Ein Leben als Hydronaut in Kalifornien

Ein Hydronaut zwischen vielen Benzinern.
Ein Hydronaut zwischen vielen Benzinern, © CHBC

Ich bin ein Hydronaut. Es handelt sich dabei nicht um eine Bezeichnung für einen Unterwasser-Astronauten, sondern um einen Begriff, den Honda verwendet, um mich zu beschreiben. Ich fahre eines seiner Clarity-Fuel-Cell-Modelle auf den Straßen Kaliforniens. Mittlerweile, bis zum 1. August 2019, befinden sich über 7.000 Brennstoffzellenfahrzeuge dreier Automobilhersteller (Honda, Toyota, Hyundai) auf dem Markt.

Das Leben als Hydronaut ist somit eine einzigartige Erfahrung, erfüllt von der Freude, ein emissionsfreies Auto zu fahren, das eine Reichweite von über 480 km hat und schnell (in drei bis fünf Minuten) aufgetankt werden kann. Die Einführung eines neuen Kraftstoffs bedeutet jedoch auch gelegentlichen Frust, da H2-Stationen immer noch unter Anlaufschwierigkeiten leiden. Glücklicherweise befindet sich Kalifornien bereits auf dem Weg zur 100. H2-Tankstelle. Im Los-Angeles-County befinden sich dreizehn Standorte, was großen Anlass zur Freude gibt. Die Anzahl der Hydronauten wächst monatlich.

Hydrogenics

Einige Leute sind möglicherweise aufgrund der intensiven von den Autoherstellern entwickelten Werbekampagnen zur Marktdurchdringung auf FCEV (Fuel Cell Electric Vehicles) umgestiegen. Bei der Fahrt auf dem Freeway 405, der in der Region Los Angeles von Nord nach Süd verläuft, können Sie den einzigen Ort in der Welt sehen, an dem sich Werbetafeln konkurrierender Unternehmen zum Thema FECVs einen Wettstreit liefern. Auf der einen Seite gibt es in Richtung Carson eine Reklametafel, die für den Toyota Mirai wirbt. Gezeigt wird die Abbildung eines Fahrzeugs, das sich im Wasser befindet. Folgende Werbebotschaft befindet sich darunter: Die einzige Emission ist Wasser. Diese Botschaft erfüllt ihre Aufgabe, dieses Auto als eine saubere, ökologische Wahl für die Umwelt und den Verbraucher darzustellen.

Etwa 1,5 km weiter prahlt eine Reklametafel von Honda mit: „3 bis 5 Minuten zum Auftanken, der brandneue Clarity Fuel Cell“. Es handelt sich um den Versuch großer Automobilhersteller, weitere Hydronauten zu rekrutieren, und es scheint, dass die Rechnung aufgeht. Obwohl das Wachstum bei Fahrern von batteriebetriebenen Fahrzeugen (BEV = battery electric car vehicle) etwas steiler ist, sagen monatlich auch immer mehr Fahrer in Kalifornien „Ja“ zu den FCEVs.

Marketingstrategien wie Reklametafeln und Radiowerbung sind nur ein Weg, mehr Leute dazu zu bewegen, FCEVs zu fahren, aber finanzielle Anreize sind ein weiterer Faktor. „Bares ist Wahres“, wie man so schön sagt. Nichts weckt die Aufmerksamkeit auf ein mögliches FCEV so sehr wie das Angebot des Bundesstaats Kalifornien, einen Preisnachlass von 5.000 US-$ beim Kauf eines emissionsfreien Autos zu gewähren (bei einkommensschwächeren Bewerbern steigt dieser Preisnachlass auf 7.000 US-$). Dank des California-Clean-Vehicle-Rebate-Project (CVRP = Kalifornisches Rabattprojekt für saubere Fahrzeuge), das vom State’s Cap & Trade Program durch das California Air Resources Board finanziert wird, sind FCEV-Fahrer berechtigt, den Preisnachlass beim Kauf oder Leasing eines sauberen, emissionsfreien Wasserstoff-FCEV in Anspruch zu nehmen.

weiterlesen im HZwei Oktober-Heft

Autor: Cory Shumaker

2 Gedanken zu “Ein Leben als Hydronaut in Kalifornien

  1. @Joe Schmidt:
    Toyota und Air Liquide betreiben bereits Wasserstoffwerke in Kalifornien, bei denen derzeit Biomüll umgesetzt wird und für zig tausende an Haushalten und Autos den Wasserstoff liefern könnte (TriGen Kraftwerke). Aber sie haben dahingehend Recht, dass der Autobau und die Verwendung von Akkus in FCEVs immer noch umweltgerechter werden könnte.

    Die Chancen liegen in meinen Augen erst bei einer echten Sektorenkopplung mit Wasserstoff in größerem Umfang und dezentraler Erzeugung durch PV-Anlagen bzw. autarken Gebäudetechnik-Systemen wie Brennstoffzellen als Heizungs- und Energielieferant.

    Das Problem ist dabei aber, dass man es nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland bzw. weltweit mit den stärksten Lobbyverbänden zu tun bekommen wird. Die einen wollen weiterhin Erdöl fördern und Treibstoffe verhökern. Und bei den anderen gehts um Kernkraft- und Kohlewerke zur Stromerzeugung.

    Die Frage ist daher eher, ob die Politiker auf diesem Planeten wirklich gewillt sind und etwas für die Nachhaltigkeit machen wollen oder sich lieber in die nächsten Aufsichtsratsposten retten wollen oder die vermeintlich einfacheren Lösungen dem Wähler anbieten; Hauptsache das Kreuz wird an der richtigen Stelle gemacht. 😉

  2. … erfüllt ihre Aufgabe, dieses Auto als eine saubere, ökologische Wahl für die Umwelt und den Verbraucher darzustellen.

    Dass das FCEV als solches dargestellt wird, ist die eine Seite. Nur sehe ich eine erhebliche Kluft zwischen Darstellung /Anspruch und der Realität.

    Meines Wissens nach wird in Kalifornien ebenso wie in Europa >90% des H2 aus fossilen Promärenergien, u.a. in den USA aus Fracking-Erdgas gewonnen.
    In der aktuellen Veröffentlichung „Wasserstoffpolitik in Kalifornien“ lese ich dazu:
    „Mit Ausnahme einiger wenigen, kleinen Elektrolyse-Demonstrationsprojekte (SoCalGas 2017,2019) wird in Kalifornien Wasserstoff bislang ausschließlich durch Steam Methane Reforming (SMR) aus Erdgas produziert.“

    Die Begeisterung für das elektrische Fahren kann ich nachvollziehen. Die Aussagen zur Umweltfreundlichkeit derzeit (noch) nicht.

    Die oberste Aufgabe aller Wasserstoff-Befürworter muss also der Ausbau der Nutzung der erneuerbaren Energien, vor allem Wind und PV sein. Nur so lässt sich „grüner Wasserstoff“ auch real erzeugen und in der Praxis einsetzen.
    Bunte Plakate und blumige Aussagen reichen dafür nicht.

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