65. IAA in Frankfurt am Main – Kein Fest der Elektromobilität

Der e-Golf, der e-up! (r.) und der eco up! (l.) auf dem VW-Messestand
Der e-Golf, der e-up! (r.) und der eco up! (l.) auf dem VW-Messestand

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 2013 sollte das Thema Elektromobilität wieder neu aufgegriffen werden – aber das war dann doch zuviel versprochen. Auf rund 230.000 Quadratmetern zeigten die insgesamt 1.098 Aussteller den etwa 1 Mio. Besuchern zwar zahlreiche automobile Neuheiten, aber um das Thema E-Mobility ging es dabei nur am Rande. Lediglich BMW und Volkswagen präsentierten neue, kommerziell erhältliche Elektroflitzer.

Richtige „Hingucker“ im Bereich Null-Emissionen-Fahrzeuge gab es auf der diesjährigen IAA nur wenige. Trotzdem wurde mit dem geworben, was da war. So wiesen die deutschen Automobilkonzerne und Zulieferunternehmen beim Eröffnungsrundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel insbesondere auf ihre emissionsarmen Hybridfahrzeuge hin: Daimler zeigte den S 500 Plug-in-Hybrid, Porsche den Panamera S E-Hybrid und Audi den Sport Quattro Concept, ebenfalls ein Plug-in-Hybrid, und Schaeffler präsentierte ein neues 48-Volt-Batteriesystem für Elektro- und Hybridfahrzeuge. Dementsprechend erklärte die Bundeskanzlerin: „Wir alle sind überzeugt, dass die Elektromobilität eine immer größere Rolle spielen wird.“ Dass reine Batterie- oder gar Brennstoffzellenautos auf den Ständen meist nur eine Nebenrolle spielten, ging indes unter.

Dies traf allerdings nicht auf Volkswagen zu. In Halle 3 drehte sich auf dem insgesamt 9.000 Quadratmeter großen VW-Stand äußerst viel um elektrische Antriebe. Im Mittelpunkt stand dabei der e-up!, den die Wolfsburger bereits 2009 erstmalig vorstellten und der ab sofort für 26.900 Euro inklusive Lithium-Ionen-Akku (Kapazität: 18,7 kWh) bestellt werden kann. Dieser elektrifizierte Kleinwagen bringt eine Leistung von 60 kW bei einem Drehmoment von 210 Nm auf die Straße (Reichweite: 160 km, Verbrauch: 11,7 kWh auf 100 km). Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 km/h. Vorgestellt wurde auch eine zweite Version als Stadtlieferwagen, der e-load up!.

Der Markteintritt seines erstmals live vorgestellten großen Bruders, der e-Golf, wurde für Mitte 2014 angekündigt. Dieser verfügt über eine Leistung von 85 kW (270 Nm; Kapazität: 24,2 kWh, Reichweite: 190 km), wodurch er 10 km/h schneller ist als der e-up!, so dass der Verbrauch mit 12,7 kWh auf 100 km geringfügig höher liegt. Trotzdem bleibt der Ausflug mit Strom immer noch sehr viel günstiger als mit Benzin oder Diesel (3,27 Euro für 100 km beim aktuellen Stromtarif). Der Kaufpreis für den e-Golf könnte bei 35.000 Euro liegen.

Hyundai produziert seinen ix35 Fuel Cell seit Januar 2013 in Kleinserie und eines dieser Modelle war dann auch in Halle 6 zu sehen. Etliche weitere fuhren draußen im Shuttle-Service hin und her. Die ersten beiden Exemplare für den Einsatz auf deutschen Straßen wurden im Juli 2013 an die Clean Energy Partnership übergeben. Markus Schrick, Geschäftsführer von Hyundai Deutschland, kündigte darüber hinaus an: „20 Stück werden im kommenden Jahr auch in Deutschland zur Verfügung stehen. Wir sind nicht auf einem Elektrotrip, sondern sehen die Brennstoffzelle als Lösung.“ Die Südkoreaner haben als Hauptabsatzmarkt Europa definiert, weil hier durch eine strikte Umweltpolitik sowie den geplanten Aufbau eines H2-Tankstellennetzes gute Grundlagen für einen Vertrieb gegeben sind.

