Energiewirtschaft warnt vor Innovationshemmnissen

Gabriel
Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gab die Richtung vor, © Handelsblatt

Das Who’s who der Energiewirtschaft hat sich vom 24. bis 26. Januar 2017 zur 24. Handelsblatt-Jahrestagung in Berlin zusammengefunden, um über Trends in der Energiepolitik zu diskutieren, Chancen und Risiken zu bewerten und Zukunftsszenarien zu entwickeln. Über 200 Mrd. Euro hat die Energiewende in Deutschland bisher gekostet. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt indes nur bei 13 Prozent des Energiebedarfs, wenn man die Gesamtbilanz (Jahresdurchschnitt der Energienachfrage, Grundlast) betrachtet. Batterien können überschüssigen regenerativen Strom allerdings nur sehr begrenzt speichern. „Grüner“ Wasserstoff hingegen und Power-to-X erfahren derzeit eine Neudefinition. Ihnen wird großes Zukunftspotential zugesprochen.

Aber nicht nur Strom ist von Bedeutung (Preis, Menge, Verfügbarkeit) – gerade für einen Industriestandort wie Deutschland –, sondern vor allem auch „Wärme“. Letzteres wird in der Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) häufig übersehen, denn hierbei geht es allein um einen Strom- und Wärmemarkt. Wie sieht es aber mit der Sektorenkoppelung aus? Wie kommt der Strom vom Produzenten zum Kunden, zur Industrie und zum Verbraucher? Welche Einflüsse hat die voranschreitende Digitalisierung der Energiesysteme? Auf welche Innovationen, welche neuen Technologien sowie neuen Geschäftskonzepte sollte man setzen?

Muss die Bundesregierung umdenken und das EEG neu definieren? Behindern manche Steuern die Entwicklung und den Ausbau der Stromproduktion? Liefert die Politik die richtigen Antworten auf die Energiewende? Aus der bisherigen Stromwende muss eine Energiewende werden, so die einhellige Meinung der Redner während der Tagung, die den vielsagenden Titel Energiewirtschaft 2017 – Energie neu denken trug.

Energiewende digital und europäisch

Der Grundtenor der Veranstaltung war, dass Energie pragmatisch gedacht und von staatlichen Reglementierungen entlastet werden sollte. Marktwirtschaftliche Einflüsse, unter anderem bei der Preisfindung von Energie, seien notwendig, um einen fairen Wettbewerb der verschiedenen Energieträger zu ermöglichen, hieß es. Die CO2-Bilanz (Klimaziele)

sei dabei ebenso von Bedeutung wie die Energieeffizienz, die dezentrale Energiegewinnung, der Transport sowie der Preis der Energie.

Durch die Digitalisierung der Energieströme (smart metering, smart grid) ließe sich die Energiewende via Datenauswertung erfolgreich umsetzen. Sektorenkoppelung ist dafür ebenso wichtig, wie es notwendig ist, Energie auch im Gesamtzusammenhang (Welt und Europa) zu sehen. Statt Partikularinteressen zu bedienen, muss der Blick auf das Gesamtsystem im Vordergrund der Umsetzung stehen (weg vom Klein-Klein) – alles basierend auf „digital“ und „dezentral“. Das EEG mit den verschiedenen Kosten (z. B. Netzentgelt) hat sich zum Innovationshemmnis entwickelt, und die Politik setzt sich Ziele, die sie nicht einhalten kann.

Dabei entwickelt sich die Batterietechnik stetig weiter:

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BZ und H2 gehört die Zukunft

In gleich mehreren Vorträgen wiesen Vertreter namhafter Konzerne (z. B. Siemens, ExxonMobil, Audi) auf die besonderen Potentiale von Wasserstoff und Methan als Speicher via

Power-to-X (Gas, Wärme, Chemie) hin, wie auch auf deren Potential als Medium in der Kombination mit CO2 (Methanisierung), als Medium für Carbon Capture Storage und in der Elektromobilität. Große Mengen an regenerativer Energie lassen sich nur sehr bedingt in Batterien speichern, aber gut per Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln und via Gasleitungen verteilen, um sie dann je nach Nachfrage rückzuverstromen.

Fazit

Das EEG sollte nicht nur reformiert, sondern völlig neu aufgestellt werden, um das Energiesystem (Strom, Wärme, Mobilität) flexibel und kostengünstig wie auch umweltfreundlich zukunftsfähig zu machen. Die Politik hat allerdings viele Zusammenhänge bislang noch nicht richtig verstanden. Der Brennstoffzelle und dem Wasserstoff in ihren vielen Wirkungsfeldern wird neben der Batterietechnik eine immer größere Bedeutung zukommen. China – und wohl auch bald die USA – werden den Druck erhöhen und einerseits mehr in den Ländern selbst, aber auch verstärkt in den verschiedenen Formen der Elektromobilität produzieren. Daher gilt es, Innovationen im Energiesektor verstärkt zu fördern, was sich auf Technologien, neue Geschäftsfelder und alle Formen der Digitalisierung bezieht.

Autor: Sven Jösting

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