Fahrbericht über den Renault Twizy

"Der ist ja ulkig!" - Der Renault Twizy
„Der ist ja ulkig!“ – Der Renault Twizy

Die Ausrufe von Passanten und Neugierigen ähneln sich stets. Meist erhält der Twizy Attribute wie „lustig“, „komisch“ oder „ulkig“. Lädt man einzelne Personen dann zu einer Probefahrt ein, sind allerdings mitunter auch andere Kommentare zu hören, so wie „Es ist mir peinlich, wenn alle gucken“ oder „Der sieht ja aus wie ein Spielzeug“. Fakt ist: Der Twizy polarisiert allein schon durch sein Aussehen. Um herauszubekommen, wie er sich im Alltag bewährt, hat ihn die HZwei-Redaktion 14 Tage lang Probe gefahren.

Der Renault Twizy wird als Quad eingestuft, zugelassen ist das Fahrzeug allerdings als Leichtkraftrad. Laut Renault ist er „eine Kreuzung aus Motorroller und Stadtauto“. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 Stundenkilometer. Tatsächlich fährt er maximal 84 km/h. Auch bergab ist nicht mehr drin, da er elektronisch abgeregelt wird. Das Mini-Auto ist gerade mal 2,33 m lang und 1,22 m breit. Mit einer Höhe von 1,45 m ist es also eher hoch als breit.

Der Twizy ist für schönes Wetter gemacht. Durch die fehlenden Seitenfenster (können nachgerüstet werden) fühlt man sich frei, hört allerdings auch deutlich die Abrollgeräusche der Reifen sowie das Summen des Elektromotors. Nass wird man nicht, auch nicht bei Starkregen. Lediglich Spritzwasser dringt ins Innere, zumindest wenn die hochschwenkbaren Türen installiert sind. Ein Lappen sollte aber trotzdem mitgeführt werden, um die Kunststoffsitze nach einem Schauer abwischen zu können. Auf jeden Fall ist warme Kleidung anzuraten, auch bei moderaten Temperaturen im Sommer, schließlich ist das Fahren im Twizy eher mit einer Fahrt in einem überdachten Motorrad vergleichbar als mit einer Tour in einem beheizbaren Automobil. Auch die harte Federung erinnert eher an ein motorisiertes Zweirad oder eben an ein Quad. Wegen des kurzen Radstandes werden Fahrer und Beifahrer zum Teil merklich umhergeschüttelt, insbesondere auf Schlaglochpisten.

Die langsam nach oben aufschwingenden Türen verleihen dem ohnehin schon futuristisch aussehenden Zweisitzer einen besonderen Reiz. Für den Beifahrer ist es aber trotzdem nicht einfach, hinten Platz zu nehmen, obwohl der Vordersitz vorschiebbar ist. Renault schreibt zwar, der Twizy „bietet zwei vollwertige Sitzplätze plus Gepäckraum“, tatsächlich ist der Sozius aber vorrangig für Kinder akzeptabel. Für Erwachsene über 1,80 m wird es eng, weil der Kopf ans Dach stößt.

Erhältlich ist der Kleinwagen seit April 2012 in drei Ausführungsformen: als 45 Urban (max. 45 km/h, 4 kW, für 6.990 €), als Technic (8.490 €) sowie als Sport Edition (9.250 €) jeweils mit mindestens 50 € monatlicher Akku-Miete über drei Jahre. In der Basisausführung sind die halbhohen Flügeltüren (590 €) allerdings nicht enthalten. Will man zusätzlich noch Außenscheiben, fallen nochmals 299 € an.

Das Leergewicht beträgt 487 kg, die Leistung 13 kWmax (57 Nm). Geladen wird das kugelige Mobil ganz einfach an der Steckdose. Dafür befindet sich vorne ein kleines Fach für das Spiralkabel. Die Befüllung des im Unterboden mittig verbauten Antriebsakkus (Lithium-Ionen, Kapazität: 6,1 kWh) dauert etwa 3,5 Stunden. Ungewohnt sind die dabei auftretenden Summ-Geräusche der Akku-Kühlung, die auf dem eigenen Grundstück kein Problem darstellen, bei einer Aufladung am Straßenrand aber sicherlich die Passanten irritieren dürften. Die Reichweite wird mit 100 km angegeben, aber selbst nach vollständiger Aufladung erschienen im Test lediglich 60 km in der Anzeige. Zum Glück liegt aber die tatsächlich zurückzulegende Distanz bei energiesparender Fahrweise höher, als dieser errechnete Wert vermuten lässt.

Ein interessantes Einsatzgebiet für dieses Fahrzeug hat die schweizerische Gemeinde Bülach gefunden. Dort fährt die Stadtpolizei seit April 2013 mit dem elektrischen Citymobil umher. Unter dem Oberbegriff „Quartierpolizei“ soll dort mehr Bürgernähe praktiziert werden, um mehr Vertrauen bei der Bevölkerung zu erzielen. Neben der Präsenz der Polizei vor Ort soll auch eine Vorbildfunktion in punkto Umweltbewusstsein wahrgenommen werden.

Auf Interesse stößt der Twizy auf jeden Fall, das belegen erste Verkaufszahlen (2012: 2.359, 2013 bis Apr.: 249) zahlreiche Gespräche mit neugierigen Passanten, mit denen man während der Testfahrten in Kontakt kommt. Dann heißt es beispielsweise: „Wenn der Preis stimmt, wird das mein Zweitauto nächstes Jahr.“ Von der Jugend sind aber auch ganz andere Kommentare zu hören: „Ist das da dein Vater, der dich in diesem peinlichen Auto abholt?“ Auf der anderen Seite ergeben sich allerdings auch folgende Dialoge: Mathilde (6 J.) sieht das Elektrogefährt und sagt: „Der ist ja cool.“ Gegenfrage des Fahrers: „Was ist denn daran so cool?“ Antwort: „Alles!“

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