Tesla: Viele Visionen oder nichts als Visionen?

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Elon Musk, © Tesla

Mit großem Tamtam erklärte Tesla-Chef Elon Musk, was er als Masterplan Deux (2) ausgeheckt hat. Demnach soll der Konzern nicht nur Akkus für sein Powerpack und seine Powerwall produzieren, sondern auch die ergänzenden Solarmodule liefern (Übernahme von Schwesterfirma SolarCity läuft). Außerdem sollen auch diverse andere Elektrofahrzeuge konzipiert werden – vom Lkw über kleinere Transportfahrzeuge bis hin zu Bussen. Angesichts der vielen offenen Fragen in Bezug auf die Produktion des Modell 3 erscheinen die „neuen“ Visionen als noch sportlicher als die vorherigen (= 0,5 Mio. in 2018 und gar 1 Mio. e-Kfz in 2020).

Die Gigafactory wird ebenfalls sehr viel weiteres Kapital benötigen. Bislang sollen erst 14 % der Anlage fertiggestellt sein. Der Gesamtkomplex wird mit einem Investitionsvolumen von US-$ 5 Mrd. angegeben. Tesla-Partner Panasonic investiert dort mit, wobei die genaue Art der Beteiligung nicht ganz durchsichtig ist. Denn: Es handelt sich bei der Mitfinanzierung durch Panasonic wohl um Investitionen in Maschinen und Anlagen, die Tesla selbst zu übernehmen hat. So klar wurde das bislang nicht kommuniziert. Womöglich ist dies eine Art Lieferantenkredit und kein Direktinvestment von bis zu US-$ 1,6 Mrd.? Parallel wird Panasonic Tesla weiterhin Zellen für die Batterien liefern, wobei es auch da Fragen gibt, welche Abnahmeverpflichtung (Volumen, Preise) Tesla hier eingegangen ist.

Am Rande ist von Interesse, dass Tesla der Finanzaufsichtsbehörde (SEC) mitgeteilt haben soll, dass es zu …

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SolarCity mit vielen Fragezeichen

Tesla hat formal das Angebot abgegeben, SolarCity für US-$ 2,6 Mrd. im Tausch gegen eigene Aktien im Verhältnis 1 : 0,11 zu übernehmen. SolarCity, bei dem Musk mit über 20 % der Anteile größter Einzelaktionär ist, baut Solarmodule und wird von …

Eine andere Musk-Firma, SpaceX (sendet Satelliten via Raketen in den Orbit), hat SolarCity US-$ 250 Mio. durch den Kauf von Anleihen „Solar-Bonds“ geliehen. Will Musk durch die Übernahme von SolarCity eventuell nebenbei a) die Schulden von SolarCity an SpaceX absichern und b) SolarCity „entschulden“? Da an Tesla nur 13 Fonds zusammen mit Musk die Mehrheit besitzen (im engeren Sinne sind es gar nur vier Fonds) und sie demnach alle wichtigen Entscheidungen durchwinken können, stellen sich hier auch Fragen der Nähe. Allein die Fidelity Fonds sind größter Einzelaktionär bei SolarCity und parallel auch bei Tesla.

Angesichts des sehr hohen Quartalsverlustes bei SolarCity und der Laufzeiten der Schulden (es soll 2016 noch Fälligkeiten geben – ohne Obligo) drängt sich die Frage auf, ob SolarCity überhaupt überlebensfähig wäre, wenn das Tesla-Angebot nicht gekommen wäre. Tesla-Aktionäre selbst müssten geschockt sein, dass sie nicht nur über 10 Mio. Aktien als Kaufpreis für ein Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Dollar Umsatz akzeptieren sollen, sondern noch US-$ 3 Mrd. Schulden zu denen von Tesla dazukommen. Es gibt daher schon Klageandrohungen via Class-Action-Klage (Sammelklagen), aber da stehen oft gewiefte Anwaltskanzleien dahinter, die am Ende des Tages das Gros der Vergleichssumme erhalten. Die Übernahme scheint indes eine klare Sache zu sein, wenn man die Äußerungen diesbezüglich von CEO Musk liest und Interessen von Großaktionären berücksichtigt.

Wandelanleihen

Die US-$ 3 Mrd. Schulden von Tesla wurden vor allem in Wandelanleihen aufgenommen. Um Fremdkapital in Eigenkapital zu wandeln, müsste die eine oder andere Anleihe fällig gestellt werden. Zur Rückzahlung wird dann nicht Bargeld verwendet, sondern es werden Aktien ausgegeben. Die Anzahl hängt indes vom Wandlungsverhältnis ab. Und auch von den Anleihebedingungen, ob Tesla selbst oder die Anleihenhalter auf Wandlung drängen können. Es soll seitens einiger Halter einer bestimmten Anleihe zur Rückzahlung/Wandlung von Anleihen kommen, deren Umwandlungskurs (ca. US-$ 160/Aktie) relativ niedrig zum aktuellen Börsenkurs von Tesla notiert und hohe außerordentliche Gewinne (Kursgewinne neben dem Zins) ermöglicht. Man spricht von einem Betrag von nominal US-$ 422 Mio. Die Fälligstellung deutet an, dass man sich absichern will, bevor die Schulden von SolarCity nach deren Übernahme in die Tesla-Bilanz einfließen.

Mein Fazit: Die nächste Kapitalerhöhung ist noch für 2016 offiziell angedacht, denn selbst die …

Strategie

Es fällt auf, dass vier Fonds (aber mehrere Fonds jeweils ein und derselben Fonds-Dachgesellschaft) allein im zweiten Quartal weitere Aktien von Tesla im Wert von über US-$ 4 Mrd. zugekauft haben, obwohl diese schon sehr stark engagiert sind und zusammen – rechnerisch – bereits mit CEO Musk die Mehrheit kontrollieren. Sich prozentual so hoch und beteiligungstechnisch zu engagieren ist nicht ganz üblich für Fonds. Für Musk ist dies aber natürlich perfekt, denn er könnte sich nur mit diesen Managern gut verständigen. Die nächste Kapitalerhöhung steht vor der Tür und soll bis Jahresende kommen – gefühlt kann es aber auch schon im Oktober passieren. Börse kann auch Krimi sein!

Katalysator für kurzfristig höhere Kurse könnte die …

Theoretisches Kursszenario

Nach Kapitalerhöhung weiterer Rückgang der Aktie. Kurse von unter US-$ 150 erscheinen mir möglich. Dies hängt alles davon ab, ob Tesla gute Nachrichten liefern kann (Absatzzahlen) oder aber die Verluste gar noch zunehmen. Via SolarCity – wenn das Unternehmen im vierten Quartal in der Tesla-Bilanz konsolidiert sein sollte – könnten aber die Verluste eher noch kräftig zulegen. Es bleibt spannend.

Überlegungen: Wer hohe Buchgewinne hat, sollte diese entweder in steigende Kurse …

Bitte bedenken: Anfang dieses Jahres fiel die Aktie von Tesla von über US-$ 240 bis auf US-$ 140 in nur eineinhalb Monaten. Warum soll so etwas nicht wieder passieren? Gründe dafür gibt es einige.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz von einigen der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting

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