Interview mit K. Bonhoff – Wir sind noch nicht fertig

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Dr. Klaus Bonhoff

Seit der Gründung der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) GmbH im Jahr 2008 leitet Dr. Klaus Bonhoff deren Geschicke. Seitdem ist er das Gesicht der deutschen H2– und BZ-Branche. Er reist weltweit umher, erläutert geduldig Strategien und wirbt für mehr Engagement. Gleichzeitig muss er jedoch auch Kritik über sich ergehen lassen, wenn Projekte nicht ganz so schnell wie ursprünglich erhofft umgesetzt werden. Die HZwei-Redaktion sprach mit dem NOW-Geschäftsführer während der Hannover Messe über das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 1 und 2), über die H2Mobility-Konferenz, über Hürden bei der Projektrealisierung sowie über seine persönliche Motivation.

HZwei: Sehr geehrter Dr. Bonhoff, aktuell passiert relativ viel: Erst gab es die Callux-Abschlusskonferenz, dann den H2Mobility-Kongress, die Neuausrichtung der Clean Energy Partnership beziehungsweise H2 Mobility Deutschland und auch die Schaufensterkonferenz. Ich denke, dies ist ein ganz guter Zeitpunkt für eine Art Zwischenbilanz.

Bonhoff: Ja, wobei die eigentliche Bilanz „Was haben wir im NIP 1 erreicht“ erst zum Ende dieses Jahres ansteht. Richtig ist, dass 2016 ein Jahr des Übergangs ist. Es passiert viel. Die Stimmung ist gut in der Szene, das merkt man. In den letzten ein, zwei Jahren haben sich manche Dinge zusammengefunden. In der Branche ist ein relativ klares Bild da, wohin es jetzt geht. Es gibt aber natürlich auch noch eine Reihe von Fragezeichen und offenen Punkten, was die Rahmenbedingungen angeht.

HZwei: Wie sieht es denn mit der Verlängerung des Nationalen Innovationsprogramms sowie der Nationalen Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie aus? Genau wie das NIP sollte die NOW ja ursprünglich 2016 enden.

Bonhoff: Die Verlängerung der NOW als Programmgesellschaft des Bundes ist das Entscheidende: Im Dezember letzten Jahres hat der Gesellschafter einen veränderten Geschäftszweck im Handelsregister eintragen lassen, der an zwei Punkten eine Veränderung hat: Der eine ist die Befristung der Gesellschaft, die jetzt bis zum 31. Dezember 2026 verlängert wurde. Das heißt…

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HZwei: War es schwierig, diese Verlängerung und Neuausrichtung durchzusetzen?

Bonhoff: Nein, diese Diskussion – ganz ehrlich – war nicht wirklich schwer. Natürlich ist das alles ein Prozess, bei dem Formalien eingehalten werden müssen, aber der politische Wille, diese Themen auch mit der NOW weiter voranzutreiben, der war allenthalben erkennbar – sowohl bei uns im Aufsichtsrat als auch bei den begleitenden politischen Diskussionen.

HZwei: Was hat Sie denn persönlich dazu bewegt, weiterzumachen?

Bonhoff: Mich persönlich treibt an, das, was wir in den letzten Jahren gemeinsam erarbeitet haben, auch erfolgreich in die Zukunft zu führen. Wir sind da noch nicht fertig. Die Gestaltung nachhaltiger Mobilität wird eine Aufgabe der nächsten Jahrzehnte bleiben, da will ich uns jetzt nicht zu groß reden, aber das treibt mich ganz persönlich an, da einen Beitrag zu leisten.

HZwei: Sie dokumentieren ihre Arbeit bei der NOW in Jahresberichten. Der von 2015 ist so dick wie nie zuvor. Sind Sie denn neben der Quantität auch mit der Qualität ihrer bisherigen Arbeit zufrieden?

