DVGW bringt Quote für Grüngas ins Spiel

Prof. Michael Sterner

In der Gasbranche geht ein Gespenst um: Ganz Deutschland wird elektrifiziert und das Gasnetz liegt lahm. Solch eine Zukunft, die für die Gaseindustrie getrost als Horrorvision angesehen werden kann, gilt es aus deren Sicht zu vermeiden. Aus diesem Grund hat sich die bislang eher als konservativ geltende Branche nach und nach – gezwungenermaßen – den Themen Power-to-Gas und Sektorenkopplung geöffnet. Der neuste Diskussionsstand mit politischen Handlungsempfehlungen wurde im September 2018 in Berlin in Form einer DVGW-Studie vorgestellt.

Im Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) haben vor einigen Jahren die ersten Akteure begonnen, Wasserstoff quasi als „Verwandten“ von Erdgas zu betrachten und seine Integration sowohl ins Gasnetz als auch in das Vereinskonzept voranzutreiben. Inzwischen spricht sich innerhalb des Verbandes eine deutliche Mehrheit für einen solchen Strategiewechsel aus – weg vom fossilen Energieträger, hin zum grünen Gas.

Erneuerbares statt fossiles Gas

Der Grund für diesen Gesinnungswandel ist einfach: Fossiles Erdgas hat langfristig keine Zukunft als Energieträger in Deutschland, ebenso wenig wie Kohle oder Erdöl. Die Ursache dafür liegt unter anderem im Pariser Klimagipfel COP21, bei dem festgelegt wurde, dass die globale Erwärmung auf 2 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzt wird. Darauf basierend bestätigte die deutsche Bundesregierung ihre nationalen Klimaschutzziele im Klimaschutzplan 2050, wonach die Treibhausgasemissionen bis zum Zieljahr 2050 über alle Sektoren hinweg um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 abgesenkt werden sollen. [1] Die Bundesregierung hat allerdings bislang immer noch nicht festgelegt, ob sie 80 oder 95 Prozent als Richtwert für 2050 ansieht. Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung (Deutsche Energie-Agentur), empfahl, „sich an 95 Prozent zu orientieren“.

Aber egal, ob nun 80 oder 95 Prozent gelten, die Erdgasbranche steht unter Druck. Die im DVGW zusammengeschlossenen Institutionen haben bislang vornehmlich mit fossilem Erdgas Geld verdient und teils große Investitionen in die Infrastruktur getätigt. Spätestens jetzt sehen sie sich aber gezwungen, nach Alternativen zu suchen.

So sieht es auch die Ontras Gastransport GmbH. Der überregional tätige Fernleitungsnetzbetreiber verfügt derzeit über 450 Netzkopplungspunkte und rund 7.000 km Gasleitungen, die jedoch überflüssig wären, wenn zukünftig ganz auf den Transport von Gas verzichtet würde. Deswegen verfolgt das Leipziger Unternehmen unter dem Slogan „going green“ das Ziel, das Gas grüner zu machen – also allmählich von Erdgas auf erneuerbare Gase (s. Kasten) umzustellen.

Abschließend brachte der DVGW die Überlegung ins Spiel, ob denn eine Quote für erneuerbare Gase sinnvoll sein könnte, um darüber ein klares politisches Ziel definieren zu können. Die meisten der elf Diskutanten zeigten sich dahingehend aufgeschlossen oder gar positiv gestimmt, da solch eine Maßnahme Planungssicherheit bringen würde, sowohl für den Elektrolyseurhochlauf als auch für die Ertüchtigung des Gasnetzes zur Erhöhung des H2-Anteils. Kritisch wurde hingegen angemerkt, dass solch eine Quote kein zweites EEG werden dürfe.

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