Wasserstoff-Ökonomie als Gesellschaftsprojekt

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Wasserstoffmobilität im Trend, © InnoZ

Mit der Verabschiedung des Klimaschutzplans im Kabinett hat die Bundesregierung ihre Ziele klar definiert: Bis zum Jahr 2050 soll der komplette Verkehr CO2-frei abgewickelt werden, und bereits bis zum Jahr 2030 soll eine Reduktion – gegenüber der Ausgangsbasis im Jahr 1990 – von 40 Prozent erreicht werden. Die Wasserstoffökonomie ist ein Ansatz, um dieses Gesellschaftsprojekt zu bewältigen, allerdings bedarf es dafür der Kooperation aller gesellschaftlichen Gruppen: der Bürger, der organisierten Zivil-Gesellschaft und der Verbände, der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Wasserstoff und Brennstoffzellen können Schlüsseltechnologien einer postfossilen, sektorgekoppelten Energiewirtschaft sein, sei es als Energiespeicher für erneuerbare Energien, als emissionsarme Lösung für die Wärmeversorgung oder für die nachhaltige Gestaltung des Verkehrssektors. Die Etablierung einer zukünftigen Wasserstoffökonomie zielt auf eine H2-Herstellung aus erneuerbaren Energien ab, womit das gesamte Energiesystem emissionsfrei werden könnte.

In dem vom Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) geförderten Vorhaben HyTrustPlus wurden die Ausgestaltung einer möglichen Wasserstoffökonomie, die vorhandenen Rahmenbedingungen und die gesellschaftliche Akzeptanz untersucht. …

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Breite Unterstützung

Das Projekt „HyTrustPlus – Wasserstoffökonomie als Gesellschaftsprojekt“ identifizierte und untersuchte von 2014 bis 2016 Konzepte, Prozesse sowie die Ideen und Positionen einer Vielzahl von Akteuren, welche zur Etablierung einer Wasserstoffökonomie beitragen können. Die Untersuchungen zeigen:

  • Grüner Wasserstoff kann ein gesellschaftlich akzeptierter und wichtiger Baustein der regionalen Energiewende sein.
  • Konzepte der Wasserstoffökonomie auf regenerativer Basis haben das Potenzial, im Diskurs zur Energieversorgung von morgen breit zu überzeugen.

Kooperationen initiieren

Die bereits im Vorgängerprojekt HyTrust identifizierte positive Grundhaltung (Einstellungsakzeptanz) gegenüber der Wasserstoffmobilität konnte im Rahmen der Aktivitäten von HyTrustPlus auch für den Einsatz der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien in einem sektorübergreifenden Kontext bestätigt werden. Diese Einstellungsakzeptanz gilt als Voraussetzung für eine aktive Unterstützung des Innovationsprozesses und der erforderlichen Transformationsprozesse.

Es müsste aber nach wie vor mehr Möglichkeiten geben, eigene Erfahrungen zu sammeln sowie Technologienanwendungen im Alltag zu erleben und zu nutzen. Um aus Sympathisanten Unterstützer zu machen, bedarf es auch einer stärkeren Sichtbarkeit von Produkten und der zugehörigen Infrastruktur.

Die Zahl der mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge hat sich in den letzten Jahren nicht merklich erhöht. Die deutschen Automobilhersteller bleiben zögerlich. Nur der Start des Carsharing-Angebotes BeeZero der Linde AG im Sommer 2016 in München sowie der geplante Einsatz von Brennstoffzellenzügen 2017 können als markante Meilensteine bei der Popularisierung von Wasserstoff gedeutet werden (s. Abb. 1). Dies ist umso bedauerlicher, da im Zeichen der Energie- und Verkehrswende Wasserstoff als kohlenstofffreier Energieträger eine strategische Ressource ist.

Eine weitere Herausforderung bleibt auch die sektorübergreifende Zusammenarbeit der Akteure. Einen ersten Ansatz zur Einbindung von Wasserstoff in den regionalen Kontext der Energiewende mit den dafür benötigten Akteuren bieten hier die Erfahrungen aus regionalen Stakeholder-Dialogen.

Regionale H2-Ökonomie stärken

Es finden sich nach wie vor keine allgemeingültigen Geschäftsmodelle für eine Wasserstoffökonomie. Es gibt zwar Regionen, die konkretes Interesse an der Einbindung von Wasserstoff in ihr Erneuerbare-Energien-System haben, häufig fehlen aber das Wissen und eine professionelle Unterstützung bei der Umsetzung.

Im Rahmen dieses Projektes wurde mit Stakeholdern des Kreises Steinfurt (NRW) ein Konzept zur Integration von Wasserstoff in die regionale Energiewende erarbeitet. Die Steinfurter Flexkraftwerke kanalisieren die erneuerbaren Energien in die unterschiedlichen Energiemärkte (Strom, Gas/Wärme, Verkehr) und beugen durch nachfrageorientiertes Einspeisen einer temporären oder absoluten Überlastung der Stromverbund- bzw. …

Nutzen definieren

Es wäre ratsam, unter Einbindung regionaler Akteure eine gemeinsame Vision zur Energiewende mit Wasserstoff als Baustein zu entwickeln, um so die Wertschöpfung sowie die Gestaltungshoheit vor Ort zu halten. Ein konkretes eigenes Interesse der jeweiligen Stakeholder an der Einführung der Wasserstoffökonomie motiviert zur aktiven Beteiligung. In Regionen mit vielen Windparks entsteht beispielsweise auf Seite der …

Um ein Konzept zur sektorübergreifenden Integration von Wasserstoff tatsächlich zu realisieren, ist eine staatliche Risikobeteiligung notwendig. Zudem ist politische und rechtliche Planungssicherheit zu schaffen. Bisher lassen sich große Investitionen in die Wasserstofftechnologien kaum rechtfertigen, da eine oft noch ungenügende Technologieperformance, fehlende Wertschöpfungsketten oder sich ändernde rechtliche Rahmenbedingungen unkalkulierbare Risiken bedeuten.

Präsenz erhöhen

Wasserstoff und Brennstoffzellen sowie die Aktivitäten der Wasserstoff-Community sind für breite Bevölkerungsschichten in Deutschland im Alltag der Energiewende zu wenig sichtbar. Ebenso werden die bestehenden politischen, rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen und die aktuellen Kostenstrukturen als hinderlich für die Realisierung einer Wasserstoffökonomie gesehen. Derzeit bietet …

Autoren: Prof. Dr. Andreas Knie, Anke Schmidt, Julia Epp

Alle vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, Berlin

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