert auf fallende Kurse.

Ich tue genau das Gegenteil und erwarte mittelfristig feste Kurse. Grundlage sind die Äußerungen und die Prognose des CEO, dass das zweite Halbjahr 2020 der Bringer sein wird und 2020 zu einem insgesamt guten Jahr werden lässt. Das erste und zweite Quartal werden wegen der Corona-Krise nicht gut ausfallen. Börse ist aber Zukunft und setzt auf diese.

Parallel erwarte ich, dass Bloom Energy einen „Teil des Kuchens“ abbekommt, der sich aus der Situation des Stromproduzenten PG+E ableiten lässt: Dieser durch die Waldbrände in Kalifornien unter Konkursschutz geflüchtete Energie- und Stromversorger soll demnächst basierend auf einem Reorganisationsplan wieder neu aufgestellt werden. Als eine Maßnahme plant PG + E die Entwicklung von 20 Mikrogrids in 2020 und weiteren 28 in 2021 ff mit Investitionen von geschätzt über 1 Mrd. US-$. Bloom Energy als Hersteller von solch netzunabhängigen BZ-Kraftwerken könnte da einen Anteil bekommen – ohne Obligo – zumal die Art der Energieproduktion umweltfreundlich abläuft, hoch-effizient ist und Umweltstandards setzt. Die Entscheidung über die Vergabe von Aufträgen und der Beendigung der Konkursschutzzeit soll im zweiten Quartal kommen.

Es gibt zudem immer wieder Gerüchte, die amerikanische Notenbank FED würde Restriktionen erlassen, die Short-Sales (Leerverkäufe) untersagen oder wenigstens beschränken könnten. Dies könnte bei Bloom für ein besonderes Momentum im Kurs führen, da ja 20,7 von circa 70/75 Mio. Aktien (free float – frei handelbar) leer verkauft worden sind. Ein Short-Squeeze ist dann eine mögliche Folge – ohne Obligo.

In Europa haben einige Länder dies bereits gemacht – außer Deutschland. Hier sei der Hinweis angebracht, dass Short-Sales in sehr schwachen Börsenphasen dem Kursrückgang noch einen zusätzlichen Schlag versetzen und unter Umständen sogar dazu führen, dass gewiefte Hedgefonds dadurch an wichtige Unternehmensanteile zu niedrigen Kursen gelangen können. Short-Sales bergen also gewisse Gefahren. Klar ist aber auch, dass Short-Sales eine Art Marktmechanismus sind bzw. dazu gehören. Nur haben wir es gegenwärtig mit einer Krisensituation zu tun, wo solch gesetzliche Maßnahmen (s. o.) dann doch denkbar sind, um stabilisierend zu wirken.

In den USA spricht indes die Nähe von großen Investmentbanken zur Regierung/Finanzministerium u.a. dagegen, dass Short-Sales restricted werden – aber man weiß ja nie. Für Bloom und dessen Aktienkurs wäre es – in case – die Basis für eine Kursexplosion – we all guess.

Der auf 8 US-$ gesenkte Wandlungskurs der ausstehenden Wandelanleihe (Convertible) könnte auch im Ergebnis bis Ende 2021 dazu führen, dass bei stark steigenden Kursen in der Aktie die Anleihe dann in Aktien gewandelt wird, dass also aus Fremdkapital dann Eigenkapital wird. Dann wäre Bloom finanziell noch besser aufgestellt – in case. Morgan Stanley und JP Morgan sehen die Aktie zwischen 14 und 20 US-$.

FuelCell Energy

Auf einem interessanten Kursniveau befindet sich die Aktie von FuelCell Energy. Diese notiert bei circa 1,50 US-$ (im Höchst über 4 US-$ nach der Reorganisation) und einer Bewertung von circa 330 Mio. US-$. Da man einen großen Auftragsbestand hat und weitere Zuwächse zu erwarten sind, sollte dies den Kurs peu a peu nach oben bringen.

