Das Feuerwerk blieb blass – IAA rückläufig

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VW will den I.D. 2020 bringen

Die 67. Internationale Automobil-Ausstellung hat vom 14. bis zum 24. September 2017 in Frankfurt am Main stattgefunden. Anders als vor sechs Jahren wurde jedoch kein Marketing-Feuerwerk mit 0-CO2-Aufklebern und grünen Landschaften abgebrannt, sondern schlichte Produktvorstellung betrieben.

In der traditionell von Mercedes belegten Festhalle empfing die Besucher eine Handvoll Elektrofahrzeuge mitsamt Ladesäulen, allerdings waren dies Hybridmodelle (S 560 e, E 350 e, C 350 e, GLE 500 e 4Matic). Es war kein derzeit kommerziell erhältliches rein batteriebetriebenes Fahrzeug ausgestellt, wohl aber der GLC F-Cell, der als Weltpremiere angepriesen wurde.

Beim Rundgang durch die dreistöckige Halle wurde schnell deutlich, worauf die Schwaben stolz sind: Auf Autos wie den monströsen Maybach-SUV und zahlreiche Luxus-Limousinen. Hinter der Bühne zeigten die Stuttgarter dann aber doch, wie in Baden-Württemberg die Zukunft aussehen könnte: Hier stand der Vision Van, die Studie eines batteriebetriebenen Transporters, der autonom fahren kann und auf dem Fahrzeugdach eine Drohne transportiert, die Pakete ausliefert.

Neue Elektro-Familien

Der Vision Van könnte Teil der neuen EQ-Marke werden, die bei Daimler sinngemäß für Emotionen und Intelligenz steht. Ähnlich wie bei BMW die i-Reihe sollen unter diesem Label zukünftige Elektroautos vermarktet werden. Neben dem Van, der frühestens im nächsten Jahrzehnt zu haben sein wird, soll ab dem ersten Halbjahr 2019 ein Elektro-Pkw (EQC) erhältlich sein, voraussichtlich eine Mischung aus dem heutigen EQ-Konzeptfahrzeug und dem GLC. Der Stuttgarter Autobauer zeigte mit dem EQA aber auch ein Konzeptfahrzeug, das veranschaulichen soll, wo die elektrische Reise einst hingehen könnte.

Der GLC F-Cell wurde jetzt – wie seit Jahren angekündigt – offiziell präsentiert (s. Abb. 1). Auf den Markt kommt dieses Vorserienfahrzeug 2018 – allerdings nur als Leasing-Modell. Ihren Fokus im Elektromobilitätssektor richten die Stuttgarter ganz klar zunächst auf Hybrid- und dann auf batteriebetriebene Fahrzeuge. Die Brennstoffzelle sehen sie eventuell später im Bereich der Trucks und Busse. Wer bereits heute rein elektrisch Daimler fahren möchte, muss sich zunächst mit einem Smart begnügen.

GLC F-Cell

VW präsentiert I.D.-Familie

Demgegenüber hatte Volkswagen etwas mehr zu bieten …

 

Noch magerer sah es bei Porsche aus: Dort standen lediglich zwei Hybridmodelle (Panamera Turbo S E-Hybrid und Panamera 4 E-Hybrid Sport Turismo).

Das Herz elektrifizieren

BMW zeigte in diesem Jahr vergleichsweise viel Elektrisches: …

Am Stand von Hyundai war überraschenderweise kein Brennstoffzellenauto zu finden. …

Im Gegensatz dazu hatte Honda den Clarity vor Ort und feierte …

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Opel den Ampera zeigte, Ford aber nichts zum Thema Elektromobilität beisteuerte.

CES statt IAA

Insgesamt konnte die IAA wieder nicht das einhalten, was vorher versprochen worden war. Seitens des Verbands der Automobilindustrie (VDA) war zuvor vollmundig angekündigt worden, es würde ein „Feuerwerk der Elektromobilität“ abgebrannt. Vor Ort war davon aber– zumindest an den Besuchertagen – nichts zu sehen. An den ersten Messetagen gab es zwar die New Mobility World, auf der insbesondere die Elektromobilität thematisiert wurde. Ein Knaller war aber auch die nicht: nach rund 180 Ausstellern 2015 zeigten 2017 nur noch etwa 120 Institutionen ihre Entwicklungsfortschritte. Zu ihrer Ehrenrettung erklärte der Veranstalter allerdings: „Insgesamt haben sich mehr als 250 an der NMW engagiert (Aussteller, Partner & Sponsoren, Medienpartner, usw.).“ Aber auch dies änderte nichts daran, dass das Interesse an der IAA insgesamt rückläufig ist: Während 2013 noch 1.098 Aussteller aus 35 Ländern kamen und 159 Weltpremieren den 900.000 Besuchern präsentierten, waren es 2017 rund 1.000 Aussteller und etwa 810.000 Besucher – jeweils ein Minus von rund zehn Prozent.

Es bleibt somit der Eindruck zurück, dass insbesondere bei den deutschen Automobilherstellern ein Trend in Richtung Elektrifizierung verschlafen wurde und dass sich Deutschland als Standort neu definieren muss.

Der NABU belegte anhand einer von Transport & Environment (T&E) angefertigten Studie, dass die Automobilindustrie an E-Autos lediglich ein geringes Interesse habe. Der Umweltverband kritisierte im Rahmen der IAA insbesondere die immer noch viel zu magere Modellauswahl. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller sagte: „Die Automobilindustrie ist weit von ihrer groß angekündigten ‚Elektro-Offensive’ entfernt. Derzeit stehen in Europa gerade einmal 20 Pkw-Modelle mit Elektromotor zum Verkauf, im Vergleich zu rund 420 Modellen mit Verbrennungsmotor.“

1 Gedanke zu “Das Feuerwerk blieb blass – IAA rückläufig

  1. Da passt es doch gut ins Bild, dass sich zwar die Zulassungszahlen von Elektro- und PlugIn-PKW weltweit jeweils verdoppelt haben, sich unter der zwanzig größten Produzenten dieser Fahrzeuge allerdings ZEHN chin. Autofirmen finden und VW als „wektgrößter Autobauer“ auf Platz 16 rangiert …

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