Japan plant Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft

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Power Exporter 9000, © Honda

Die japanische Regierung hat die Zielvorgabe ausgegeben, bis zum Jahr 2020 rund 40.000 Brennstoffzellenautos auf und 160 Wasserstofftankstellen an den Straßen zu haben. Nicht das erste Mal gibt Japan ein derartiges Entwicklungsziel vor. Das letzte liegt etwa zehn Jahre zurück, aber dieses Mal scheint die Wahrscheinlichkeit hoch zu sein, dass es auch wirklich erreicht wird, da sich große Auto- und Ölunternehmen derzeit in Gesprächen mit der Regierung über die Initiierung eines neuen Förderprogramms befinden, bei dem die Autoindustrie direkt beim Aufbau einer H2-Infrastruktur behilflich sein wird. Ein entsprechendes Förderprogramm könnte 80 Mio. Euro umfassen.

160 H2-Stationen sind durchaus realistisch. Derzeit sind etwa 46 Tankstellen in Betrieb und nochmals fast ebenso viele befinden sich im Aufbau – zu 50 Prozent gefördert von der Regierung. Und allein Toyota könnte rund 30.000 BZ-Autos bis 2020 selbst produzieren. Auch wenn etliche dieser Fahrzeuge voraussichtlich nach Europa und in die USA verschifft würden, dürfte sicher sein, dass die meisten in Japan bleiben werden.

Toyota und Honda wetteifern

Toyota, das für 2019 eine neue Produktionslinie für seinen Mirai in Aussicht gestellt hat, baut zwar derzeit nur eine Handvoll dieser BZ-Limousinen für die aktuell noch frühen Märkte ein, plant aber bis 2018 mit rund 3.000 Exemplaren. Bislang verkaufte Toyota 100 dieser Modelle nach Kalifornien, wobei dort bereits Ende 2015 400 Bestellungen und 1.900 Interessensbekundungen vorlagen. Eine neu designte günstigere Version des Mirai dürfte Ende dieses Jahrzehnts herauskommen.

Honda hat ebenfalls Mühe, alle Bestellungen für seinen Clarity zu bedienen – insbesondere in den USA. Der zweitgrößte japanische Autofabrikant wird deswegen 2017 zusätzlich eine rein batteriebetriebene sowie eine Hybridversion dieses Modells auf die Straße bringen. Die große Nachfrage sollte – insbesondere, wenn Toyota 30.000 BZ-Autos bis 2020 auf den Markt bringen sollte – Anreiz genug für die Fahrzeugbauer sein, weiter zu investieren. Dies gilt sowohl für Honda (s. Honda und sein Clarity Fuel Cell) als auch für Hyundai, das bereits 500 seines ix35 Fuel Cell in den USA auf der Straße hat und voraussichtlich 2018 ein günstigeres Modell herausbringen wird. Zudem haben BMW (Toyotas Partner), General Motors (Hondas Partner) und auch Daimler das Jahr 2020 für den Start der regulären Kommerzialisierung von H2-Autos im Visier.

Nachhaltige Olympiade

Die Ziele der Automobilhersteller bilden die Grundlage für Japans Wechsel hin zu einer zukünftigen H2-Wirtschaft. Zudem soll Wasserstoff eines der Highlights bei den Olympischen Spielen 2020 sein. Dementsprechend hat die Tokioter Regierung kürzlich in einem symbolischen Akt eine Vereinbarung unterzeichnet, gemäß der …

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Die Ziele der Regierung lauten: 320 H2-Stationen sowie 200.000 BZ-Fahrzeuge bis 2025 und 800.000 Fahrzeuge bis 2030. Für den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur soll ein Budget in Höhe von 500 Mio. Euro bereitgestellt werden.

Import von Wasserstoff

Die heutige Regierung unterstützt verschiedene Vorhaben, wie beispielsweise den Import von flüssigem und gasförmigem Wasserstoff. So planen Kawasaki Heavy Industries und Iwatani Corporation den Bau eines H2-Tankers nebst entsprechenden Hafenanlagen auf einer künstlichen Insel vor Kobe, um verflüssigten Wasserstoff, der aus Braunkohle erzeugt wurde, aus Australien importieren zu können. Ein entsprechendes Demonstrationsvorhaben soll 2020 in Betrieb gehen.

Im Raum Kobe soll zudem der Bau eines …

In einem weiteren Projekt wird die Chiyoda Corp. gefördert, um bis 2020 ein großskaliges H2-Speicher- und …

Engagement in SOFC-Technik

Das seit Jahren erfolgreiche Ene-Farm-Programm für BZ-Heizgeräte führte zu bislang 155.000 installierten Einheiten. Gemäß den Zielen der Regierung sollen es bis 2020 insgesamt 1,4 Mio. Systeme sein – 5,3 Mio. bis 2030. Eine derartige Entwicklung setzt allerdings eine deutliche Kostenreduktion voraus. Derzeit liegt der Preis für ein Aggregat bei 11.700 Euro. Anvisiert werden 6.500 Euro bis 2019. Um dies zu erreichen, will die Regierung 77 Mio. Euro in die weitere Entwicklung investieren, um somit die Materialkosten, das Komponentenvolumen und dadurch auch den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Zudem sieht das neue Konzept vor, dass …

Neben der Politik bemüht sich auch die Wirtschaft um die Realisierung nachhaltiger Konzepte auf H2-Basis. Dabei geht es nicht nur um die von der Regierung geforderte CO2-Reduzierung oder mehr Nachhaltigkeit, sondern auch um das gemeinschaftliche Interesse an einer stabilen, zuverlässigen Energieversorgung. Dementsprechend verzeichnen derzeit Backup-Generatoren eine zunehmende Nachfrage, allen voran die 9 kW leistende H2-APU von Honda (s. Abb.).

Darüber hinaus gibt es insbesondere im Westen Japans immer mehr „Hydrogen-Town“-Demonstrationsvorhaben. Und je näher die Olympiade 2020 rückt, desto größer wird der Druck auf Japan, die angekündigten Wasserstoffdörfer nebst entsprechenden H2-Transportsystemen rechtzeitig fertigzustellen. Bislang scheint die Regierung noch entschlossen und durchaus auch imstande, dies alles tatsächlich umzusetzen.

Autor: Robert Rose, übersetzt von Sven Geitmann

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