Große Auszeichnung für Wasserstoff

Wirtschaftsminister Altmaier
Wirtschaftsminister Altmaier: „Das geht am besten mit Wasserstoff.“ © Handelsblatt

Vom 23. bis 25. Januar 2019 fand in Berlin der hochkarätig besetzte Handelsblatt Energie-Gipfel statt, auf dem unter anderem Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, eine ausführliche Rede über die Potentiale der Wasserstofftechnologie hielt. Außerdem wurde die Firma 2G Energy für die Entwicklung ihrer H2-Blockheizkraftwerke als innovativstes Unternehmen im Industriesektor ausgezeichnet.

So deutlich hat sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier wohl noch nie zum Wasserstoff bekannt. In seinem Einführungsbeitrag zeigte er ausführlich mögliche Perspektiven der H2-Technologie auf und skizzierte ein relativ klares Bild einer zukünftigen Energieversorgung. Er sagte: „Wir werden ein modernes System aufbauen. Dieses System wird ohne Sektorenkopplung nicht auskommen können. Und dieses System wird – wenn wir erneuerbaren Strom speichern wollen – niemals nur dadurch funktionieren, dass wir viele Tausend Lithium-Ionen-Batterien aufstellen. Denn wenn wir Strom, der im Sommer sehr viel produziert und weniger gebraucht wird, im Winter verfügbar machen wollen, dann geht das am besten mit sauberem Gas, mit Wasserstoff, das man durch Elektrolyse gewinnt, die mit erneuerbarem Strom funktioniert. Und dann müssen wir die Frage stellen, wie viel Leitungen wir dann noch brauchen, wie viel Pipelines wir damit füllen können, und vor allen Dingen nach der Akzeptanz. Viele Bürgerinnen und Bürger sagen, wir wollen nicht noch mal viermal, dreimal, doppelt so viele Windräder wie heute. Deshalb ist die Energiewende noch längst nicht beendet, sondern wir müssen über sie diskutieren.“

Es gehe sowohl um die Entstehung neuer Arbeitsplätze als auch um eine höhere Planungs- und Umsetzungsgeschwindigkeit im Energiesektor. Altmaier erklärte: „Es wird darüber nachgedacht, dass wir in der Nordsee Windkraftanlagen haben, die Strom produzieren, der nicht an Land transportiert wird, sondern aus diesem Strom sofort Wasserstoff herstellen, und dann können Sie den Wasserstoff mit Tankschiffen an Land bringen. Sie können ihn dann einsetzen in Gaskraftwerken, die dadurch mit erneuerbaren Energien bedient werden. Sie können ihn einsetzen im Verkehrsbereich. Sie können dazu Power-to-Liquid machen. Wir haben jetzt eine Ausschreibung veröffentlicht, dass wir sogenannte Reallabore machen, wo wir diese ganze Wasserstofftechnologie in vier großen Reallaboren testen wollen, um zu sehen, wie das unter industriellen Maßstäben möglich ist und ob ein Business Case erreicht werden kann.“ Dabei räumte der Minister gleichzeitig ein, dass vielen dieser Entwicklungen derzeit noch Gesetze wie beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Wege stünden.

Mit Blick nach Japan

Auch die anderen Vorträge und Talkrunden des Gipfels zeigten deutlich, dass die Energiewende nur unter Einbeziehung von grünem Wasserstoff gelingen kann. Den verschiedenen Power-to-X-Varianten gehöre die Zukunft, so der klare Tenor während der gesamten dreitägigen Veranstaltung. Europa verfüge hier über gute Voraussetzungen, nutze aber derzeit die Potentiale nicht. Demgegenüber spreche man in Japan bereits von einer „Hydrogen Society“, die im Jahr 2020 zu den nächsten Olympischen Spielen Realität sein soll. Der Inselstaat setzt allerdings zunächst auf Wasserstoff, der in Australien via Kohlestrom erzeugt und von dort importiert wird. Aber auch in Japan ist das Ziel, langfristig grünen, vor Ort selbst produzierten Wasserstoff zu verwenden.

Japan braucht wie Europa Energiesicherheit. 50 Atomkraftwerke wurden in der Vergangenheit durch fossile Kraftwerke ersetzt. Das Ziel der Japaner ist daher, 300.000 Tonnen Wasserstoff bis 2030 selbst zu produzieren und 5,3 Mio. Brennstoffzellenheizgeräte im Markt zu haben. Der Richtungskampf Batterie versus Brennstoffzelle werde dort zugunsten der Brennstoffzelle entschieden, prophezeite ein Referent, da Brennstoffzellen mittelfristig in der Produktion günstiger seien, Batterien aber aufgrund der Materialfrage geringere Einsparungsmöglichkeiten böten. Dementsprechend wird dort der Aufbau der H2-Tankstelleninfrastuktur weiter vorangetrieben. Aktuell gibt es rund 100 Stationen, 2025 sollen es 320 sein.

