Toyota setzt auf die Brennstoffzelle

MiraiAls der Toyota Mirai Ende 2014 auf den Markt kam, zeigten sich die Japaner davon überzeugt, dass der Brennstoffzelle die Zukunft gehört. Im Laufe des vergangenen Jahres relativierte die Toyota Motor Corp. (TMC) dann aber ihre Strategie und erklärte, dass sie – entgegen vorherigen Aussagen – auch batteriebetriebene Elektrofahrzeuge anbieten werde. Hat der damalige Weltmarktführer also doch Angst vor der eigenen Courage bekommen, ganz auf Hybrid- und Brennstoffzellentechnik zu setzen? Oder ist die Nachfrage nach E-Autos in Asien inzwischen so stark gestiegen, dass Toyota ebenfalls ein Stück vom neu zu verteilenden Kuchen abhaben möchte? HZwei hat sich einen Mirai ausgeliehen und fünf Tage lang zur Probe gefahren, um zu prüfen, ob dieses Zukunftsauto tatsächlich serienreif ist und eine reelle Chance hat, auf dem Markt zu bestehen.

Anders als einige europäische Automobilhersteller verfügt Toyota Deutschland über keinerlei Pressefahrzeuge, die speziell Medienvertretern für Erprobungsfahrten angeboten werden können. Umso erfreuter bin ich, als Pressesprecher Dirk Breuer den Kontakt zu einer Filiale der Toyota Motor Company in Berlin herstellt, die über einen eigenen Mirai verfügt. Ich fahre daraufhin mit meinem flüssiggasbetriebenen Mini in die Ollenhauerstrasse nach Reinickendorf und treffe dort Herrn Hein, der mir sogleich eine freundliche Einweisung in die Fahrzeugtechnik gibt.

Viel ist …

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Komfort einer Reiselimousine

Fahrgeräusche gibt es kaum, kein Surren, kein nervtötendes Heulen. Den Elektromotor höre ich so gut wie gar nicht. Selbst bei zügigen Autobahnfahrten bleibt alles sehr komfortabel und leicht zu bedienen. Negativ fällt lediglich auf, dass die fast fünf Meter lange Limousine (4,89 m) nur ein Viersitzer ist. Dirk Breuer lässt mich diesbezüglich wissen: „Der Mirai ist aufgrund seiner Komponenten mit 1.850 kg recht schwer ausgefallen. Damit die Personen auch noch Gepäck mitnehmen können, hat man sich entschieden, daraus einen Viersitzer zu machen. Die Mittelkonsole dient dabei dem Komfort einer Reiselimousine, sie beherbergt keine besondere Technik.“

Es gibt zahlreiche nette Gimmicks …

Trotz angenehmer Handhabung kristallisiert sich im Laufe der fünf Tage ein wesentlicher Knackpunkt heraus, und zwar ausgerechnet ein Aspekt, der eigentlich immer als Vorteil ausgewiesen wird, derzeit aber eher ein Problem darstellt: die Reichweite. Angepriesen wird der Mirai mit 500 Kilometern. Als ich mit Herrn Hein aber an der H2-Tankstelle in der Jafféstraße tanke, werden nach der Befüllung nur 380 km angezeigt. Das könnte an den niedrigen Temperaturen oder den leistungsschwachen Kompressoren der Station liegen, kann aber auch ein grundsätzliches Problem sein, denn Ähnliches liest man auch in anderen Fahrberichten.

 

Betankung nur nach Einweisung

Eng damit verbunden ist auch der Fakt, dass nur Inhaber von CEP-Tankkarten ihre Fahrzeuge mit Wasserstoff befüllen können. Da ich aber über keine verfüge und auch keine im Mirai liegt, muss ich während der fünf Tage meist im Energiesparmodus fahren, damit ich auch am letzten Tag noch – wie versprochen – mit ein paar interessierten Studenten eine Proberunde drehen kann. Das Auto und ich kommen schließlich wohlbehalten und rechtzeitig wieder im Toyota-Autohaus an, so dass der Wagen noch für die am nächsten Tag geplante Marketingaktion zurechtgemacht werden kann.

