Toyota FCV: Japanische Brennstoffzellen-Technologie auf dem Vormarsch

Toyota FCV Concept
Quelle: Toyota

Als Toyota vor 16 Jahren mit dem Prius den ersten hybriden Serien-Pkw auf den Markt brachte, hatte die Konkurrenz nur ein mildes Lächeln übrig. Heute sind die Japaner dank Top-Sellern wie Yaris, Auris und Prius Marktführer in diesem Segment. Allein in Deutschland machen die sparsamen Toyota-Modelle ganze 70 Prozent des Hybrid-Absatzes aus.

Im Serienbereich der Brennstoffzellenfahrzeuge fällt dem Hyundai ix35 Fuel Cell zwar die Pionierrolle zu, trotzdem ist auch Toyota – wie zu erwarten – ganz vorn mit dabei. Mit dem Toyota FCV Concept (Fuel Cell Vehicle) präsentierte der japanische Hersteller auf der diesjährigen Tokio Motor Show die erste Konzeptstudie eines neuen firmeneigenen Brennstoffzellenfahrzeugs. Die fertige Serienversion soll auf der Consumer Electronics Show (Januar 2014) in Las Vegas ihre Weltpremiere feiern, die Markteinführung des FCV ist für 2015 geplant.

Mit dem Toyota FCV soll das neue Segment der wasserstoffbetriebenen Pkw um eine Familienlimousine erweitert werden. Die verbaute Brennstoffzelle liefert dem Fahrzeug eine Leistung von rund 100 kW, als Abfallprodukt entsteht lediglich Wasserdampf. Der großzügige Innenraum des FCV bietet dabei Platz für vier Personen, zudem ermöglicht die kompakte Bauweise auch ausreichend Stauraum im Gepäckabteil. Die zwei Wasserstoff-Tanks hat Toyota zu diesem Zweck unter die Sitze verfrachtet.

Bedienen lassen sich alle wichtigen Funktionen und Systeme über zwei Touchscreen-Displays im Bereich der Mittelkonsole – ganz im Sinne der Toyota-Touch-Technologie, die auch schon in anderen aktuellen Serienfahrzeugen für eine intelligente Vernetzung sorgt. Dank einer Verbindung mit dem Smartphone lassen sich auf diese Weise sowohl Infotainment-Anwendungen als auch technische Funktionen des Fahrzeugs einfach per Telefon steuern.

Toyota, Nissan und Honda gelten als Pioniere des wasserstoffbetriebenen Pkw-Segments. Ab 2015 sollen nicht nur verschiedene Modelle aller drei Fabrikanten in Großserie gehen, zudem ist für japanische Stadtzentren auch der Bau von 100 Wasserstofftankstellen geplant. Viele Experten prophezeien der Fahrzeugtechnologie auf Basis von Brennstoffzellen schon jetzt wesentlich höhere Erfolgsaussichten als den absatzschwachen Batterie-Stromern. So lässt sich der Toyota FCV in nur drei Minuten komplett mit Wasserstoff betanken, um im Anschluss eine Reichweite von 500 bis 700 Kilometer zu gewährleisten.

Ähnlich wie im Fall der Plug-in-Autos wird es allerdings eine ganze Zeit dauern, bis die Infrastruktur der Wasserstofftankstellen einen flächendeckenden Betrieb von Brennstoffzellenautos ermöglicht. Zudem wird der anfangs hohe Preis wohl viele Käufer abschrecken. Ein Hyundai ix35 Fuel Cell der ersten Generation kostet aktuell rund 125.000 Euro, der Toyota FCV könnte schon zu „moderateren“ Preisen von rund 70.000 Euro auf den Markt kommen. Doch mit steigendem Produktionsvolumen werden sich solche Verhältnisse sicher schnell anpassen. Schon bald könnten dann Fahrzeuge wie der Toyota FCV zu einem wichtigen Bestandteil der automobilen Energiewende werden.

Autorin: Leonie Ellerbrock

3 Gedanken zu “Toyota FCV: Japanische Brennstoffzellen-Technologie auf dem Vormarsch

  1. @Achim Behrenwaldt, 17.12.2017:

    Nein, die Chinesen werden nicht folgen. Die können sich solche energetische Verschwendung nicht leisten.

    Letztlich ist das H2-BSZ-Auto ein lupenreines Elektroauto mit einer etwas kleineren Traktionsbatterie. Denn zum Einen kann die BSZ nicht schnell geregelt werden und Spitzenleitungen bereitstellen, zum Anderen will man beim Bremsen die Rekuperationsenergie speichern. Trotzdem ist der Primär-Energieverbrauch DREIFACH so hoch wie beim E-Auto (BEV). Denn die Erzeugung, Speicherung /Lagerung von H2 verbraucht halt sehr viel Energie. Dass mehr als 95% des H2 aus Erdgas (Dampfreformation) erzeugt werden, ist energetischer Unsinn.

    Lies Gregor Honsel: „Eines der klimafeindlichsten Autos überhaupt“

    Denn dann kann man das Erdgas gleich im herkömmlichen Auto verbrennen – Wirkungsgrad („Well-to-Wheel“) bleibt etwa gleich (schlecht).

  2. Die technischen und wirtschaftlichen Fakten zum mobilen H2 sind eigentlich lange bekannt. Wer trotzdem glaubt, das H2-BSZ-Auto sei eine Option für zukünftige individuelle Mobilität – der darf dies gern glauben. Ein fester Glauben ist gegen Fakten immun.

    Brennstoffzellen werden sicher zukünftig einen größeren Marktanteil bekommen – aber nicht im Auto sondern stationär, wo man auch die Abwärme nutzen und das Wasser recyceln kann. Je kg H2 (mehr als 95% werden aus Erdgas hergestellt und 1kg reicht bei sanfter Fahrt für 100km) entstehen 7-8Liter wasser. Die landen beim H2-Auto auf der Straße – auch im Winter … Für die gern zitierte (aber praktisch unbedeutende) Elektrolyse von H2 aus Wasser braucht es also ebenso 7-8Liter reinstes Wasser je kg H2! Schon hier ist der H2-Traum eigentlich ausgeträumt!

    Die Erzeugung von H2 aus erneuerbaren Energien ist derzeit ein Werbegag – Greenwashing.
    Denn unbegrenzt verfügbare EE rechtfertigen doch keinesfalls Energieverschwendung. Und „Überschüsse“ gibt es heute nicht wirklich. Wenn aber heute das preiswerteste H2 aus Erdgas an der Tanke schon 9,50€/kg (für 100km!) kostet, obwohl es noch von der Energiesteuer (früher „Mineralölsteuer“) befreit ist – wie „billig“ soll es dann mit den mehrfachen Kosten bei Erzeugung aus EE werden?
    Wie „cool“ ist es denn, ca. 30€/100km zu zahlen?!?

  3. Die Brennstoffzelle wird wegen ihres emissions- und geräuschfreien Betriebs und ihres wesentlich höheren Wirkungsgrads zweifellos den Verbrennubgsmotor ablösen ! Das ist nur eine Frage der Zeit ! Es ist nur zu hoffen, dass die duetschenAutobauer nicht zu spät kommen, denn die Japaner haben die Nase vorn und die Chinesen werden bald folgen !

Schreibe einen Kommentar