FuelCell Energy – Exxon – Trump – Tillerson

Colton
William M. Colton, © Euroforum

Während der Fachkonferenz „Energie – anders denken“ in Berlin sprach William M. Colton, Vorstand von ExxonMobil, über große Potentiale einer Technologie namens Carbon Capture. Er meinte die Option, CO2 mit Wasserstoff zu Methan zu vereinigen und dann via Brennstoffzelle in Strom und Wärme umzuwandeln. ExxonMobil arbeitet dabei mit FuelCell Energy zusammen, um aus Emissionen Energie zu gewinnen. Tage danach gab US-Präsident Donald Trump in einer Rede bekannt, dass er die Nutzung von Kohle wieder verstärken wolle und dies gar umweltfreundlich möglich sein solle. Eine Koinzidenz? Im Trump-Team ist der ehemalige ExxonMobil-Vorstandsvorsitzende Rex Tillerson, der Trump von dieser Technologie berichtet haben könnte.

Auf jeden Fall sind dies sehr gute Nachrichten für FuelCell Energy, die damit die große Chance haben, nach dem Bau und erfolgreichem Betreiben einer gemeinsamen Testanlage mit ExxonMobil durch diesen Partner/Kunden weltweit ähnliche Installationen vornehmen zu können. Warum sonst hätte William M. Colton explizit FuelCell Energy erwähnt? Am 16. März 2017 fand zudem eine Präsentation der Carbon-Capture-Technologie des Unternehmens im Hauptquartier von ExxonMobil statt, wo auch der neue Vorstandsvorsitzende Darren Woods anwesend gewesen sein soll. Tags zuvor hat FuelCell Energy vor dem National Coal Board, einer Institution, die direkt an die US-Regierung berichtet, gesprochen. Auch hierbei ging es um das Thema Carbon Capture.

Zahlen für das erste Quartal

Ein Verlustausweis von US-$ 0,39 je Aktie und ein auf US-$ 17 Mio. gefallener Umsatz durch die rechnerische Herausnahme des POSCO-Projekts in Korea entsprechen nicht den Erwartungen. Trotzdem hat das Unternehmen die Chance, für diverse Projekte – auf die man sich beworben hat – den Zuschlag zu erhalten. Die langfristigen Auftragsbestände konnten immerhin auf über US-$ 437 Mio. erhöht werden. Die Liquidität ist weiterhin stabil: US-$ 57,6 Mio. liegen auf der Bank (entspricht der Börsenbewertung des Unternehmens). Hinzu kommen circa US-$ 43,5 Mio. „restricted cash“ (Rückstellungen). Zudem steht dem Unternehmen noch Liquidität durch nicht genutzte Kreditrahmen in Höhe von US-$ 40 Mio. zu.

Pipeline neuer Projekte

Das 63-MW-Projekt Beacon Falls schreitet voran und FuelCell Energy ist weiterhin im Rennen. Man habe „zahlreiche Projekte in verschiedenen Märkten“, die vor der finalen Entscheidung stehen, hieß es. Der Vorstand hat eine Reihe von Präsentationen vor Politikern, Verbänden und Unternehmen gehalten, die die Vorteile der firmeneigenen Brennstofftechnologien (Wirkungsgrade, Kosten-Nutzen, dezentrale saubere Energieerzeugung u. a.) aufzeigen. Zudem betreibt das Unternehmen selbst 11,2 MW an Energieleistung, zu denen weitere 6,5 MW hinzukommen sollen, um damit – via Stromverkauf – den eigenen Ertrag zu steigern und laufenden Cash Flow zu generieren.

Mein Fazit: Das Unternehmen sollte auf der Basis seiner technologischen Stärke bewertet werden. Kunden wie Exxon haben das Potential, diese Technologien (u. a. Carbon Capture) in größerem Maßstab in den Markt zu bringen. Diese Fantasie auf Projekte ist nach meinem Ermessen die Basis der zukünftigen Unternehmensbewertung. Dass das Unternehmen nachhaltig Gewinne erzielen muss, ist selbstredend.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz von einigen der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting (verfasst Mitte März 2017)

Schreibe einen Kommentar