Bürgermeister suchen Brennstoffzellen-Busse

Pau
Pau Bus-Station, © ITM Power

Der Dieselgipfel hat es in aller Deutlichkeit gezeigt: Es gibt derzeit kein ausreichendes Angebot an schadstofffreien oder zumindest emissionsarmen Fahrzeugen. Die 28 Bürgermeister deutscher Kommunen, die sich am 28. November 2017 in Berlin mit der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel trafen, stehen vor dem Dilemma, dass sie gerne Elektrobusse anschaffen und E-Taxen fördern würden, es diese aber momentan auf dem Markt nicht gibt – zumindest nicht in Deutschland.

Es schien so, als wenn diese Entwicklung mit drohenden Fahrverboten für einige völlig überraschend gekommen und niemand darauf vorbereitet gewesen ist, dabei ist schon seit Langem klar, dass einerseits die Luft in europäischen Großstädten immer schlechter wird und andererseits kaum bezahlbare, schadstoffarme Fahrzeuge angeboten werden (HZwei-Heft Jan. u. Jul. 2017). Entsprechend laut war die Kritik, dass erstens die Dieselgipfel nichts brächten und es zweitens viel zu spät zum Handeln sei.

Als Soforthilfe hat die Bundesregierung zugesagt, 1 Mrd. Euro bereitzustellen. Bei der Ausschüttung soll es möglich sein, Bundes- und Landesförderprogramme zu kombinieren. Der regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, kündigte daraufhin an, in der Hauptstadt die Umrüstprämie für diejenigen Taxi-Unternehmer, die von Diesel- auf Hybrid- oder Elektrofahrzeuge umsteigen, auf bis zu 8.000 Euro zu verdoppeln. Er übte aber auch deutliche Kritik an den deutschen Herstellern, die kein einziges Elektrotaxi im Programm hätten. Ähnlich ist es bei den Bussen. Müller kündigte trotzdem an, dass sich Berlin der Initiative von Hamburg anschließen wird und ab 2020 Elektrobusse anschaffen will – notfalls ausländische Fabrikate.

Eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) monierte gegenüber bizz energy: „Man findet in Europa am Markt keine Busse. Wir würden in großen Mengen kaufen und hoffen, dass es bei der Industrie in den Köpfen ankommt, dass man hier Geld verdienen kann. Irgendwann werden wir weit über 1.000 Elektrobusse brauchen.“

Hersteller können nichts anbieten

Dabei gab es vor einigen Jahren durchaus lobenswerte Ambitionen deutscher Hersteller – nicht nur bei Elektrobussen, sondern insbesondere auch bei Brennstoffzellenfahrzeugen. Insgesamt 36 Citaro-BZ-Busse von Daimler waren im Rahmen des CUTE– und HyFLEET:CUTE-Demonstrationsvorhabens bei zwölf Verkehrsbetrieben auf drei Kontinenten unterwegs. Die Citaro-FuelCELL-Hybridmodelle basierten auf dem NEBUS, der Anfang dieses Jahrhunderts parallel zu den Brennstoffzellen-Pkw-Modellen (NeCar) mit viel Fördergeld von dem schwäbischen Automobilhersteller entwickelt worden war. Auch MAN war jahrelang mit H2-Bussen unterwegs, zog sich dann aber komplett aus der Weiterentwicklung zurück.

Daimler geht selbst davon aus, dass „70 % der verkauften Stadtbusse in Westeuropa 2030 einen emissionsfreien Antrieb haben werden“. Die Stuttgarter werben auch damit, dass ihr Tochterunternehmen „Daimler Buses bereits seit über 40 Jahren die Entwicklung alternativer Antriebe vorantreibt“. Im Herbst 2016 stellte Daniel Bäuerle von der Abteilung Produktplanung jedoch fest: „Derzeit erfüllt noch kein Batterie- oder Brennstoffzellenbus unseren Anspruch an ein Serienprodukt.“ Und daran scheint sich auch ein Jahr später noch nichts geändert zu haben.

