Komplette Energieautarkie wird marktreif

Autarkie in Deutschland und Down Under

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Der Traum so manch eines Hausbesitzers, sich unabhängig mit Energie versorgen zu können, könnte schon bald Wirklichkeit werden. In einzelnen Projekten ist es bereits gelungen, den Netzanschluss überflüssig zu machen und Immobilien allein mithilfe erneuerbarer Energien zu versorgen. Nach Jahren der Entwicklung ist die Technologie inzwischen an der Schwelle zur Serienfertigung, so dass sie in absehbarer Zeit auch preislich in akzeptablere Regionen kommen könnte.

Obwohl hier in Deutschland die Grundversorgung mit Strom und Gas (fast) überall gewährleistet ist, träumt so mancher Eigentümer davon, sich vom regionalen Energieversorger unabhängig zu machen. Erfolgreiche Vorhaben wie im schweizerischen Brütten (s. HZwei-Heft Jul. 2018) sowie in Zusmarshausen (s. HZwei-Heft Apr. 2020) zeigen, dass das Interesse da ist und dass es geht.

HPS startet Serienfertigung

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Zeyad Abul-Ella, Geschäftsführer von HPS, sagt über das System Picea: „Mit unserem System erhalten PV-Anlagen nicht nur einen Kurzzeit-Energiespeicher in Form einer Batterie. Durch die integrierte Erzeugung von grünem Wasserstoff und die Nutzung in der eingebauten Brennstoffzelle werden alle bisherigen Nachteile der Photovoltaik beseitigt.“ Laut Auskunft seines Vertriebsleiters Dr. Roland Doll waren im Sommer 2020 „einige zehn Stück im Feld“, die in der firmeneigenen Pilotfertigung aufgebaut wurden.

Nachdem HPS im Sommer 2019 mit der Zollner Elektronik AG vereinbart hatte, dass das 11.000 Mitarbeiter starke Auftragsfertigungsunternehmen aus der bayrischen Gemeinde Zandt die Picea-Module fertigen wird, produziert Zollner seit Ende 2020 die als Stromspeicher konzipierte Anlage in Serie. Ausreichend Produktionskapazitäten für zunächst wenige Hundert Geräte jährlich und später auch Tausende seien vorhanden, hieß es aus Bayern. Johann Weber, Vorstandsvorsitzender bei Zollner Elektronik, sagte: „Weil es eine komplett CO2-neutrale Stromversorgung in Ein- und Zweifamilienhäusern ermöglicht, hat Picea das Potenzial einer disruptiven Innovation.“

HPS, das inzwischen über 100 Mitarbeiter beschäftigt, hat mittlerweile ein Service-Team mit eigenen Fahrzeugen aufgebaut, das sein „innovatives Hardware-Produkt“, wie es Geschäftsführer Henrik Colell nennt, wartet. Und es wurden bereits erste Vertriebsvereinbarungen mit dem Berliner Gasversorger GASAG sowie mit der nördlich der Hauptstadt angesiedelten Energieinsel GmbH geschlossen. Weiteren Rückenwind erhielt das 2014 in Adlershof gegründete Unternehmen im Juni 2020, als EIT InnoEnergy, mit dem seit 2019 eine Partnerschaft besteht, verkündete, rund 3 Mio. Euro in HPS investieren zu wollen. 2019 hatte Home Power Solutions GmbH eine Finanzierungsrunde über 12,5 Mio. Euro abgeschlossen.

Abul-Ella verkündete anlässlich der Unterstützung seitens des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie: „Dank dieser bahnbrechenden Technologie und dem Marktzugang, den uns EIT InnoEnergy mit seinem Netzwerk ermöglicht, werden wir zeitnah auch außerhalb unseres Heimatmarkts Deutschland expandieren können. […] Gemeinsam haben wir es geschafft, aus einem reifen Prototyp ein massenmarkttaugliches Produkt zu machen – und zwar deutlich schneller als geplant.“

Picea

Laut Firmenangaben verfügt das von Ballard beigesteuerte Brennstoffzellen-Modul der Picea-Anlage über einen Wirkungsgrad von 55 bis 60 Prozent. Versorgt wird das Gerät, dessen BZ-Stack nach etwa fünf Jahren ausgewechselt werden muss, aus beispielsweise 36 H2-Druckgasflaschen, die auf 3 m2 rund 1.300 kWh speichern. Der Preis soll im höheren fünfstelligen Bereich liegen, wobei die Amortisationszeit nach HPS-Angaben 15 bis 20 Jahren betragen dürfte.

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