Toyota stellte erneut in Aussicht, dass im Jahr 2015 das erste Serienfahrzeug in Japan, in den USA und auch in Europa eingeführt wird. Obwohl die Entwicklungsarbeiten an der BZ-Technik seit neustem gemeinsam mit BMW (s. BMW kooperiert mit Toyota) erfolgen, soll ein komplett eigenes Auto herauskommen. Nach aktueller Lage wird dies eine viertürige Stufenhecklimousine sein, die eine Reichweite von gut 500 Kilometern erlaubt. Derzeit geht die Führung der Toyota Motor Company (TMC) davon aus, dass ein Preis von weniger als 80.000 Euro erzielbar ist. Die Japaner erklärten dazu: „TMC bemüht sich, die Kosten weiter zu reduzieren, um das Fahrzeug zu einem erschwinglicheren Preis auf den Markt zu bringen.“ Toyota erwartet weiterhin, dass „in den 2020er Jahren volle Massenmarkt-Kommerzialisierung erzielt wird, und visiert die Produktion von jährlich zehntausend Fahrzeugen an“.

Bei Daimler waren reine Batteriefahrzeuge kaum ein Thema. Bei der Presseveranstaltung wurde zwar eine tolle Show mit Live-Band und Balletttänzerinnen gemacht, aber präsentiert wurden ausschließlich S-Klasse-Limousinen und Geländewagen. Es fiel kein Wort über Brennstoffzellenfahrzeuge. Immerhin wurde auf dem Messestand die neue Generation der B-Klasse Electric Drive (Reichweite: 200 km), die über Antriebstechnik von Tesla verfügt und in 2014 zuerst in den USA auf den Markt kommen soll, vorgestellt.

Tesla war zwar ebenfalls auf dem Messegelände vertreten, hatte aber zum Auftakt der europäischen Vertriebsaktivitäten, die in diesem August anliefen, lediglich einen kleinen eigenen Stand hinten rechts in Halle 5 gebucht. Dort standen ganz schlicht zwei Tesla-S-Modelle (Kaufpreis: 71.000 Euro), und auf Nachfrage hieß es ganz knapp, dass erst dann mehr Marketing betrieben würde, wenn der Bedarf hinter die Produktionszahlen zurückfällt.

Geradezu ernüchternd war während des ersten Pressetags ein Besuch der Halle 3.1, die offiziell als Elektromobilitätsareal fungierte. Die Halle war noch nicht einmal halb gefüllt und auch in den Gängen herrschte Leere, so dass an einem Stand in aller Ruhe im Fernsehen Fußball geschaut wurde. Während der Besuchertage gab es zwar etwas mehr Treiben, aber dennoch war hier deutlich zu sehen, dass Theorie und Praxis nicht zueinander passten: Auf der einen Seite erklärte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie e. V. (VDA), vollmundig: „Die Elektromobilität ist keine Vision mehr, die E-Autos kommen jetzt auf die Straße – als rein batterieelektrisches Auto, als Plug-in-Hybrid, als Range-Extender. Brennstoffzellenfahrzeuge kommen hinzu.“ In der Realität sah das dann aber so aus, dass elektromobil interessierte Besucher sehr genau hinsehen und nachfragen mussten, was denn tatsächlich in diesem Bereich läuft. Auf dem Messegelände fuhren zwar mehrere i3-Autos im Shuttle-Verkehr (Details über i3 & i8 folgen etwas später), aber die große angekündigte E-Offensive war dies noch nicht.

PS: Opel gab zum Anfang der IAA bekannt, dass der Preis für den mit einer Reichweitenverlängerung versehenen Ampera ab sofort um 7.600 Euro auf 38.300 Euro gesenkt wird. Gerüchteweise wird dadurch auch der Preis für den Audi A3 e-tron noch etwas günstiger (ca. 35.000 Euro).

Schreibe einen Kommentar