Windstrom pusht Wasserstoff-Mobilität

Die Elektrolyseuranlage im Covestro Industriepark

Schleswig-Holstein mausert sich immer mehr zu einer Modellregion für eine nachhaltige Energiewende. Statt Industrie 4.0 heißt es hier NEW 4.0. Die Abkürzung steht für eine immer größer werdende Innovationsallianz, die an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution steht und die intelligente Vernetzung der Energiesektoren als zentrale Aufgabe ansieht. Eines der zahlreichen Vorhaben innerhalb von NEW 4.0 ist das H2-Projekt der Wind to Gas Energy GmbH & Co. KG in Brunsbüttel.

Innerhalb von drei Jahren hat es deren Geschäftsführer Tim Brandt geschafft, einen Elektrolyseur, der mit sauberem Strom aus einem nahegelegenen Windpark versorgt wird, heranzubekommen und diesen auch aufzubauen. Anfang 2019 sollen nun eine Einspeisestation und eine H2-Tankstelle ihren Betrieb aufnehmen.

Tim Brandts Projekt gliedert sich in eine ganze Reihe von Vorhaben ein, wie sie mittlerweile an vielen Standorten, insbesondere im Norden der Republik, initiiert werden. Bei allen geht es um eine intelligente Kopplung der Energiesektoren, damit „überschüssiger“ Windstrom nicht abgeregelt werden muss, sondern als grüner Wasserstoff in die Tanks von Brennstoffzellenfahrzeugen fließen oder beispielsweise ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Denn spätestens seit den landesweit durchgeführten Repoweringmaßnahmen ist massenhaft Überschusswindstrom vorhanden.

Damit hier endlich etwas passiert, rief Brandt, der vor gut drei Jahren seine Studienabschlussarbeit über Anwendungsmöglichkeiten von Power-to-Gas geschrieben hat, gemeinsam mit Hans-Reimer Thießen das Unternehmen ins Leben. Thießen ist Windpionier seit Anfang der 1990er-Jahre und zweiter Geschäftsführer von Wind to Gas Energy. Heute betreiben die beiden unter anderem einen aus fünf Enercon-Anlagen bestehenden Windpark (15 MW) nördlich von Brunsbüttel. Der dort erzeugte Strom gelangt über eine sechs Kilometer lange Kabeltrasse 27 Meter unter dem Nord-Ostsee-Kanal hindurch zum Covestro Industriepark, wo ein Teil der elektrischen Energie seit Ende 2017 im Rahmen eines Erprobungsvorhabens in einem von ADS-Tec bereitgestellten Akkumulator beim Umspannwerk Ostermoor gespeichert wird (Leistung: 2,5 MW, Kapazität: 2,5 MWh).

Das Herzstück dieses Projekts ist seit neustem der Elektrolyseur, der über eine elektrische Leistung von 2,4 MW verfügt. Er kann 450 Normkubikmeter Wasserstoff pro Stunde mit einem Druck von 30 bar erzeugen. Umgerechnet sind das 40 Kilogramm Wasserstoff, die an H2-Tankstellen mit 9,50 Euro pro Kilogramm gehandelt werden. Damit könne ein Brennstoffzellenauto 4.000 Kilometer zurücklegen, so Brandt. Bei jährlich 3.000 Volllaststunden des Windparks sollen sich auf diese Weise zwei Millionen Kubikmeter Wasserstoff (rund 180.000 kg) herstellen lassen.

Weiterlesen im HZwei Januar-Heft

Schreibe einen Kommentar