Daimler-Buses-Leiter Hartmut Schick erklärte anlässlich der Busworld 2017 gegenüber eurotransport.de: „Es gibt noch Einsatzbereiche, bei denen ein Bus den ganzen Tag über 350 Kilometer ohne Lademöglichkeit unterwegs ist, und für diesen Bereich denken wir über die Brennstoffzelle im Sinne eines Reichweitenverlängerers nach. Der Fokus hat sich also verschoben – weg von der Brennstoffzelle als dem einzigen Energielieferanten an Bord, wie wir es bisher umgesetzt haben.“

Dreißig BZ-Busse fürs Rheinland

Es gibt zwar durchaus gute Ansätze, allerdings mit ausländischen Herstellern: Die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) verkündete beispielsweise, dass ab 2019 in und um Köln herum 30 Brennstoffzellenbusse fahren werden. Ende September 2017 erhielt die RVK vom Bundesverkehrsministerium den entsprechenden Förderbescheid über 13 Mio. Euro für die Beschaffung der BZ-Hybridbusse sowie für die Einrichtung von zwei Wasserstofftankstellen in Meckenheim und Wermelskirchen Ende 2018. Eine zusätzliche H2-Tankstelle am Flughafen Köln/Bonn wurde bereits jüngst in Betrieb genommen (s. HZwei-Heft, Januar 2018, S. 38), und der Standort in Hürth soll auch noch erweitert werden. Für zehn zusätzliche Fahrzeuge, die spätestens 2020 an den Start gehen sollen, gibt es eine weitere Förderoption. Neben der Förderung aus dem NIP 2 kommen weitere 5,6 Mio. Euro aus dem EU-Projekt JIVE (Joint Initiative for Hydrogen Vehicles across Europe), dem größten BZ-Busprojekt Europas, bei dem in fünf Ländern insgesamt 144 wasserstoffbetriebene Busse eingesetzt werden sollen.

Die jährlichen Betriebskosten für 15 Busse würde prinzipiell der Rheinisch-Bergische Kreis übernehmen, allerdings muss dafür noch der Kreisausschuss zustimmen. Zehn Busse sollen im linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises und fünf im Stadtverkehr in Hürth und Brühl (Rhein-Erft-Kreis) eingesetzt werden.

Acht Busse in Frankreich

link-to-hzwei-web

8 Gedanken zu “Bürgermeister suchen Brennstoffzellen-Busse

  1. Interessant finde ich, dass die Überschrift eine Nachfrage an „Brennstoffzellen-Bussen“ thematisiert – im Artikel aber lediglich „Elektrobusse … und E-Taxen“ benannt werden. Dass es mit massiver Förderung einige H2-BSZ-Busse und Tankstellen geben wird ist nachzuvollziehen. Wie sich der Betrieb nach Auslaufen der Förderungen gestalter – darauf bin ich sehr gespannt.
    Bisher gibt es keine Anzeichen, dass mobiler (!) Wasserstoff auch nur ansatzweise konkurrenzfähig zum BEV werden könnte. Weder in der Anschaffung, noch beim Unterhalt oder den Umwelteigenschaften. Denn mehr als 95% des H2 stammen über Dampfreformation aus Erdgas – das kann ich auch direkt verbrennen …

    • Sehr geehrter Herr Schmidt,
      diese Online-Version dieses Artikels ist ja gekürzt. Den kompletten Bericht finden Sie in der Print-Version – inklusive mehr Details über Brennstoffzellen-Busse.
      Gruß, Geitmann

      • Hallo Hr. Geitmann,
        vielen Dank für Ihre Antwort. Mir sind ausreichend Details zu H2-BSZ-Bussen bekannt, als dass ich ihnen ohne Subventionierung /Förderung mit Steuergeldern noch eine Chance gegenüber dem reinen batterieelektrischen Antrieb einräumen könnte.

        Da auch Sie wohl weder die realen technischen Fakten (Erdgas-Wasserstoff über Dampfreformation als preiswertestes Verfahren mit 95% Anwendung) als auch die wirtschaftlichen Fakten (9,50€/kg H2, noch völlig ohne Energiesteuer – früher Mineralölsteuer) negieren sollten, kann ich Ihren Optimismus schwer nachvollziehen.
        Mir erschließen sich die Chancen von „mobilem“ (!!!) Wasserstoff immer weniger.

        Stationäre Anwendungen die es ermöglichen, neben der Wärme auch das Wasser zu nutzen /zu recyceln – das wäre wohl eher eine tragfähige Option.

        • Hallo Herr Schmidt,
          zum Glück geht es nicht um meine persönlichen Ansichten – ich versuche lediglich über diese Technologie zu informieren. Grundsätzlich gebe ich Ihnen aber Recht, dass sich der Fokus von den mobilen mehr zu den stationären Anwendungen verschiebt, ganz einfach deswegen, weil es im Mobilitätssektor einfach viel zu langsam vorangeht – aus welchen Gründen auch immer.
          Gruß, Geitmann

          • Auf dem E-Mobilitätssektor geht es derzeit eigentlich eher immer schneller voran. Mehr als Verdoppelung der Absatzzahlen bei BEV und PHEV gegenüber dem Vorjahr weltweit, endlich mehr als 1% bei den Neuzulassungen in Deutschland – Tendenz steigend.
            Viele angekündigte und etliche verfügbare neue Modelle wie der Nissan Leaf2 oder Hyundai Ioniq electric und viele technische Verbesserungen wie größere Traktionsbatterien und bessere Bordlader selbst beim BMW i3 und dem eGolf. Wartezeiten von mehr als 10 Monaten auf die tatsächlich bestellbaren Neuwagen unterstreichen den Trend.