Bonhoff: In Summe ja. Da gibt es natürlich Vorhaben, bei denen man sich mehr erwartet hätte. Solche Einzelfälle gibt es immer wieder. Es gibt auch Vorhaben, die frühzeitig abgebrochen werden, weil sich Partnerstrukturen ändern. Das ist so in einem dynamischen Umfeld. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass der Bund genau deswegen hier öffentliche Mittel investiert, weil das Risiko von Forschung und Entwicklung immer auch ist, dass Dinge nicht funktionieren. Insofern kann man nicht erwarten, dass man hundert Prozent Erfolg im Detail hat. Die Erfolgsquote der einzelnen Projekte ist aber dennoch hoch. Der Mehrwert des Programms ist zusätzlich aber auch die Vernetzung all dieser Aktivitäten, ob in den Leuchttürmen oder in anderen Strukturen. Und wenn ich mir angucke, was in den einzelnen Branchen über die rein technischen Entwicklungen hinaus diskutiert und gestaltet wird, glaube ich, dann kann man sehr zufrieden sein, ja.

HZwei: Der nächste Problemsektor ist der Mobilitätsbereich: Die Summe der Verzögerungen bringt es auch hier mit sich, dass man dieses Thema doch immer noch einmal anspricht. Jetzt wurde beispielsweise gerade auf dem Public Forum erwähnt, dass die Marke 50 H2-Stationen nun doch erst im Jahr 2017 erreicht wird. Was gilt denn nun? Schaffen wir die 50 Tankstellen noch in diesem Jahr oder doch erst im nächsten?

Bonhoff: Wir haben in unseren Listen sogar mehr als 50 Standorte, für die Verträge an konkreten Standorten vorliegen und bei denen die Finanzierung steht. Das gilt sowohl für die …

HZwei: Derzeit hat man ja nicht den Eindruck, dass die hiesigen Konzerne die H2– und BZ-Technologie pushen. Wie könnte es hier zu einem Umdenken in der deutschen Automobil- und Energieindustrie kommen, dass wirklich mal jemand voranprescht, dass die Unternehmen tatsächlich selber wollen?

Bonhoff: Dass die Hersteller Brennstoffzellenfahrzeuge wollen, ist glaube ich neulich auf dem H2Mobility-Kongress nochmals ganz deutlich geworden, wo sie unisono gesagt haben: Wir wissen, dass wir Brennstoffzellen zusätzlich zur Batterie – beides komplementär zueinander – brauchen, um in Zukunft nachhaltige Mobilität darzustellen. Die Erkenntnis ist allenthalben da. Wir haben in Deutschland die besondere Diskussion, dass wir rund um das Diesel-Abgas-Thema, das da glaube ich noch mal eine gewisse Dynamik reinbringt und auch die Ernsthaftigkeit der Lage aufweist, letztlich die Erkenntnis haben, dass die Verbesserung eines bestehenden Systems nicht ausreichen wird, um die Ziele zu erreichen. Deswegen ist ein Wandel hin zu elektrischen Antrieben mit Batterie und mit Brennstoffzellen unvermeidlich. Die Herausforderung für jeden Einzelnen ist sicherlich, auf der Zeitschiene zu gucken, was glaube ich persönlich als Unternehmenslenker, wann ist der richtige Zeitpunkt, um welche Technologie mit welchen Kräften einzubringen. Ja klar: Ich persönlich würde mir wünschen, dass der Wasserstoff und auch der Brennstoffzellenantrieb eine höhere Sichtbarkeit hat, das ist keine Frage. Deswegen macht die CEP Ride-&-Drive-Events, deswegen machen wir als NOW die Roadshow, wo wir immer Batterie und Brennstoffzelle platzieren, deswegen haben wir im Verbund mit zahlreichen Industrieunternehmen und Verbänden die Wasserstoffkampagne mit Hannes Jaenicke initiiert. Es bringt nichts zu klagen über das, was nicht ist – man muss sich einbringen, wo man kann.

HZwei: Wäre es da nicht die Aufgabe der Politik, diese Rahmenbedingungen und Ziele so zu setzen, dass schon vor 2020 beziehungsweise 2023 Brennstoffzellenfahrzeuge besser angerechnet werden?

Bonhoff: Klar ist, die Politik muss genau solche Rahmenbedingungen setzen. Ich halte es für richtig, wenn die Politik frühzeitig auch längerfristige Ziele vorgibt, die sehr klar den Weg in Richtung Dekarbonisierung des Systems bis 2050 vorzeigen, denn das ist dann die Planungsgrundlage für die Industrie. Ich halte die Industrie durchaus in der Lage, auch auf stringente Grenzwerte reagieren zu können – mit dem entsprechenden Vorlauf.

