Wanka-Johanna

Eine Kaufprämie für E-Autos wäre das effizienteste

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Prof. Dr. Johanna Wanka

„Deutschland steht bei der Elektromobilität erst am Anfang.“ Mit diesen Worten räumte die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka während der 2. Nationalen Bildungskonferenz Elektromobilität ein, dass nicht nur im Bildungssektor viel zu tun ist. Der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) Prof. Henning Kagermann ergänzte: „Wir brauchen noch einen Schub in der zweiten Phase, weil wir sonst nicht zu den Stückzahlen kommen. […] Eine Kaufprämie ist das effizienteste. Wir wissen aber, dass das nicht gewollt ist.“

Währen der gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und NPE am 23. und 24. Februar 2015 in Berlin organisierten Konferenz stellte Kagermann rückblickend fest: „Wir haben nicht die Menge an Fahrzeugen, die wir uns gewünscht haben. […] Bei der Leitanbieterschaft sind wir in Deutschland auf einem guten Weg, beim Leitmarkt liegen wir nur im Mittelfeld. […] Wo wir uns vertan haben, sind die BEV.“ Bei den rein batteriebetriebenen Fahrzeugen war die NPE ursprünglich von einem Anteil von 45 % aller Elektrofahrzeuge ausgegangen, jetzt werden es wohl 25 %. „Das bedeutet, dass man Hybridfahrzeuge länger als Übergangstechnologie benötigen wird“, so der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech.

Er wies jedoch auch darauf hin, dass „es keinen Experten gibt, der sagt, Elektromobilität wird sich nicht durchsetzen“. Zudem stellte er fest, dass „wir eine ganz gute Dynamik haben“ (78 %). Um das Ziel von 1 Mio. E-Autos bis 2020 zu erreichen, sei ein Wachstum von 80 bis 100 % erforderlich, und dies „ist nur mit zusätzlichen Maßnahmen erreichbar“.

Für Unmut in der Wasserstofffraktion sorgte seine Feststellung: „Die Brennstoffzelle ist für mich der bestmögliche Range Extender, den man in ein Elektrofahrzeug einsetzen kann.“ Mehr war in all den Einführungsvorträgen nicht über Wasserstoff und Brennstoffzellen zu hören. Mittels einer Folie stellte Kagermann jedoch nochmals klar, dass BZ-Autos nicht bei den anvisierten 1 Mio. E-Fahrzeugen mitgezählt, sondern ebenso wie Automobile, die Biokraftstoffe oder Erdgas als Kraftstoff nutzen, nur am Rande mitberücksichtigt werden.

Im Hinblick auf die weitere Entwicklung innerhalb der NPE berichtete Kagermann: „Wir haben uns entschieden, weiterzumachen. Viele Leute haben gesagt, sie würden zumindest in der zweiten Phase bis 2017 dabeibleiben.“

Bundesbildungsministerin Wanka erklärte während der Veranstaltung in der TU Berlin, es sei wichtig, „die Qualifizierungsprofile bislang getrennter Berufsbilder zu verknüpfen“ und „Kompetenzen, die ein Verständnis des Gesamtsystems vermitteln, zu integrieren“, da es bei der Elektromobilität derzeit noch keine festgefügten Berufsbilder gebe. Sie konkretisierte: „Verschiedene Branchen haben systematische Berührungspunkte und müssen ganz anders zusammenarbeiten. Das können wir, da unser Berufsbildungssystem dynamisch ist.“

Wanka wies gleichzeitig darauf hin, dass „Deutschland in der Elektromobilität in einem starken internationalen Wettbewerb steht“. Auch deswegen müsse darüber nachgedacht werden, „die Anschubphase nun bald abzuschließen“. Sie schob allerdings gleich hinterher: „Das soll nicht heißen, dass kein Geld mehr fließt.“ Den Kritikern des 1-Mio.-Elektrofahrzeuge-Ziels entgegnete sie in diesem Zusammenhang: „Das Ziel – über dass sich einige auch etwas lustig gemacht haben – war richtig. Ohne das stünden wir heute ganz anders da.“

Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung des Landes Berlin, stellte in ihrer Rede klar: „Investition in Forschung ist ebenso notwendig wie die Investition in Köpfe.“ Außerdem erklärte sie: „Bildung spielt im Schaufenster Elektromobilität eine besondere Rolle.“ Deswegen würden diejenigen gefördert werden, die „das Bildungspotential im Kopf haben“.

