Tesla – Milliardenschweres Bonusprogramm für CEO Musk

Die Zahlen für das erste Quartal 2021 entsprachen den Erwartungen: Mit 184.800 verkauften Einheiten waren es indes im Vergleich zum vierten Quartal 2020 gerade einmal 4.000 Einheiten mehr. Von Model X und S fanden aber nur 2.000 einen Käufer und der Absatz von Model 3 und Y könnte mit hohen Rabatten erkauft sein. Der Umsatz stieg auf 10,74 Mrd. US-$, was ein kräftiges Plus von 73,5 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet und ungefähr den Erwartungen entsprach.

Der Gewinn beruhte vor allem wieder einmal auf Regulatory Credits in Höhe von 518 Mio. US-$ sowie Handelsgewinnen durch Bitcoins in Höhe von 101 Mio. US-$. Ohne diese Sondereinnahmen sähe es nicht so gut aus, was sich auch in den Zahlen pro Aktie ausdrückt: 0,93 US-$ non-GAAP und damit 0,15 US-$ besser als erwartet, aber bei konservativer GAAP-Rechnungslegung nur 0,39 US-$ pro Aktie und damit 0,08 US-$ weniger als erwartet. Da wäre rechnerisch sogar ein Verlust ohne die Windfall-Einnahmen entstanden.

Indes konzentrieren sich die Börse, die Buyside-Analysten und -Großanleger sowie die 43 Mio. Follower von Elon Musk immer auf die positive Interpretation der Unternehmenszahlen. Nun könnte sich da einiges ändern, wenn die regulatory credits nicht mehr in der bisherigen Höhe (über 1,4 Mrd. US-$ allein 2020) Absatz finden: Stelantis, der aus der Fusion von PSA und Fiat entstandene neue Kfz-Großkonzern, hat kürzlich bekannt gegeben, dass man nun selbst genug an diesen Emissionsrechten halten würde und sich der Zukauf erübrigt. Fiat hatte bislang fast alle diese ZEVs von Tesla erworben.

Glück im Unglück: In China ist nun VW auf dem besten Wege, diese dort Tesla abzukaufen, da es auch in China eine Form der Regulatory Credits gibt, also Quoten für batterieelektrische Fahrzeuge (später dann wohl auch für wasserstoffbetriebene).

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Kein Gehalt aber Optionsrechte als Bonusprogramm für CEO Musk

Seeking Alpha berichtet währenddessen unter der Überschrift „Big payday for Elon Musk as Tesla CEO notches ludicrous stock award“, dass sich Elon Musk in 2018 ein sehr ambitioniertes Bonusprogramm „CEO Performance Award“ durch seinen Vorstand und den Aufsichtsrat aber wohl auch die Aktionäre (ohne Obligo) genehmigen ließ. Ich erinnere, dass es daran von verschiedenen Seiten Kritik gab, aber es wurde stimmrechtsmäßig durchgewunken. Es handelt sich um sogenannte Milestone-Payments, also einer Form der Gratifikation, wenn bestimmte Unternehmensziele (Umsatzgrößen, Ertragszahlen, Börsenbewertung) erreicht werden.

Sechs dieser zwölf definierten Ziele wurden mittlerweile erreicht, und Elon Musk soll nach einem kürzlich publizierten 10-K-Filing bereits Optionsrechte besitzen, die ihn zum Bezug von 50,66 Mio. Aktien mit einem Durchschnittskurs von je 70,01 US-$ berechtigen. Der Aktienkurs liegt derzeit bei 660 US-$. Buchmäßig hat Musk damit über 30 Mrd. US-$ mehr an Vermögen, auch wenn er die Optionsrechte erst einmal wandeln muss und es danach eine fünfjährige Haltezeit gibt.

Parallel könnten noch weitere 40 Millionen Aktien via Optionsrechten an Musk gehen, da er diese pro rata jeweils bei einer Börsenwerterhöhung in 50 Mrd. US-$-Schritten erhält. Bei 100 Mrd. US-$ ging es los, heute ist die Bewertung bei über 650 Mrd. US-$ (exklusive dem eigenen Anteil, den Musk hält und der bei 30 % liegen soll).

