Über Disruption, Bitcoins und Blockchain

EnergiebloggerDisruptionen in der Energiewirtschaft: Welche sind das und welche Auswirkungen haben sie? Um derlei Themen ging es auf dem 6. Barcamp Renewables, das vom 26. bis 27. Oktober 2017 in Kassel stattgefunden hat. Mehr als 120 Teilnehmer diskutierten über entsprechende Beispiele aus der Erneuerbare-Energien-Branche und wichtige Fragen rund um die Energieversorgung der Zukunft.

Das diesjährige Barcamp startete mit einer Podiumsdiskussion im Gleis1 in Kassel. Zahlreiche engagierte Vertreter aus der Energiewirtschaft debattierten dort über die nächsten Disruptionen in der Energiewirtschaft. Martin Rühl von den Stadtwerken Union Nordhessen erklärte: „Die Erneuerbaren haben das Rennen um die Zukunft schon gemacht.“ Auch Daniel Bannasch von Metropol Solar war sich sicher, dass die Erneuerbaren nicht mehr aufzuhalten seien: „Mit 1 m² Photovoltaik kann man mit einem E-Auto pro Jahr 1.000 km weit fahren.“ Dieses Potenzial hätten die Googles und Apples dieser Welt längst erfasst und würden das Ziel 100 Prozent Erneuerbare mit neuen Geschäftsfeldern vorantreiben, so der Energieblogger. Ganz im Gegensatz zur Politik, die insbesondere in Deutschland eher verhindert als befördert. Ein Punkt, der im Publikum viel Beifall fand.

Darüber hinaus wurde diskutiert, wie eine dezentrale, demokratische Energiewende von unten gelingen könnte. Hierzu verwies Julian Kretz von Next Kraftwerke darauf, dass eine große Verantwortung auf den regionalen Stadtwerken und den Bürgerenergie-Genossenschaften liege. Gerade diese Player sollten sich der gestiegenen Komplexität bewusst sein und verstärkt mit Programmierern und Start-ups an digitalen Lösungen arbeiten, um nicht abgehängt zu werden.

Disruption: Eine disruptive Technologie (engl. disrupt – unterbrechen, zerreißen) ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung vollständig verdrängt. Wikipedia

Blockchain: Eine Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, welche mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind. Jeder Block enthält typischerweise einen sicheren Hash des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel sowie Transaktionsdaten. Der Begriff Blockchain wird synonym für ein Konzept genutzt, mit dem ein Buchführungssystem dezentral geführt werden kann und dennoch ein Konsens über den richtigen Zustand der Buchführung erzielt wird, auch wenn viele Teilnehmer an der Buchführung beteiligt sind. Das Verfahren ist die technische Basis für Kryptowährungen wie Bitcoins. Wikipedia

Bitcoin (sinngemäß: digitale Münze): Eine digitale Währung, die gleichzeitig auch der Name des weltweit verwendbaren dezentralen Buchungssystems sowie die vereinfachende Bezeichnung einer kryptographisch legitimierten Zuordnung von Arbeits- oder Rechenaufwand ist. Wikipedia

Von Blockchain bis Solarcoins

In den Sessions am zweiten Tag brachte unter anderem Bitcoin-Beraterin Britta Aufermann Licht ins Dunkel rund ums Thema Blockchain. Die Quintessenz dieser Session war: In Deutschland wird der weltweite Trend zum Handeln mit Bitcoins verschlafen. Für die (digitale) Energiewirtschaft sei es aber eine riesige Chance, wenn sie sich dieses Themas annehmen und es für sich nutzen würde, zum Beispiel durch die Einführung von Solarcoins. Insbesondere durch die Koppelung der Blockchain-Technologie mit Photovoltaik könnten die aufzuwendenden Energieressourcen deutlich reduziert werden.

Zudem ging es um die Auswirkungen des neuen deutschen Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende. Marek Seeger, Information Security Manager bei SMA, sagte: „Hinsichtlich der Sicherheit ist das Digitalisierungsgesetz, was den aktuellen Stand der Technik angeht, prinzipiell angemessen, aber durch den erzwungenen Einsatz von Smart-Meter-Gateways werden zukünftige Technologien be- oder sogar verhindert.“ Kritik trifft vor allem die nicht genügend eindeutige Regelung zur Nutzung der Smart-Meter-Gateways. Die konkreten Auswirkungen seien im Hinblick auf Technologien wie Blockchain oder künstliche Intelligenz (KI) heutzutage kaum abzuschätzen.

Johanna Gampe, Lehrbeauftragte an der Uni Kassel, stellte in ihrer Session zur Diskussion, welche digitalen Hypes die Erneuerbaren für sich nutzen können. Klarer Tenor: Lasst uns weniger über das „Was“ diskutieren, als vielmehr über das „Wie“. Wie schaffen es beispielsweise Bürgerenergie-Genossenschaften eine breite Öffentlichkeit über alle Altersschichten hinweg zu erreichen und so die Beteiligung zu steigern? Eine Möglichkeit: Virale Kommunikation über Social Media.

Energieblogger

Die Energieblogger sind ein eingetragener Verein, verstehen sich aber eher als loser Zusammenschluss aktiver Blogger, die im Internet rund um das Thema „Erneuerbare Energien“ informieren. Sie treten unter anderem als Mitveranstalter des Barcamps auf. Der HZwei-Blog vertritt den H2– und BZ-Bereich innerhalb der Energieblogger.

www.energieblogger.net

tony-sebaLiteratur-Tipp:

Tony Seba, Clean Disruption of Energy and Transportation

Jetzt auch auf Deutsch erhältlich: Saubere Revolution 2030

weiterführende Informationen:

Blogparade – Disruptionen in der Energiewirtschaft

Ist Disruption die Lösung des Energiesektors?

 

Autoren des Berichts: Annika Linke, Sven Geitmann

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