Insgesamt ließ sich feststellen, dass das Thema Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik gegenüber den Vorjahren spürbar an Auftrieb gewonnen hat. Klar wurde auch, dass die sehr unterschiedliche Besteuerung der unterschiedlichen Energieträger einer grundlegenden Reform bedarf.

Handelsblatt Energy Award für 2G

Gewinner des Handelsblatt Energy Award in der Kategorie Industrie wurde in diesem Jahr die 2G Energy AG, die wasserstoffbetriebene Blockheizkraftwerke nutzen will, um kostengünstig und effizient Strom und Wärme zu generieren. Das börsennotierte Unternehmen aus dem Münsterland setzt dabei auf optimierte Erdgasmotoren im Leistungsspektrum von 80 bis 280 kWel.

Frank Grewe, Leiter Forschung und Entwicklung, warb damit, dass „die von 2G entwickelte Kolbengeometrie eine einfache und individuelle Anpassung des Verdichtungsverhältnisses an die jeweilige Gasart ermöglicht“. Auf diese Weise sei ein Gesamtwirkungsgrad von annähernd 90 Prozent zu erreichen. Vorteile seien zudem, dass ein H2-BHKW sehr viel unempfindlicher gegenüber Kraftstoffverunreinigungen sei und nur halb so viel koste wie ein Brennstoffzellenaggregat, so Grewe.

Autoren: Sven Jösting und Sven Geitmann

2 Gedanken zu “Große Auszeichnung für Wasserstoff

  1. Na ja Wirtschaftsminister Altmaier :
    „Und dieses System wird – wenn wir erneuerbaren Strom speichern wollen – niemals nur dadurch funktionieren, dass wir viele Tausend Lithium-Ionen-Batterien aufstellen.“

    Ein System ist : „Als System wird allgemein eine Gesamtheit von Elementen bezeichnet, die miteinander verbunden sind und dadurch als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden können, als strukturierte systematische Ganzheit“ meint jedenfalls WIKIPEDIA.

    Klar, für längerfristige Lagerzwecke sind auch “ viele Tausend Lithium-Ionen-Batterien“ nicht das geeignete Medium. Genauso wenig wie mir persönlich irgend ein „irgendwo“ fixes Lager mit H2 hilft.

    Fein über die Republik verteilte dezentrale private Speicher machen in mehrfacher Hinsicht Sinn. Ob das immer “ Lithium-Ionen-Batterien“ sein müssen wie der Minister suggerieren möchte, ist ein weiterer Ansatz zu Kritik.

    Man muss ja H2 Technologien nicht ablehnen, wenn man im „System“ auch noch Platz für andere Möglichkeiten der Energieerhaltung (Speicherung) sieht. Eine Gasturbine hat einen relativ geringen Wirkungsgrad und vom Start bis zur Vollast vergehen Minuten (Änderungsgeschwindigkeiten bis zu 20 % der Nennleistung pro Minute). Die Reaktionszeit des Batterie-Speicherkraftwerks liegt mit 0,14 bzw. unter 4 Sekunden deutlich niedriger als bei konventionellen Kraftwerken.

    Und es muss nicht alles aus Lithium-Ionen-Batterien bestehen. Hybridbatterie-Kraftwerke arbeiten mit Lithium-Ionen-Akkumulatoren UND Redox-Flow-Batteriespeicher zusammen. Was wohl auch nicht gerade bekannt sein dürfte, Lithium-Ionen-Batterien (Elektroauto-Akkus) können nicht einfach gelagert werden. Daraus entstehen zwangsläufig „Großbatterien“ die sich nur über den Regelmarkt „rechnen“. Hier wird nur ein Teil der Kapazität und des Leistungsvermögens kommerziell genutzt.

    Redox-Flow wie sich das Fraunhofer vorstellt – gewisse Ähnlichkeiten mit H2 Technologie sind „zufällig“ ?
    https://www.ict.fraunhofer.de/content/dam/ict/de/Videos/IFBF%20Animation%20RFB%20Halle%20lang.mp4

    Aus dieser „Saft“ lässt sich lagern und per Tankwagen transportieren. Hier ist also auch alles „im Fluss“
    https://www.iwr.de/news.php?id=35923

    Und privat : https://voltstorage.com/voltstorage-smart-stromspeicher/

    Na da sollte Altmaier mal über seine „Systemvorstellungen“ nachdenken. Das ich H2 „im System“ positiv sehe – lässt sich sicher hier :
    https://www.hzwei.info/blog/2019/04/15/energiewende-als-gemeinschaftsprojekt/#comments
    durchaus nachvollziehen…

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