China geht schnell und pragmatisch vor

Joesting
S. Jösting, © ZhongDe Metal Group

Blickt man heute nach China, könnte die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie die Lösung für eine nachhaltige Zukunft sein. Im Rahmen einer Wirtschaftsreise fuhr der HZwei-Börsenexperte Sven Jösting als Vertreter des Umweltverbandes B.A.U.M. e.V. im Juni 2016 ins Reich der Mitte und nahm in Jieyang an der zweitägigen 2. Deutsch-Chinesischen Mittelstandskonferenz teil. Dort referierte er vor 800 Teilnehmern über die Frage „Wird Wasser die Kohle der Zukunft?“. Anschließend besuchte er den Industriepark Metal Eco City (MEC – Die Stadt des Mittelstandes) im Osten der südchinesischen Provinz Guangdong. Nach dieser Reise führte die ZhongDe Metal Group, der Investor und Betreiber der Metal Eco City, das folgende Interview mit Jösting.

Umweltschutz steht auf der Agenda des 13. Fünfjahresplans der chinesischen Regierung ganz oben. China stellt im Bereich Forschung und Entwicklung die Weichen, um international bei den Themen saubere Mobilität sowie Einsatz von erneuerbaren Energien in der Energieversorgung aufzuschließen. Welche Rolle spielt die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie?

Hydrogenics

Jösting: „Grüner“ Wasserstoff – gewonnen aus regenerativen Energiequellen wie Wind und Solarenergie – kann perspektivisch eine sehr große Rolle in China spielen. Es geht um vielfältige Einsatzmöglichkeiten – von der Mobilität (Autos, Lkw, Schienenfahrzeuge, Fahrräder, Motorräder) bis zu stationären Brennstoffzellensystemen. Via BZ-Kraftwerken kann Strom und Wärme generiert werden – mit Wirkungsgraden von über 90 Prozent. Via Power-to-Gas-Systemen kann grüner Wasserstoff mit CO2 (z. B. aus Kohlekraftwerken/Industrieanlagen) verbunden und daraus Methan generiert werden. So lassen sich hocheffektiv Strom und Wärme produzieren, und zwar umweltfreundlich, da der „Abfall“ nur Wasserdampf ist. So werden schädliche Emissionen in saubere Energie umgewandelt – ein effektives Vorgehen gegen starke Luftverschmutzung, das auch manches Kohlekraftwerk überflüssig macht.

Ist Wasser die Kohle der Zukunft? Der französische Autor Jules Verne schrieb dies schon 1870 …

Jösting: Klares Ja, denn die Art und Weise, wie grüner Wasserstoff generiert werden kann, wird aufgrund immer besserer Elektrolyseurtechnologie effizienter, kostengünstiger und auch sicherer sein. Jules Verne wird Recht bekommen.

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Sie haben die Metal Eco City in Jieyang vor wenigen Wochen besucht. Welche Möglichkeiten sehen Sie hier für den Einsatz der H2– und BZ-Technologie?

Jösting: Die Metal Eco City eignet sich meines Erachtens sehr gut für die Ansiedlung von BZ-Technologie. Die industrielle Struktur in Jieyang gepaart mit Wasser, Sonne und Wind bietet gute Voraussetzungen dafür. Man könnte ein Pilotprojekt aufbauen (z. B. H2-Tankstellen installieren). Ich werde die Verantwortlichen in Jieyang mit der HySolutions GmbH zusammenbringen. Die Gesellschaft gehört der Stadt Hamburg und ist für E-Mobility zuständig. Das habe ich dem Oberbürgermeister der Stadt Jieyang, Chen Dong, bereits vorgeschlagen. Er war sehr interessiert.

In der Provinz Guangdong wird eine Produktion von BZ-Stacks für wasserstoffbetriebene Busse aufgebaut. Diese kommen in mehreren chinesischen Städten zum Einsatz. Bei Ihrem Besuch in Jieyang haben Sie Hu Chunhua, den Parteisekretär der Provinz Guangdong, getroffen und sich mit ihm zum Thema Brennstoffzellen ausgetauscht. Welche Erkenntnisse haben Sie mitgenommen?

Jösting: In Guangdong hat sich die kanadische Firma Ballard Power, der technologische Weltmarktführer in Sachen Brennstoffzelle, mit chinesischen Unternehmenspartnern, die BZ-Systeme für Busse in großer Zahl bauen werden, verbunden. Herr Hu hat persönlich das Unternehmen am Stammsitz in Vancouver, Kanada, Anfang dieses Jahres …

Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Primärenergiemix soll in China bis zum Jahr 2020 auf 15 Prozent steigen. In diesem Aktionsplan sind gleichzeitig 20 Schlüsselbereiche für Energieinnovationen definiert worden. Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien gehören explizit dazu. Welche Chancen sehen Sie hier für deutsche Unternehmen?

Jösting: Da sehe ich vor allem die Autoindustrie gefordert. Daimler ist dabei, VW in den Startlöchern, wobei dort Audi das Ruder in der Hand hält. Der chinesische Minister für Wissenschaft und Technologie, Dr. Wan Gang, hat als Ingenieur bei Audi gearbeitet. Er sieht …

Er hat dies im April 2016 in Berlin anlässlich des „H2-Mobility-Kongresses“, an dem ich teilgenommen habe, ausgeführt. Firmen wie Siemens sind Front-Runner der Technologie für die Umwandlung von Wasser mittels Elektrolyseuren. Aber auch der Anlagenbau ist technologisch weit vorne. Linde ist Vorreiter für H2-Tankstellen.

Könnte China Vorreiter bei der BZ-Mobilität werden? Wie ist Ihre Vision für die Zukunft?

Jösting: Klares Ja, denn China geht da bei vielen Projekten schneller und pragmatischer vor. Während in Deutschland bis zum Jahr 2023 geplante 400 H2-Tankstellen installiert sind, könnte China beschließen, 10.000 H2-Tankstellen in fünf Jahren zu etablieren. Parallel gibt es immer mehr Anwendungsbereiche und Produkte, die mittels H2 angetrieben werden. BZ-Hybrid-Kfz wird es immer mehr geben (z. B. Toyota mit dem Mirai). Schiffe werden mittels BZ und H2 angetrieben (s. U-Boote von HDW) – ebenso Gabelstapler. Langfristig sehe ich …

Interviewerin: Anja Barlen-Herbig, ZhongDe Metal Group GmbH, Stuttgart

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