3 Gedanken zu “Eine Kaufprämie für E-Autos wäre das effizienteste

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ihre Anrede in der Du-Form ist zwar im höchsten Grad unhöflich, soll mich aber nicht abschrecken, zu diesem lebenswichtigen Thema Stellung zu nehmen.
    Die oben geführte Diskussion ist insofern müßig, dass das Thema weltweit, außer in Deutschland, geklärt ist. Das Festhalten am Bau von so genannten Elektroautos ist aus gegenwärtiger Perspektive der völlig falsche Weg. Die an Steckdosen angebotene Elektroenergie stammt nach wie vor überwiegend von Kraftwerken mit dem bekannten Wirkungsgrad um 30 Prozent, Atomkraftwerke eingeschlossen. Denn die Generatoren sind prinzipiell die gleichen.
    Schauen Sie sich im Hybridkraftwerk von Enertrag bei Prenzlau oder der ähnlichen Anlage am entstehenden Flughafen Berlin-Brandenburg um, dort findet die Energiewende statt. Überschüssiger Wasserstoff wird bereits mit Tanklastwagen an eine Tankstelle von Total geliefert. Bessere Konzepte kann ich bundesweit nicht erkennen.
    Zur Beruhigung: Ich bin Elektroingenieur im Ruhestand und werde von keiner der beiden genannten Firmen „geschmiert“. Für meinen Kommentar brauchte ich lediglich meinen gesunden Verstand.
    Freundliche Grüße aus Görlitz

  2. Was für ein schönes Wort:
    „Wasserstofffraktion“
    Mit drei fff`s. Wie Pfeiffer in der Feuerzangenbowle!
    Solange wir derartiges (siehe die Zitate oben…) „Führungspersonal“ in Deutschland haben, wird das NICHTS mit Innovationen und/oder Fortschritt.
    Und DAS sogar: Nachhaltig!
    Worauf wir uns verlassen können!

  3. Wie die Zulassungszahlen zeigen, sind nicht mal die Grünen bereit, auf Elektroautos umzusteigen. Aus Umweltgründen macht es also keiner, zumal man ja auch nicht an jeder Steckdose Ökostrom bekommt. Ansonsten gibt es eigentlich kaum einen Grund, auf Elektroantrieb umzusteigen, solange das Auto teurer als ein gleichwertiger Benziner und der Sprit weiterhin fast so billig wie der Strom ist. Da finden sich nur wenige, die sich gerne mit einem „exotischen“ Auto präsentieren möchten.
    Man wird also einen „weichen“ Übergang suchen müssen – z.B. ein Elektroauto mit Rangeextender, der es erlaubt, mit einer kleineren und entsprechend billigeren Batterie auszukommen, weil man nicht mehr fürchten muss, mit leerer Batterie liegen zu bleiben. Solche Rangeextender gibt es schon für ein paar hundert Euro und lassen sich aus den eingesparten Batteriekosten finanzieren. Sie verbrauchen nur etwa 1/3 der üblichen Spritmenge, weil sie ja nur noch selten gebraucht werden. Wenn sich in Deutschland kein Hersteller findet, der es wagt, „die Wurst nach der Speckseite zu werfen“ und eine kostengünstige Serie zu produzieren, muss man sie eben in Fernost kaufen. Solange deutsche Hersteller in der Premiumklasse noch gute Umsätze und Gewinne machen, werden sie nur wenig Interesse an der Produktion kleiner, billiger Elektroautos mit geringer Marge haben. Es ist andererseits ist nicht einzusehen, dass man ihnen das Geschäft mit Kaufprämien versüßen sollte. Dann erreichen wir die 1 Mio. Autos eben erst ein paar Jahre später ! Daran wird Deutschland nicht zugrunde gehen !

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