HZwei: Okay, kommen wir zurück zu den NIP-Leuchttürmen: Es gab oder gibt noch e4ships – eher ein Rohrkrepierer. Was ist da falsch gelaufen?

Bonhoff: Als Rohrkrepierer würde ich das nicht bezeichnen, stattdessen empfehle ich genauer hinzuschauen, bevor solche Schlüsse gezogen werden. Es geht auch im Schiffsbereich um Grenzwerte, Hafenemissionen und die Vorteile von effizienten Brennstoffzellen bis hin zu der Frage „Was ist denn für Schiffe der richtige Kraftstoff“. Das darf nicht nur …

HZwei: In einem NIP 2 würde also auch e4ships weitergeführt?

Bonhoff: So ist aktuell der Diskussionsstand.

HZwei: Und auch Clean Power Net würde weitergehen?

Bonhoff: Ja.

HZwei: Hier war es zuletzt relativ ruhig. Ist es wirklich realistisch, dass hier in den nächsten Jahren ein Durchbruch gelingen könnte?

Bonhoff: Diese gesamte Branche lebt davon, dass Brennstoffzellen als zuverlässig angesehen werden und auch zuverlässig sind. Der Nachweis wird jetzt erbracht: Beim Behördenfunk wurden beziehungsweise werden ja …

HZwei: Wie konkret sind da bisher die Überlegungen über solch einen Fonds?

Bonhoff: Es geht da konkret um das Thema Vorfinanzierung. Die Überlegung kommt aus dem CPN und wurde an verschiedenen Stellen diskutiert. Ich halte es für ein interessantes Modell, weil es der Industrie, die wir hier gefördert haben, helfen würde, international wettbewerbsfähig zu sein.

HZwei: Wie geht es jetzt konkret mit der NOW weiter? Was bleibt, was ändert sich?

Bonhoff: Das eine ist Kontinuität bei F&E, da ändert sich nichts. Wir hoffen weiterhin diesen stabilen Rahmen für Forschung und Entwicklung bieten zu können in der Koordination mit allen Akteuren. Was aber neu hinzukommt, das sind die richtigen Instrumente für den Markthochlauf, und wenn es die dann gibt, die auch zu begleiten. Wenn also ein Technologieeinführungsprogramm für Brennstoffzellenheizgeräte kommt, halte ich ein Monitoring für sinnvoll. Nicht nur das Zählen, wie viele Anlagen gehen jetzt ins Feld, sondern auch zu gucken, wie tun es diese Anlagen, wie werden Kostenreduktionen erreicht und was lernt man daraus. Dieses aktive Monitoring mit Feedback-Schleife zu weitergehenden F&E-Aktivitäten halte ich für sehr wichtig. Andere Beispiele sind natürlich die Fahrzeugbeschaffung im ÖPNV-Bereich – egal ob Busse oder Schiene – sowie das Thema Infrastrukturaufbau, wo es über die normale Projektförderung hinaus auch eine neutrale und auch eine treibende Kraft braucht, die es dann mit voranbringt.

HZwei: Letzte Frage: In welcher Größenordnung wird sich ein TEP beziehungsweise NIP 2 bewegen? Das BMVI hatte bereits 161 Mio. Euro für die Jahre 2016 bis 2018 zugesagt. Könnte jetzt quasi eine Erweiterung auf 400 Mio. Euro folgen?

Bonhoff: Bitte warten Sie hier auf die offizielle Verkündung seitens der Ministerien. Diese 161 Mio. Euro spiegeln wider, dass das BMVI weiterhin committed ist und finanziell ansteigend auf das Thema Wasserstoff setzt. Und die Aussage des Wirtschaftsministeriums war auch immer sehr klar, dass man im Rahmen ihres Energieforschungsprogramms weiterhin auf dem Niveau wie bisher auch Forschung und Entwicklung fördern wird.

HZwei: Werter Dr. Bonhoff, ganz lieben Dank für dieses aufschlussreiche Interview.

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