Wasserstoff als Option im Schwerlastverkehr

WaterstofNet
Fotomontage eines Trucks mit Logos, © Shutterstock, WaterstofNet

Hydrogen Solutions for Heavy-duty transport Aimed at Reduction of Emissions in North-West Europe. Auf Deutsch: Wasserstofflösungen für Schwerlasttransporte zur Absenkung der Emissionen in Nordwesteuropa. Kurz: H2-Share. Unter diesem Namen läuft seit Sommer 2017 ein europäisches Förderprojekt, das zum Ziel hat, die Entwicklung eines Marktes für kohlenstoffarme Nutzfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb für logistische Anwendungen zu erleichtern. Im Rahmen dieses von WaterstofNet koordinierten Projekts sollen praktische Erfahrungen in verschiedenen Regionen innerhalb der Europäischen Union gesammelt werden. Und es soll ein transnationales Labor entstehen, das die Grundlage bildet für die Entwicklung einer emissionsfreien Schwerlastfahrzeugindustrie. Unter anderem wird dafür ein mit Wasserstoff betriebener 27-Tonnen-Lastwagen von VDL zum Einsatz kommen, der mit einer mobilen H2-Betankungsstation von Wystrach betankt werden soll.

Im Zuge von H2-Share soll in Nordwesteuropa gemeinsam mit den beteiligten Partnern (s. Kasten) eine Roadmap für emissionsfreie Schwerlast-Lkw entwickelt werden. Als Grundlage dafür dienen bereits laufende Demonstrationsvorhaben sowie die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit entsprechenden Branchenverbänden. Das EU-Projekt zielt darauf ab, den Wissensaustausch zwischen den beteiligten Regionen zu verbessern sowie die Technologie- und Marktentwicklung weiter zu stimulieren.

Konkret geht es darum, Wasserstofftechnologien in Hochleistungsanwendungen unter realen Bedingungen zu demonstrieren. So soll unter anderem ein 27-Tonnen-Schwerlasttransporter konzipiert werden, der Technologieentwicklungsgrad 7 (Technology Readiness Level, TRL: „Prototyp im Einsatz“) anstelle von bisher TRL 5 („Versuchsaufbau in Einsatzumgebung“) entspricht. Das Ziel ist, innerhalb von zwei Jahren eine Verringerung des CO2-Ausstoßes um 75 Tonnen zu erreichen. Darüber hinaus ist langfristig geplant, die Kapazitäten zur Produktion von 500 bis 1.500 schweren Lkw bis 2025 (entspricht einem Marktanteil von 0,7 %) beziehungsweise von etwa 5.000 Lkw bis 2030 aufzubauen.

WaterstofNet ist eine gemeinnützige Organisation, die in Flandern und den Niederlanden tätig ist und nachhaltige Wasserstoffprojekte entwickelt.

Die Erfahrungen der Logistikbranche belegen ein stark wachsendes Interesse an emissionsfreien Fahrzeugen, um negative Auswirkungen auf die Umwelt infolge des Schadstoffausstoßes zu reduzieren. Dies gilt insbesondere innerhalb der EU, wo Lastwagen für 25 Prozent der gesamten CO2-Emissionen im Verkehrssektor verantwortlich sind. Während Elektrofahrzeuge in städtischen Gebieten durchaus effizient und umweltschonend eingesetzt werden können, kommt der Wasserstofftechnologie eine Schlüsselrolle bei der emissionsfreien Logistik über größere Entfernungen und bei höheren Nutzlasten zu. Hier verfügen Schwerlastfahrzeuge mit einem Brennstoffzellen-Range-Extender über ein enormes Potenzial, auch wenn sie in der EU bislang noch nicht kommerziell verfügbar sind. Diese Einsicht wird durch die Beteiligung mehrerer namhafter Unternehmen aus der Logistikbranche an diesem Projekt bestätigt.

 

www.waterstofnet.eu

www.nweurope.eu/h2share

Autor: Wouter van der Laak, WaterstofNet, übersetzt von Sven Geitmann

1 Gedanke zu “Wasserstoff als Option im Schwerlastverkehr

  1. Der Wasserstofftechnologie kommt eine Schlüsselrolle bei der emissionsfreien Logistik zu?!? Nur wenn man die Nachteile des mobilen H2 bei Herstellung, Verteilung und Lagerung mit reichlich Fördermitteln ausblenden kann.

    Wasserstoff muss als sekundärer Energieträger nicht nur aufwendig hergestellt werden, sondern hat auch noch einen schlechten Energiegehalt /Volumeneinheit. Deshalb verweist man so gern auf das Gewicht und blendet den Aufwand für Verflüssigung (-252°C) zum Transport (Dichte trotzdem nur etwa wie von Styropur!) gern aus. Die Sattelschlepper mit Flüssig-H2 haben kein Gewichts-, sondern ein Platzproblem, denn der Energiegehalt pro Tank-LKW liegt bei etwa 1/3 von Kraftstoff.

    Höchstkompression auf 700bar (Autoreifen 2-3bar) war vor kurzem nur im Labor möglich. Die dauerhafte Einsetzbarkeit der Tankanlagen wird schon heute in Frage gestellt, denn durch den Verschleiß verlängert sich die Betankung schon mal auf 20-30min …
    (manager-magazin: „Der weite Weg zum Wasserstoff“)

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