Sektorenkopplung im Neubaugebiet Oldenburg

Fliegerhorst
Reallabor Fliegerhorst, © Energy-efficient Smart Cities

Die Neugestaltung des Fliegerhorsts der Stadt Oldenburg bietet die einmalige Gelegenheit, ein Smart-City-Konzept für vergleichbare Kommunen beziehungsweise Städte in Deutschland sowie in Europa zu entwickeln. Dafür soll ein Teilbereich des Fliegerhorsts – ein 3,9 Hektar großes, vormals militärisch genutztes Areal – explizit als „lebendes“ Labor
für die Erprobung neuer Energie- und Mobilitätstechnologien ausgewiesen und mit zukunftsfähiger Infrastruktur versehen werden. Im Rahmen eines ersten Forschungsprojektes entsteht bereits ein weitestgehend klimaneutrales Wohnquartier, ein „Energetisches Nachbarschaftsquartier“, in dem Wasserstoff eine wesentliche Rolle zur Realisierung der Sektorenkopplung spielt.
Das ENaQ-Projekt (Energetisches Nachbarschaftsquartier Fliegerhorst Oldenburg) stellt das erste Forschungsvorhaben aus dem Bereich Quartiersentwicklung, Energie und Sektorkopplung dar, in dem die Anwohner ihren Energiebedarf überwiegend aus lokal erzeugter Energie decken werden. Hierbei geht es um die Einrichtung von etwa 110 Wohneinheiten und die Integration der Energieformen Strom, Gas und Wärme/Kälte in ein lokales multimodales Energiesystem. Neben Neubauten werden ehemalige Offizierskasernen saniert und ins Konzept integriert, um eine Übertragbarkeit auf Bestandsquartiere zu gewährleisten. Das daraus entstehende Quartierskonzept stellt einen Verbund aus Erzeugern und Verbrauchern dar, die sich in räumlicher Nähe zueinander befinden und ihre überschüssige Energie in andere Energieformen umwandeln und speichern oder direkt bereitstellen, so dass benachbarte Verbraucher diese nutzen können.
Dieses Konzept verfolgt unter dem Stichwort „Energetische Nachbarschaften“ den Gedanken, die Energieeffizienz zu steigern, indem „Abfallenergie“ vermieden und eine Maximierung des lokalen Verbrauchs von „nachbarschaftlich“ erzeugter Energie angestrebt wird. Neben der Sektorenkopplung soll eine offene, sichere und datenschutzkonforme digitale Plattform entwickelt werden, die es den Bürgern erlaubt, den lokalen Energietausch zu automatisieren.
Neben diesen beiden technischen Voraussetzungen sollen auch soziale und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge der Akteure erforscht werden. Denn letztendlich werden Bürgerakzeptanz und bürgernahe Kooperations- und Geschäftsmodelle für den langfristigen Erfolg klimaneutraler Energieversorgung aus Eigenerzeugungsanlagen auf Quartiers- und Stadtteilebene ausschlaggebend sein. Zudem sollen Services und Mehrwerte für die Bewohner und Anlagenbetreiber im Quartier entwickelt und evaluiert werden.
H2 als ein zentraler Energieträger
Ein wesentlicher Baustein des gesamten Konstrukts ist Wasserstoff. Und zwar wird ein spezielles Energiesystem auf Basis von Wasserstoff entwickelt, das sowohl Power-to-Gas (Umwandlung von Strom in Wasserstoff per Elektrolyse) als auch Back-to-Power (Umwandlung von gespeichertem Wasserstoff in Strom per Brennstoffzelle) ermöglicht.
Eine zentrale Funktion nimmt dabei der Hochdruck-Wasserstoffspeicher ein, denn nur ein flexibel nutzbarer Speicher kann im Rahmen des Energetischen Nachbarschaftsquartiers die erforderliche Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten entfalten.

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www.enaq-fliegerhorst.de
Autoren: Dr. Sven Rosinger, Energy-efficient Smart Cities, OFFIS e.V., Oldenburg – Siegfried Suchanek, Anleg GmbH, Wesel

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