Hausgemachte Kursschwäche bei Plug Power?

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(Quelle: www.wallstreet-online.de)

Plug Power hat womöglich den Kursrückgang seiner Aktie in den vergangenen Wochen selbst ausgelöst, wie ein Report (Seeking Alpha vom 2.9.2015) detailliert beschreibt und auch belegt. Im Einzelnen: 1. Die Übernahme von HyPulsion, dem europäischen Joint-Venture mit Air Liquide, für US-$ 11,5 Mio. wurde in Aktien (6,4 Mio. Stück wegen des Kursrückgangs anstelle der ursprünglich geplanten 4,8 Mio. Aktien) beglichen, wobei wohl schon feststand, dass die Air-Liquide-Tochter Axane SA diese Aktien registrieren lassen und an der Börse verkaufen wird. Plug hätte besser die US-$ 11,5 Mio. in bar bezahlt – mit über US-$ 100 Mio. in der Bank wäre dies völlig problemlos gewesen – als Aktien auszugeben, die den Kurs unter Druck gebracht haben. Dies war ein perfektes Argument der Short-Seller, also der Anleger, die auf fallende Kurse bei Plug setzen: über 34 Mio. Aktien sind leer verkauft worden. Air Liquide hält weiterhin etwa 5,6 Mio. Aktien an Plug und wird als „strategischer Partner“ daran auch festhalten, so die vorherrschende Meinung. Interessant am Rande: Man arbeitet in Europa bereits mit Jungheinrich zusammen.

2. Bargeldbestand: Das letzte Quartalsergebnis brachte einen Bargeldabfluss von rund US-$ 22 Mio. auf ca.US-$ 109 Mio. Hierin sind aber wohl über US-$ 10 Mio. enthalten, die man als Sicherheitsleistung für Finanzierungen (u. a. Leasinggeschäft) benötigt. Damit hat Plug rein rechnerisch immer noch etwa US-$ 120 Mio. auf der „Kante“. US-$ 10 Mio. gelten als realistischer quartalsmäßiger Geldabfluss, um das Wachstum des Unternehmens aus eigener Kraft zu finanzieren (Aufbau der Produktionsanlagen, Personal u. v. a.). Kapitalerhöhungen via sogenannter Secondaries/Offerings sind auf absehbare Zeit nicht notwendig. Auch hier haben die Short-Seller den quartalsmäßigen Kapitalabfluss als Argumentationsgrundlage dafür genommen, dass Plug das Geld ausgehen könnte und eine weitere Verwässerung durch die Ausgabe neuer Aktien eintreten würde – mitnichten!

3. Großaufträge, u. a. Walmart & Home Depot: Beide Unternehmen besitzen über 100 Logistik-Zentren, die etappenweise umgerüstet werden, also vom Batteriebetrieb zum Brennstoffzellenbetrieb. Die Börse erwartete die Bekanntgabe von Großaufträgen und übersah/übersieht, dass beide Unternehmen step-by-step alle Logistikzentren umstellen, also wohl den Grundsatzentschluss getroffen haben, voll auf die Brennstoffzelle zu setzen, da sich der Wasserstoffbetrieb bereits nach einem Jahr amortisiert (Umbau) und erhebliche Kostensenkungen ermöglicht, zudem Umweltaspekte umgesetzt werden. So gesehen kann man unterstellen, dass Plug allein mit diesen beiden Großunternehmen (viele andere folgen, z. T. schon in den Büchern mit Erstaufträgen) schon ein Auftragspotential besitzt, welches im dreistelligen Millionenbereich liegt. Aktuell hat Plug nach eigener Aussage für dieses Jahr Auftragseingänge (Bestand) von wertmäßig US-$ 206 Mio. und wird über US-$ 100 Mio. umsetzen. Plug konvertiert für verschiedene Großkunden die Logistikzentren, teilt dies aber insofern auf, dass man nicht zu abhängig von einem Kunden ist. Das Engagement wird also proportional aufgeteilt: x Zentren für Kunde X, y Zentren für Kunde Y (also z. B. 6 Logistikzentren p.a. für Walmart, 4 für Home Depot, 3 für Kroger etc.). So wächst man an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichen Kunden, ohne die Kapazitäten auf eine einzige Adresse zu konzentrieren. Die Börse wird diese o. g. Argumente in die Bewertung einfließen lassen.

Fazit: alles im grünen Bereich. Plug wird sein Wachstum von 40 % plus p. a. sowie die permanente Erhöhung der Gewinnmarge weiter umsetzen. Für 2016 wird der Break-even erwartet, also der Sprung in die Gewinnzone. Die über 34 Mio. leer verkauften Aktien könnten über kurz oder lang sogar der Turbo für wesentlich höhere Notierungen sein (Squeeze bei guten Nachrichten).

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte und auch deren Volatilität ist wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar.

Autor: Sven Jösting

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