Der Großaktionäre Orion Capital Partner hält ja 20 Mio. Aktien und zudem viele Optionsscheine und hat eine Kreditlinie von 200 Mio. US-$ gegeben, von der 120 Mio. US-$ noch nutzbar sind. Ich unterstelle Orion, dass sie FuelCell Energy entwickeln wollen, aber zu einem späteren Zeitpunkt mit hohem Gewinn vielleicht an einen großen Anlagenbauer weiter verkaufen, dass hier also eine Übernahmestory heranwächst.

FuelCell behauptet ja, eine führende patentrechtlich abgesicherte Carbon-Capture-Technologie zu haben, die sich zum Beispiel ExxonMobil 60 Mio. US-$ für zwei Jahre Laufzeit kosten lässt. Zwar hoch spekulativ, aber unter den Wachstumsaussichten hoch-interessant als Investment. In Europa ist man aktiv, aber das geht meines Erachtens erst los = Stichwort: Klimapakt und Kooperation mit E.ON. Tipp: Die neueste Präsentation auf der Website lesen  www.fuelcellenergy.com

Am 12. April kam eine neue Präsentation des Unternehmens. Das sieht gefühlt sehr gut aus: FuelCell Energy transformiert sich von einem reinen Technologieunternehmen zu einem Versorger und Energielieferanten, wobei dieser Mix eine gesunde Grundlage für Wachstum und Ertrag darstellen.

Am Rande – reine Spekulation: E.ON hat in Deutschland ja den Auftrag von Tesla bekommen, ein Energiekonzept für das neue Werk in Brandenburg zu entwickeln. Eine E.ON-Tochter ist ja Partner von FuelCell Energy. Das wäre doch was, wenn FuelCell ein BZ-Kraftwerk für Tesla bauen würde – die Welt kann sehr klein sein.

Tesla

Was gibt es da nicht alles an günstigen Prognosen diverser Investmentbanken. Jefferies sieht Kurse von über 600 und Oppenheimer von über 680 US-$. China werde da das Wachstum bringen. Immerhin: Im März wurden in China circa 10.000 Model 3 verkauft – ein neuer Rekord. Gesamt hat Tesla circa 88.400 E-Autos im ersten Quartal abgesetzt, bei denen diese 10.000 aus China meines Erachtens drin enthalten sein müssten.

Klar ist auch, dass die Produktion in China perfekt geeignet ist, diesen weltgrößten Markt von dort aus direkt zu bedienen wie auch die ganze Region, also auch Japan & Co. Nun wartet man gespannt auf Model Y und andere Varianten. Ich bin und bleibe skeptisch, denn es gibt auch andere Sichten. So hat die Konkurrenz massiv aufgeholt, was die Reichweite der Batterien betrifft, so dass Tesla da nicht mehr Frontrunner ist. Zudem ist die Palette an neuen Modellen der Branche massiv gestiegen und stellt damit eine immer größere Konkurrenz dar.

Die Börsenbewertung von über 90 Mrd. US-$ beinhaltet bereits eine sehr positive Entwicklung bei Tesla, wobei der Konzern noch kein Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen hat – es waren immer nur einzelne positiv – mit Gewinn – abgeschlossene Quartale und diese wiederum noch durch außerordentliche Einnahmen wie ZEVs.

Wenn jetzt Short-Sales seitens der FED eingeschränkt werden, müsste dies auf den Börsenkurs bei Tesla – in case – positive Auswirkungen haben. Denn die Höhe der leer verkauften Aktien ist in den vergangenen Wochen von ca. 17 Mio. Aktien auf über 19,7 Mio. angestiegen (s. Bloom-Absatz).

Das Kapitalpolster von über 8 Mrd. US-$ (nach der Kapitalerhöhung um 2,3 Mrd. US-$ vor ein paar Wochen) ist eine gesunde Basis, aber bei bestehenden Werksschließungen in Fremont und Nevada geht da viel Liquidität verloren. Und die neue Gigafabrik in Deutschland soll auch Milliarden kosten. Mein Urteil: es gibt viele Buyside-Analysten und viele Aktionäre, die Tesla nicht als Autokonzern bewertet sehen wollen, sondern als KI-und Softwareunternehmen und deshalb – bei letzterem – eine höhere Bewertung gerechtfertigt ansehen. Für mich zählt aber, dass das Unternehmen mit seinen Kfz auch Gewinn macht.

