Wo liegt die Zukunft für die H2- und BZ-Branche?

Stahlwerk
Stahlwerk, © AdobeStock

In Diskussionen über den aktuellen Stand der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie kamen die Diskussionspartner bislang meistens als Erstes auf den Mobilitätssektor und auf die Fortschritte beziehungsweise Versäumnisse der Automobilindustrie zu sprechen. Seit mehreren Monaten rücken jedoch zunehmend andere Bereiche in den Fokus.

Nein, nicht die stationären Anwendungen. Die sind – ähnlich wie die Brennstoffzellen-Pkw – immer noch nicht so recht auf dem Markt angekommen, weder die BZ-Heizgeräte noch die BZ-Kraftwerke. Zumal beide vornehmlich Erdgas, also nach wie vor einen fossilen Energieträger, einsetzen.

Deutlich mehr Bewegung ist seit einigen Jahren bei den Elektrolyseuren zu verzeichnen. Seit Wasserstoff branchenübergreifend als geeignetes Medium zur Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien angesehen wird, seit also landauf, landab über Sektorenkopplung und Power-to-Gas diskutiert wird, haben deren Hersteller einen regen Zulauf (s. Bericht zur Hannover Messe, Juli-Heft HZwei).

Am meisten tut sich derzeit aber im Schienen- und Nutzfahrzeugbereich: Bei den Lkw macht insbesondere Nikola von sich reden, dieses Mal mit handfesten Großaufträgen. Zudem wird sich Anfang 2019 entscheiden, ob Schleswig-Holstein tatsächlich eine Vorreiterrolle einnehmen und wasserstoffbetriebene Züge quer durchs Land fahren lassen wird. Zum Jahreswechsel läuft die Ausschreibungsfrist für den Betrieb mehrerer Streckenabschnitte aus. Dann wird sich zeigen, ob Brennstoffzellen gegen Diesel-Hybridsysteme und batteriebetriebene Loks auch wirtschaftlich konkurrieren können. Mehr dazu lesen Sie im Oktober-Heft.

Richtig viel los ist momentan auch in zwei eigentlich ganz konservativen Wirtschaftszweigen: in der Stahlindustrie und bei den Raffinerien. Hier geht es zwar erst einmal nur um den Betrieb von Demonstrationsanlagen, aber parallel zu deren Aufbau laufen seit geraumer Zeit intensive Gespräche zwischen Politik, Wirtschaft und Verbänden. Es werden Studien angefertigt und Werke besichtigt, um Potentiale auszuloten und strikteren Umweltauflagen Genüge zu tun.

Fest steht, dass in diesen Bereichen ungeheuerlich viel Wasserstoff eingesetzt werden könnte. Wenn das dort benötigte H2-Gas gänzlich nachhaltig produziert würde, brächte dies nicht nur wesentlich die Energiewende voran, es wäre auch ein großer Schritt in Richtung einer emissionsarmen Energiewirtschaft.

Zunächst muss aber geklärt werden, was technisch praktikabel und politisch gewollt ist. Es muss ausgeschlossen werden, dass der Einsatz von Wasserstoff nur dem Greenwashing dient, dass also einerseits nur prestigeträchtige Projekte gefördert werden, während andererseits riesige Energiemengen verpulvert werden.

Die Potentiale sind da. Jetzt gilt es, sie auszuschöpfen.

3 Gedanken zu “Wo liegt die Zukunft für die H2- und BZ-Branche?

  1. Es gibt kaum eine Energie, die nicht irgendwie öffentlich subventioniert ist. Das haben Kernenergie, fossile Brennstoffe und sogenannte erneuerbare Energien gemein.

    Gewiss wird Wasserstoff mehrheitlich immer noch mittels fossiler Brennstoffe erzeugt. Wer Kohle hat, benutzt dafür Kohle; wer Erdgas hat, benutzt dafür Erdgas.

    Die Förderung von Erdgas und sein Handel ist derzeit ein kontrovers diskutiertes Thema.

    In den USA ist das Fracking ein Umweltthema. In Deutschland und Europa ist es ein anti-russisches Politikum. Und wer sich für den Syrien-Konflikt interessiert, wird dort auch noch fündig, was Erdgas betrifft. Erdgas birgt daher ein hohes Konfliktpotential.

    Nicht viel anders ist es bei Erdöl. Hat mal jemand eingerechnet, wieviel Kosten es politisch, diplomatisch und auch militärisch verursacht, das Erdöl zu 100 $ pro Barrel kaufen zu können?

    Was die Kohle betrifft, ist der Konflikt nicht mehr nur innenpolitisch. Was in Polen noch erlaubt ist, ist in Deutschland mittlerweile tabu. Ob man an die durch menschliche Hand und menschliches Handeln verursachte globale Erwärmung glaubt oder nicht – die politischen Erwartungen (Stichwort Paris Agreement) an die traditionell führenden Technologienationen sind sehr hoch und für den vernünftigen Menschen nicht immer nachvollziehbar.

    In einem Geschäftsfeld mit Kostendruck und Profitmaximierung bereitet es mir persönlich Unbehagen, wenn auch die Atomtechnik von Sparmassnahmen berührt ist; nicht zuletzt vielleicht die Sicherheit der Menschen vor “Atomstrahlen”.

    Vor diesem Hintergrund machen sich Energie aus Sonne, Wasserkraft und Wind dann gar nicht mehr so schlecht.

    Wenn sich eine Wasserstoffwirtschaft auf verschiedenen Industriezweigen durchsetzt, dann wird auch die Wasserstoffmobilität in Form von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellen eine gute Zukunft haben.

    Denn viele Unkenrufer fürchten nur um ihre Aktien in den traditionellen Wirtschaften.

  2. Wasserstoff wird üblicherweise aus Erdgas hergestellt. Wenn man ihn durch Elektrolyse aus Ökostrom herstellt, lohnt sich das nur, wenn man den Strom kostenlos bekommt (Überschuss). Den bekommt man aber natürlich nur stundenweise – nicht dauernd. Dafür lohnt sich nicht die Anschaffung einer P2G-Anlage. Bei mangelnder Auslastung ist die zu teuer. Wenn man sie voll auslasten will, muss man den Strom kaufen. Dann wird der Wasserstoff auch zu teuer. Solange „grüner“ Wasserstoff teurer ist, wird er kaum gekauft. Nur durch Spaltung von Wasser mit einem Hochtemperaturreaktor kann man Wasserstoff so billig wie Wasserstoff aus erdgas herstellen (etwa 4 Ct/KWh).

  3. Primär ist sicherlich dafür zu sorgen das Wasserstoff zu erzeugen, speichern und den erzeugten Strom zu verbrauchen steuerlich nicht belastet wird.
    Das würde einen größeren Anreiz geben den Wasserstoff zu erzeugen und das Produkt zu benutzen (Seiten der Industrie wie auch sonstige Verbraucher).
    Es ist es allein nicht dienlich seitens der Regierung hier und da bescheidene Zuschüsse zu verteilen.

    , dass die Regierung hier und da Gelder verteilt. Grundsätzlich ist durch steuerliche Maßnahmen die Erzeugung und der Verkauf sowie die Umsetzung in Elektrizität Verkauf

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