PtG befindet sich in der Einführungsphase

Haverkamp
Kristina Haverkamp

Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) ist ein eigenständiges Unternehmen, an dem die Bundesregierung mit 50 Prozent als Gesellschafter beteiligt ist. Sie versteht sich selbst als „Kompetenzzentrum für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und intelligente Energiesysteme“, aber unter der Ägide ihres ersten Geschäftsführers Stephan Kohler stand sie vornehmlich für eine zentral ausgerichtete Energieversorgung. Im Jahr 2011 starteten erste Versuche, sich auch stärker für innovative, dezentrale Technologien zu öffnen, indem die Strategieplattform Power-to-Gas zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft ins Leben gerufen wurde. Seitdem veranstaltet die dena auch jährlich eine Konferenz zu diesem Thema. Über Power-to-Gas und die inhaltliche Ausrichtung der dena sprach HZwei mit der Geschäftsführerin Kristina Haverkamp.

HZwei: Sehr geehrte Frau Haverkamp, Sie bilden seit zwei Jahren gemeinsam mit Andreas Kuhlmann eine Doppelspitze bei der dena. Sie sind Geschäftsführerin, er ist Vorsitzender der Geschäftsführung. Wie ist Ihre Aufgabenteilung?

Haverkamp: Herr Kuhlmann und ich arbeiten in der Geschäftsführung eng zusammen, aber natürlich gibt es unterschiedliche Schwerpunkte. Als Vorsitzender der Geschäftsführung konzentriert sich Herr Kuhlmann mehr auf die inhaltliche und strategische Ausrichtung der dena und auf die Kommunikation, ich mehr auf die kaufmännischen und administrativen Aufgaben und auf die Themen Mobilität und internationale Kooperationen. Dabei kann ich auch auf meine früheren Erfahrungen in der europäischen Wirtschafts- und Umweltpolitik aufbauen.

HZwei: Wo sehen Sie Ihre wichtigsten Betätigungsfelder?

Haverkamp: Die Energiewende ist ein unheimlich spannendes Großprojekt, und die dena nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Wir haben das Energiesystem als Ganzes im Blick und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung, indem wir Politik und Wirtschaft zusammenbringen. Wir ermöglichen einen breiten Dialog, national und international, entwickeln Lösungsstrategien und zeigen auch ganz konkret, wie die Energiewende in der Praxis gelingen kann. Die dena auf diesem Weg voranzubringen, gemeinsam mit Herrn Kuhlmann und dem ganzen Mitarbeiterteam, darin sehe ich meine wichtigste Aufgabe.

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HZwei: Im Jahr 2015 hatte die dena-Strategieplattform Power-to-Gas der Politik konkrete Handlungsempfehlungen vorgelegt. Der wichtigste Punkt war damals schon die schnelle Umsetzung der 2014 novellierten EU-Richtlinien in deutsches Recht über das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG). Hier ist bis heute nichts passiert. Warum?

Haverkamp: Das ist so nicht ganz richtig. Nicht nur an der Umsetzung wird bereits seit einiger Zeit gearbeitet; es gibt auch schon erste Ergebnisse, zum Beispiel in der 37. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) vom Mai 2017. Die Verordnung stellt sicher, dass strombasierte erneuerbare Gase auf die Treibhausgas-Minderungsquote angerechnet werden. Das heißt: Unternehmen, die unter die Quotenpflicht fallen, können Wasserstoff oder Synthetic Natural Gas (SNG) aus Power-to-Gas einkaufen und damit ihre CO2-Minderungsverpflichtungen gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz erfüllen.

HZwei: Punkt vier Ihrer insgesamt fünf aufgelisteten potentiellen Stellschrauben war die Verlängerung der Steuerermäßigungen für Erd- und Autogas als Kraftstoffe. Punkt fünf war die Befreiung der Energiespeicher von Letztverbraucherabgaben. Was unterscheidet diese beiden Punkte? Warum wurde Punkt 4 bereits durchgesetzt, Punkt 5 aber nicht?

