Viel Hype um Tesla – Analysten völlig uneinig

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Model X im Offroad-Einsatz, © Tesla

Viele Big Boys – so werden die führenden US-Investmentbanken genannt – stufen Tesla uneingeschränkt sehr positiv ein. CEO Elon Musk versteht es, zu polarisieren wie auch zu überzeugen, aber am Ende des Tages zählen die Fakten. Der Fach-Analyst von Credit Suisse erwartet bereits einen Gewinn von US $ 4,00/Aktie für das Geschäftsjahr 2016, da es ja so viele Bestellungen für Model X gäbe und sich dies ertragswirksam auswirken werde. Der Konsensus liegt dagegen bei circa US-$ 1,85/Aktie – wobei alle Zahlen für 2015 immer wieder nach unten korrigiert werden mussten und dies meines Erachtens auch in 2016 der Fall sein wird, da zu viele Unabwägbarkeiten bestehen, die nicht so sehr in der Zahl der verkauften Kfz-Einheiten liegen – hier besonders beim neuen Model X – sondern in den Kosten beim Bau der Giga-Fabrik für Batterien.

Andere Analysten (Barclays Bank) erwarten vor den Erträgen erst einmal gut und gerne noch einen Kapitalhunger von bis zu US-$ 11 Mrd., um das Unternehmen zu positionieren, denn die massentaugliche Billigvariante eines rein batteriebetriebenen Kfz in 2017 bedingt massive Investitionen, die zu berücksichtigen sind. Meine Bedenken: Sollten die Schätzungen für die Absatzzahlen nicht den Erwartungen der Wall Street entsprechen beziehungsweise die Gewinnschwelle erst später erreicht werden oder sollten gar noch Verluste eintreten (weiterhin hoher Abfluss von Kapital), werden die weiteren zu erwartenden Kapitalerhöhungen immer schwieriger umzusetzen sein.

Hydrogenics

Man bedenke: Tesla wird mit fast US-$ 30 Mrd. bereits sehr großzügig bewertet. Zudem sind die Alleinstellungsmerkmale und der positive First-Mover-Effekt auf absehbare Zeit nicht mehr zu halten. Die Konkurrenz in diesem hochpreisigen e-Mobilitäts-Markt schläft nicht, dürfte gar massiv aufholen und auch mit viele Alternativen (Plug-in-Hybride, Brennstoffzelle) aufwarten. Dass Tesla ein preisgünstiges Massenmarktprodukt/Kfz für 2017 plant, sollte ebenfalls kritisch gesehen werden, da viele andere Hersteller bereits in diesem Markt/Segment mit e-cars vertreten sind und natürlich auch an Entwicklungen wie erhöhten Reichweiten arbeiten, so dass es mit dem Markteintritt von Tesla in diesem Segment nicht leicht sein wird, höhere Marktanteile „aus dem Stand“ zu generieren.

Kurzum: Der Kurs von Tesla kann gut und gerne stark anziehen, was jeweils mit Tagesmeldungen zu tun hat. Auch das Interesse von großen Investmentbanken, „Schön Wetter“ zu machen, um die Basis für weitere Kapitalerhöhungen zu legen, sollten nicht übersehen lassen, dass die Aktie bei weniger guten oder gar schlechten Nachrichten stark kursgefährdet ist. Denn aktuell sind meines Erachtens alle guten und erwartet guten Nachrichten bereits im Kurs enthalten. So sollen 17.000 bis 19.000 Einheiten im vierten Quartal abgesetzt werden!!??? Konkret werden wir dies im Februar 2016 wissen.

Zudem wirkt die Meldung noch nach, dass Tesla in Dänemark 2.500 Nummernschilder erworben hätte, wo nicht sicher dargestellt werden konnte, dass auch Käufer für diese Kfz vorhanden sind. Geht es um einen Wiederverkauf mit hohem außerordentlichem Ertrag, weil dort steuerliche Förderprogramme Ende 2015 auslaufen?

Auch wenn Tesla diese Maßnahme/Aktion gut begründen kann, so bleibt immer etwas hängen, und es stellt sich die Frage, warum man dies seitens Tesla überhaupt gemacht hat. Außerdem holt die Konkurrenz auf: Porsche plant ein e-Auto mit dem Arbeitstitel Mission E, das einen Radius von 500 km hat und innerhalb von 15 Minuten bis zu 80 % aufgeladen werden kann, eventuell ja via Induktionsschleife, also Laden von Strom ohne störendes Kabel. So wie Porsche werden meines Erachtens alle großen Luxus-Kfz-Hersteller in diesen e-Markt eintreten und auch parallel/alternativ mit Hybrid-Varianten (Brennstoffzelle + Batterie) aufwarten.

Meine Skepsis bezieht sich – und das muss klargestellt sein – nicht so sehr auf dieses sehr schöne Auto wie auch das neue SUV Model X, sondern auf die den Börsenkurs und den Unternehmenswert begleitenden und begründenden Kriterien und Argumente: Natürlich ist es von Vorteil, als Tesla-Besitzer keine Kosten für Strom zu haben, da dies ja direkt die Betriebskosten betrifft und Benzin ersetzt. Nur stellt sich die Frage, wie denn zum Beispiel der Wiederverkaufswert eines solches Autos ausfallen mag und wann die Batterie (gerade aufgrund des Schnellladens) ausgetauscht werden muss (Kosten für Tesla!). Und dann die Giga-Factory: Ob nun Powerwall (für Haushalte) oder Powerpac (für Netzstabilität) – Hier stellt sich mir die Frage, ob dieser Gigantismus einen derartigen Aktienkurs so rechtfertigt. Tesla würde wohl 80 % aller Lithion-Ion-Batterien der Welt produzieren, wenn diese Fabrik voll ausgelastet ist. Aber die Preise dieser Batterien fallen. Wie hoch ist dann die Gewinnmarge letztendlich? Ein Gesamtwert von US-$ 30 Mrd. erscheint mir da extrem sportlich (60 % dessen, was GM an Wert hat), auch wenn Analysten sogar US-$ 400 und mehr in der Aktie sehen.

Zudem frage ich mich, warum aktuell über Zulieferverträge für das notwendige Silizium für die Batterien so öffentlichkeitswirksam seitens Tesla berichtet wird. Da gibt es ein neues Unternehmen in Nevada und auch südamerikanische Firmen wie Codelco (Peru/Bolivien) oder Li3 Energy (Chile), die genannt werden. Ich sehe dies kritisch, denn eigentlich müssten solche sehr wichtigen Zulieferverträge schon lange abgeschlossen sein. Oder hat man auf günstigere Konditionen spekuliert und will Zulieferer gegeneinander ausspielen? Alles ist möglich! Nebenbei hat Tesla auch Top-Talente verloren wie den Leiter der Auto-Pilot-Sparte an Google und vorher zahlreiche Mitarbeiter an Apple. Ein Zeichen?

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte und auch deren Volatilität ist wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar.

Autor: Sven Jösting

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