Für mich stellen sich da ganz viele Fragen, angefangen von der möglichen Verwässerung im Fall der Ausübung der Optionen bis hin zu steuerlichen Fragen, ob es hier bewertungstechnische Fallstricke geben könnte, wonach u.U. Steuern fällig werden, die von Elon Musk und oder sogar Tesla eventuell zu tragen sind (ohne Obligo). Letzteres ergibt sich für mich aus der Situation bei Plug Power, wo die Ausgabe von Optionsrechten – in diesem Fall an Großkunden – zu buchmäßigen Erfassungen (non cash charges) führten. Bei Mitarbeiteroptionen mag dies anders sein, aber für mich ein gefühltes Negativum wie ja auch potentielles Gefahrenmoment. Kürzlich hat sich eine Anwaltskanzlei in den USA dem Bonusprogramm von Elon Musk angenommen und klagt dagegen, was meine These stützt.

Weitere kritische Töne sind aus China zu hören wegen der Datenübertragung der Kfz-Standorte/Bewegungsprofile. Da dürfen nun das Militär und öffentliche Stellen keinen Tesla mehr kaufen. Es gibt sogar Reglementierungen in einzelnen Regionen/Städten. Mit negativen News geht es auch in Grünheide weiter, da Tesla wohl ohne notwenige Genehmigungen unterwegs ist, die Wasserproblematik noch nicht geklärt ist und der Produktionsbeginn erst im Schlussquartal möglich erscheint. Last but not least will die US-Notenbank prüfen, welche Regulatorik bei Kunstwährungen wie Bitcoins bei Unternehmen angesetzt werden soll. Tesla hatte da wohl buchmäßig schon mal einen Gewinn von 1 Mrd. US-$ bei einem Einsatz von 1,5 Mrd. US-$.

Mein Fazit ist und bleibt, dass die Börsenbewertung mit über 600 Mrd. US-$ völlig übertrieben ausfällt und mich kein Argument überzeugt, was diese rechtfertigt. Die Tesla-Fans argumentieren gerne damit, dass es sich nicht um ein Kfz- sondern um ein Hightech/Softwareunternehmen (autonomes Fahren & Co.) handeln würde, aber dann müsste genau in diesem Bereich Geld verdient werden. Ich gehe weiter: Wer gut in Tesla verdient hat, über hohe Buchgewinne verfügt, sollte vielleicht mal Kasse machen.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und Mid-Caps, d. h., es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting, 06. Mai 2021

2 Gedanken zu „Tesla – Milliardenschweres Bonusprogramm für CEO Musk“

  1. Zitat:
    „… da es auch in China eine Form der Regulatory Credits gibt, also Quoten für batterieelektrische Fahrzeuge (später dann wohl auch für wasserstoffbetriebene).“

    Also es gibt in China eine Quotenregelung für emissionsfreie PKW – technologieoffen. Das sollte man doch eigentlich wissen?
    Nur gibt es eben auch in China so gut wie keine FCEV-PKW, die dies nutzen könnten. Gestern nicht, heute nicht und morgen („später“)wohl erst recht nicht mehr.
    Den Technologiewettstreit bei PKW hat das batterieelektrische Kfz längst gewonnen.

    Dass Tesla sehr hoch bewertet ist – das wird wohl so sein.
    An der Börse wird halt die Zukunft gehandelt.
    Die scheint eben eher nicht bei FCEV-PKW zu liegen und nicht mehr bei konventionellen Antrieben.

    Je schneller man sie auf die Geschäftsfelder fokussiert, bei denen Wasserstoff tatsächlich punkten kann, um so höher sind die Chancen auf Realisierung. Voraussetzung ist natürlich, dass man endlich die EE-Nutzung massiv ausbaut. Nur so werden die fehlenden Energie-Kapazitäten zur Herstellung von „grünen“ Wasserstoff geschaffen.
    Ohne massive Erhöhung der Nutzung regenerativer Energien wundert es mich nicht, wenn die Wasserstoffwerte eher dahindümpeln.
    Bei >95% fossiler Erzeugung heutigen H2 sind halt Klimaargumente nicht gerade nachvollziehbar.

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