Haverkamp: Die dena hat sich in den letzten Jahren gemeinsam mit ihren Partnern der Strategieplattform Power-to-Gas, der Initiative Erdgasmobilität und der Biogaspartnerschaft für eine Verlängerung der Steuerermäßigung für Erdgas als Kraftstoff eingesetzt. Hier waren wir erfolgreich, die Steuerermäßigung wird bis zum Jahr 2026 fortgeführt. Diese Regelung betrifft einen wichtigen Absatzmarkt für Power-to-Gas-Produkte.

HZwei: Was können Sie darüber hinaus bislang von Ihrer To-do-Liste abhaken?

Haverkamp: Als die dena die Strategieplattform Power-to-Gas im Jahr 2011 ins Leben gerufen hat, war es unser Ziel, eine langfristig wirksame Plattform für den branchenübergreifenden Erfahrungs- und Interessensaustausch zu ermöglichen, Power-to-Gas sowohl in der Fachöffentlichkeit als auch in der Politik auf die Agenda zu setzen und Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Das ist uns gelungen. PtG ist ein sehr aktuelles Thema. Das Interesse von Politik und Wirtschaft für die Technologie hat kontinuierlich zugenommen. Die Strategieplattform steht Akteuren und Interessierten aus Politik, Unternehmen, Wissenschaft und auch Verbänden, Bildungseinrichtungen oder Bürgerinitiativen seit vielen Jahren als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung, um Überblick und Dialog zu schaffen.

HZwei: Und woran arbeiten Sie derzeit besonders intensiv?

Haverkamp: Derzeit erstellen wir eine Roadmap für Power-to-Gas. Sie zeigt Anwendungsbereiche und notwendige Schritte, um PtG als leistungsfähige Technologie in einem integrierten Energiesystem verfügbar zu machen. Eine Kurzzusammenfassung gibt es bereits auf unserer Webseite (http://bit.ly/2wIzeET). Die vollständige Roadmap werden wir im September veröffentlichen.

HZwei: Während der dena-Jahreskonferenz sprachen Sie sich sehr deutlich für Power-to-Gas aus und drängten auf zügige Maßnahmen. Ehrlich gesagt überraschten mich so offene Worte von Seiten der dena, die ja zumindest zur Hälfte eine Regierungsorganisation ist. Hat hier in den letzten Jahren – eventuell auch durch die neue Geschäftsführung – ein Strategiewechsel stattgefunden?

Haverkamp: Die Frage verwundert mich ein bisschen. Die dena hat sich schon immer für das Thema Power-to-Gas eingesetzt und betont seit langem, dass es ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Energiewende sein kann. In der Strategieplattform Power-to-Gas arbeiten wir zum Beispiel schon seit 2011 mit einer Vielzahl von Partnern aus Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft an der Markteinführung von PtG und der Entwicklung von Geschäftsmodellen. Von einem Strategiewechsel kann also keine Rede sein.

HZwei: In Ordnung, Sie waren jahrelang bei der EU in Brüssel im Bereich der Energie- und Umweltpolitik aktiv und gelten als Expertin für europäische Wirtschaftspolitik. Denken Sie, dass sich Wasserstoff mittelfristig als gleichberechtigter Kraftstoff in ganz Europa etablieren kann?

Haverkamp: Um Wasserstoff in Europa als Kraftstoff zu etablieren, sind gemeinsame Anstrengungen auf EU-Ebene notwendig. Hier gibt es heute bereits zahlreiche Aktivitäten, wie zum Beispiel die Renewable Energy Directive. Sie soll eine verbindliche Unterquote für fortschrittliche Kraftstoffe, unter anderem strombasierte Kraftstoffe, einführen und die Möglichkeit zum Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff in der Raffinerie schaffen. Auch die Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU) trägt wesentlich dazu bei, Wassersstoff in Europa voranzubringen. Sie setzt sich als Public Private Partnership seit 2008 für H2-Mobilität ein und hat bereits zahlreiche Projekte ins Leben gerufen und erfolgreich abgeschlossen.

HZwei: Was denken Sie, wann werden wir in Europa von einer etablierten Wasserstoffwirtschaft reden können?

Haverkamp: Die politischen Zielvorgaben für den Umbau des Energiesystems bis 2050 sind gesetzt. Sie werden die Märkte und Geschäftsfelder aller Sektoren grundlegend verändern. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keinen Konsens darüber, welche Infrastrukturen …

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