Auch der Mirai bestätigt also, dass das Hauptaugenmerk weiterhin auf der H2-Infrastruktur liegen sollte, die Fahrzeugtechnik ist ausgereift. In diesem Sinne klagte Techniksprecher Breuer auch bereits der Süddeutschen Zeitung sein Leid: „50 Wasserstofftankstellen waren für 2015 in Deutschland angekündigt, am Ende gab es nur 19. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum es nicht schneller geht, aber mir fehlt die Sichtbarkeit beim Ausbau der Infrastruktur.“

Entsprechend niedrig sind bislang die Verkaufszahlen …

Rein elektrische Zukunft

BZ-Stack
Nach der Fahrt „föhnt“ der Mirai seinen BZ-Stack, um trotz Frosts kaltstartfähig zu bleiben

Toyota forscht seit Mitte der 1990er Jahre an Brennstoffzellen, seit 2010 engagiert sich das Unternehmen dafür, Brennstoffzellentechnik populär zu machen. Erst starteten die Japaner eine Kooperation mit BMW: die Bayern sollten nicht den Anschluss an die BZ-Technik verlieren, und Toyota erhielt im Gegenzug Zugriff auf deren Dieseltechnik. Dann gab die Toyota Motor Corp. 2014 ihre rund 5.680 Patente, die sie auf Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologien hält, kostenlos frei, damit sich auch andere Automobilhersteller mehr in Richtung BZ-Technik bewegen. Daimler-Chef Dieter Zetsche verkündete daraufhin allerdings vollmundig, sein Unternehmen sei „auf dem gleichen Niveau mit Toyota“ und müsse daher nicht auf diese Patente zugreifen.

Inzwischen setzen die meisten Wettbewerber vorrangig auf batteriebetriebene Elektroautos, weshalb Toyota jetzt zweigleisig fährt: Auf dem Internationalen Auto-Salon Genf präsentierten die Japaner ein elektrisches Konzeptfahrzeug: den i-TRIL Concept – einen 2+1-Sitzer mit Kurvenneigetechnik. Nach der Hybrid- und der Brennstoffzellentechnik öffnet sich die Toyota Motor Corp. nun also auch gegenüber der rein batterieelektrisch betriebenen Mobilität.

Im Februar 2017 lieferte der Automobilhersteller außerdem den ersten Toyota FC Bus aus. Dieses Modell, das Toyota gemeinsam mit Hino Motors entwickelt hat, wurde seit 2015 in Toyota City und Tokio getestet. Es verfügt über …

1 Gedanke zu “Toyota setzt auf die Brennstoffzelle

  1. Böse Zungen stellen unter dem Titel „Eines der klimafeindlichsten Autos überhaupt“ ziemlich einleuchtend dar, warum mobiler Wasserstoff in Autos und Bussen und der Toyota Mirai im Speziellen ein Irrweg ist. Ich konnte mich der Argumentation in vielen Teilen nur schwer verschließen, da sie auf physikalischen und ökonomischen Fakten beruht.

    Nein, die schlechte Reichweite ist kein Einzelfall (Manager-Magazin: „Der weite Weg zum Wasserstoff“). Denn 700bar Tankdruck sind nun einmal recht nah an der Grenze des technisch Möglichen und mechanische Pumpen verschleißen … Die „wenigen MinutenTankdauer“ sind ebenso wie die 500km Reichweite (nur bei <90km/h Schleichfahrt) reine Marketingaussagen.

    Keine Antriebsgeräusche? Mir ist das Rauschen der Lüfter /Brennstoffzelle jedenfalls nicht entgangen – im Vergleich zu einem nahezu lautlosen reinen Elektroauto.
    7-8Liter Wasser stößt der Mirai durch die chem. Reaktion in der BSZ auf 100km aus – als Dampfwolken oder als Wasser direkt auf die (evtl. winterliche) Fahrbahn …

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