            Die Gründe für die Stagnation des H2-BSZ-Autos können Sie nachvollziehen, wenn Sie (wie ich) sowohl den Toyota Mirai als auch den Tesla ModelS Probe gefahren sind. Ein viersitzer PKW mit eingeschränktem Platz und Ladevolumen, vollgestopft mit komplizierter Technik und 9,50€/100km zu einem hohen Preis gegenüber einem PKW mit 5+2 Sitzen, zwei Kofferräumen und „FlatRate“ beim Nachladen mit 130kW an den europaweit verfügbaren Tesla-SuperChargern.
            Wobei ja wohl ca. 90% der Ladevorgänge beim E-Auto eher daheim und langsam (bspw. über Nacht und während der Arbeitszeit) erfolgen und damit keinerlei Weg und Zeit kosten. Die Produktion des kleineren Tesla Model3 läuft ja gerade an und der Wagen wird wohl 2019 in Stückzahlen auch in D eintreffen.

            Es ist eben genau die notwendige Technologie im H2-BSZ-Kfz, die eben nicht nur aus der Brennstoffzelle mit ihrem Speicher, sondern (zusätzlich) aus dem kompletten Elektroauto inkl. Traktionsbatterie besteht, die das Konzept unsinnig macht.
            Wenn dann ehrlich (abweichend von Prospekten und Jubelberichten) informiert wird, dass das Betanken mit der 700bar-Technologie auch 15-20min dauern kann, da die Höchstdruckpumpen nun einmal verschleißen – dann ist auch das letzte Argument der „schnellen Betankung“ hinfällig.

            Dann lassen halt immer mehr Hersteller die H2-BSZ-Komponenten einfach weg und bauen statt dessen mehr Traktionsbatterie ein. Im Vergleich zu den klobigen Hochdrucktanks sind Traktionsbatterien auch noch deutlich einfacher in die Fahrzeugstruktur zu integrieren.
            Bösartige Zeitgenossen behaupten gar, das H2-BSZ-Auto benötige deswegen mehr als 500km Reichweite, um eine der wenigen Tankstellen zu erreichen …
            😉

  2. Doch, es wird was. Nur wir müssen alle und jeden davon erzählen. Reden, reden und nochmal reden. Zudem einfach keine Verbrenner im PKW Bereich kaufen und aussitzen. Ich für meiner habe beschlossen mir keinen Verbrenner mehr zu kaufen.
    Der ist jetzt 4 Jahre alt (Hybrid) und der hält bis wir Fuel Cell haben werden. Hätte ich ein Auto das viel älter wäre, so würde ich mir eine alte Schleuder kaufen und nach TÜV wieder einen alten Wagen kaufen. Wenn wir das alle machen würden, dann ginge unsere KFZ-Produktion ganz schnell in eine andere Richtung. Nur wann und wo wird in den Medien darüber gesprochen? Sehr selten und dann nur in Programmen die eh die breite Massen nicht sieht. Wie lange hat es denn gedauert bis das DAB Radio bekannt wurde obwohl es schon viele Jahre verfügbar war. Wir 68er hatten mal den Spruch drauf: Stell dir mal vor es ist Krieg und keiner geht hin……Argo: Stell dir mal vor es gibt eine Energie die endlos zur Verfügung steht und unsere Umwelt sauber hält. Und keiner weis es……weil es nicht gewollt ist. Ich bin auf die Hannover-Messe gespannt was dort zu Tage gefördert wird.

  3. Man sollte meinen, Deutschland verschläft die Entwicklungen im Null-Emissionen-Bereich dramatisch. Seit Jahren gibt es serienreife Busse von New Flyer, American Fuel Cell Bus, ElDorado, Von Hool, etc die hunderttausende Kilometer unter der Haube haben und vollwertigen Ersatz für Dieselbusse bieten, mit gleicher Reichweite und Leistung. Deutschland sollte Vertreter aus Kanada oder Kalifornien einladen, damit die Bürgermeister von deren Erfahrungen mit Bussen mit Brennstoffzellen lernen können und gleichzeitig die Anschaffung dieser Busse finanziell fördern.

  4. Das Deutschland die Energiewende nicht schafft, ist seit Jahren absehbar.
    Es mangelt einfach an einer genuegend grossen „kritischen Masse…“
    an guten Leuten. SO wird das nichts.

Schreibe einen Kommentar