In einer schwachen Börse wird Tesla auch schwach notieren, da hier viele Buchgewinne bei vielen Anlegern im Kurs schlummern. Man mache sich bewusst, dass der Aktienkurs vor wenigen Wochen bei circa 350 im Tiefst stand und heute um 670 handelt, also vom Crash bislang völlig ausgenommen worden ist – im Gegenteil: Der Kurs explodierte förmlich von 450/500 auf über 650. Gründe kann ich keine finden, wohl eher die Hoffnung, dass die Produktion in Kalifornien wohl bald wieder anlaufen kann. Ich bleibe skeptisch. Die Zahlen für das erste Quartal kommen Ende April = dann zählen Fakten.

Wikifolio: BZ-Vision

Hier konnte ich ein neues Alltime-High erreichen. Hatte Bloom und Ballard ja auf fast Höchstniveau zum Teil abgegeben und parallel Verkaufsoptionsscheine auf Tesla erworben. Dann hatte ich die Tesla-Scheine mit hohem Gewinn verkauft (Aktien von circa 700 auf unter 400 US-$) und Bloom, Ballard und FuelCell Energy zugekauft. Zuletzt ein paar Bloom-Aktien und von Ballard verkauft, um neu Tesla-Verkaufsoptionsscheine zu erwerben. Letztere dienen mir als Absicherung des Depots, denn im Fall eines neuen kräftigen Rückganges der US-Börsen wird dies auch Tesla betreffen, so meine Annahme. Und die Zahlen für das erste wie auch das zweite Quartal könnten überraschen – bei manchen Analysten im positiven Sinne und bei mir im negativen. Ende April sind wir alle schlauer.

Stay tuned. Börse ist Zukunft. Man muss über den Tellerrand schauen und mittelfristig denken. Die Brennstoffzelle steht vor ihrem Durchbruch – so sollte es sich auch mit den Aktien verhalten. Die BZ-Unternehmen kommen nun endlich in die Gewinnzone – 2020 als Übergangsjahr und ab 2021 richtig. Die Börse antizipiert diese Erwartung.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, verfasst am 14. April 2020

2 Gedanken zu “Corona-Krise hat die Aktienbörsen weiter im Griff

  1. @Joe: „Kein Wort zu Wasserstoff in stationärer Verwendung.“ – Das stimmt nicht.
    Sowohl FuelCell Energy als auch Bloom bauen stationäre Brennstoffzellenkraftwerke.

  2. Ja, wenn der Sven Hösting schreibt:
    „… deckt dann China ab, wo es Schätzungen gibt, dass von jährlich über 400.000 neuen Bussen perspektivisch über 200.000 p.a. mit Wasserstoff fahren werden.“
    Dann drängt sich (trotz der Risikohinweise) irgendwie die Frage nach der Quelle und der Basis solcher Behauptungen auf. Denn als erstes wäre ja wohl zu klären, wo der (möglichst „grüne“) Wasserstoff herkommen soll für diese Busflotte – perspektifisch …
    Kohlevergasung /Dampfreforming ist weder nachhaltig, noch sauber – auch mit “ Carbon Capture“ nicht – welches bisher eh vor allem in Prospekten existiert.
    Interessant auch der Anspruch an Tesla:
    „Für mich zählt aber, dass das Unternehmen mit seinen Kfz auch Gewinn macht.“
    Da bin ich gespannt, wann das erste Unternehmen positive Geschäftsergebnisse aus dem Vekauf von H2-Kfz /FCEV – egal ob PKW oder Busse – meldet.
    Gut, wenn man bei solchen Beiträgen wie dem von Sven Jösting nicht vergisst, dass dies hier eben der HZwei-Blog ist. Objektive Einschätzungen sind da wohl eher nicht zu erwarten.
    „Die Brennstoffzelle steht vor ihrem Durchbruch – so sollte es sich auch mit den Aktien verhalten.“
    Wir werden sehen, ob dies diesmal stimmt.
    😉
    Kein Wort zu Wasserstoff in stationärer Verwendung. Dabei dürften die Hürden bei Kosten /Effizienz im mobilen Bereich deutlich höher sein als bei stationärem Einsatz von H2.

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