Ballard – Zweites Halbjahr 2018 mit sehr gutem Ausblick

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Ballards bisherige wassergekühlten FCvelocity®-9SSL-Stacks, © Ballard

Ballard-CEO Randy MacEwen selbst nimmt mittlerweile das Wort „Megatrend“ für die zukünftige Entwicklung der Brennstoffzelle in den Mund. Für ihn zeichnet sich genau solch ein Bild am Horizont ab. Die ganze Branche profitiert derzeit davon, dass die Brennstoffzelle in den verschiedensten Anwendungen vor dem Durchbruch (Massenfertigung) steht. Diverse Prototypenentwicklungen und Kooperationen, wie zuletzt bezüglich einer Auto- und Passagierfähre, die mittels Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnik in Schottland (Ferguson Marine) entwickelt werden soll, bestimmen das Bild von Ballard.

Die Quartalszahlen sind dabei nur bedingt von Interesse, da Ballard permanent und massiv in Forschung und Entwicklung investiert und seine weltweite Marktführerschaft nicht nur hält, sondern ausbaut. Der Rückgang der Bargeldreserven von über 60 auf etwa 35 Mio. US-$ ist dem Aufbau von Lagerbeständen (Inventory) für Komponenten geschuldet, um dem stark steigenden Auftragseingang zu begegnen. Immerhin stehen aktuell schon über 283 Mio. US-$ in den Auftragsbüchern.

Immer besser sichtbar wird, dass Ballard die Führungsrolle in diversen BZ-Märkten einnimmt. So werden weltweit immer mehr Busflotten mit Stacks von Ballard ausgestattet, und selbst Daimler, das nun mit Elektrobussen auf den Markt kommt, sieht die Brennstoffzelle als perfekte Ergänzung, vor allem als Range-Extender, an.

Aus kleineren Aufträgen für Busse werden nun allmählich Großaufträge, denn Testreihen konnten allesamt sehr positiv abgeschlossen werden, wie es kürzlich in El Paso der Fall war (30.000 Betriebsstunden, 5 Tage die Woche, 16 Stunden am Tag). Mehr geht kaum. Kalifornien zahlt derweil einen Zuschuss in Höhe von 300.000 US-$ pro Bus. Aber auch ohne Zuschüsse werden BZ-Busse immer kostengünstiger und profitieren nicht nur von technologischer Optimierung, sondern auch davon, dass grüner Wasserstoff dank verbesserter Elektrolyseurtechnik immer effizienter produziert werden kann. Kostete ein BZ-Bus vor drei Jahren noch zwischen 850.000 und 1 Mio. US-$, sind es aktuell circa 650.000 US-$, es soll aber zügig in Richtung 450.000 US-$ gehen.

Die noch sehr eingeschränkt verfügbare Wasserstoffinfrastruktur wird allmählich ausgebaut und könnte – bei größerer Stückzahl an BZ-Fahrzeugen – gar einen deutlichen Anstieg erleben und das bekannte, immer wieder von BZ-Gegnern (Batterie-Fans) vorgebrachte Henne-Ei-Problem damit beenden. Alles nur eine Frage der Zeit.

Das ursprünglich als Forschungspartnerschaft initiierte kanadische Unternehmen AFCC hat sich überlebt. Ballard hatte seinen Anteil bereits vor Jahren an Ford verkauft, war aber weiterhin strategischer Partner in diesem Firmenzusammenschluss, der quasi als Untermieter (ca. 1.000 m2) am Platz der Ballard-Firmenzentrale in Vancouver ansässig war. Die Partner Daimler und Ford gehen nun in der Brennstoffzellenentwicklung getrennte Wege. Ballard konnte von dieser Aufkündigung erheblich profitieren, da man mit einem Investment von 6 Mio. Can-$ sehr günstig (20 bis 30 Cent auf den US-$) wichtige Testgeräte und zudem Anlagen für die Produktion der so wichtigen MEA erworben hat. Bei Ballard kann nun die Produktion der MEA verdoppelt werden. Diese räumliche Trennung ist deswegen von Vorteil, weil Daimler ein führender Busproduzent ist, der in Konkurrenz zu Ballard steht, das mit seinem chinesischen Partner Broad Ocean in großem Stil BZ-Stacks für Busse und Lkw (Dongfeng) kostengünstig in China produziert. Daimler ist hier meines Erachtens noch nicht so weit und geht erst einmal den Weg über batteriegetriebene Busse und auch Lkw (gefühlt der falsche Weg).

Die Frist, innerhalb derer der Ballard-Großaktionär Broad Ocean seine 9,9-%-Beteiligung verkaufen kann, ist wohl bald abgelaufen. Broad Ocean kann aber auch auf 20 % erhöhen. Ich halte Letzteres für wesentlich wahrscheinlicher, weil dort strategisch gedacht wird und nicht die Kursgewinne im Vordergrund stehen (Broad Ocean hat sein Investment rechnerisch fast verdoppelt). Angesichts der technologischen Entwicklung müsste es aber andernfalls auch genug große Adressen geben, die sich den Anteil von Broad Ocean sichern würden – in case. Was sind schon 50 Mio. US-$.

Zu den Zahlen für das zweite Quartal:

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Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, August 2018

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