BTU-Cottbus eröffnet H2-Forschungszentrum


An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) ist am 4. Juni 2012 das neue Wasserstoffforschungszentrum eröffnet worden. Gleichzeitig wurde im Rahmen der 4. Energiefachtagung auf dem dortigen Campus der in dem zweigeschossigen Gebäude installierte alkalische Druckelektrolyseur in Betrieb genommen (Produktionskapazität: 30 Nm3 H2 pro Std., 60 bar). Rund ein Dutzend Wissenschaftler arbeiten fortan auf den 250 m2 Laborfläche, deren Bau rund eineinhalb Jahre gedauert hat und Ende 2011 fertig abgeschlossen wurde. „Dass die Eröffnung des Wasserstoff-Forschungszentrums erst jetzt stattfand, hatte terminliche und organisatorische Gründe“, erklärte die Projektleiterin Christine Tillmann der HZwei-Redaktion. Ihr Team wird fortan eng mit der Firma Enertrag zusammenarbeiten, um das Prinzip des Wind-Wasserstoff-Konzepts zu analysieren und die Optimierung des Prenzlauer Hybridkraftwerks wissenschaftlich zu begleiten. So soll beispielsweise untersucht werden, wie Wind-Wasserstoff-Systeme grundlastfähig gemacht werden können. Dazu gehört auch der mögliche Einsatz von Wasserstoff in konventionellen Braunkohlekraftwerken. Prof. Hans Joachim Krautz vom Lehrstuhl Kraftwerkstechnik freute sich: „Deutschlandweit sind wir in Brandenburg mit unseren Forschungsarbeiten Vorreiter.“ Ralf Christoffers, Brandenburgischer Wirtschaftsminister, erklärte: „Das neue Forschungszentrum an der Brandenburgischen Technischen Universität trägt dazu bei, die Hybridtechnik zur Energiespeicherung serienreif und damit in großem Stil nutzbar zu machen.“ Gebäude und Druckelektrolyseur wurden mit 6 Mio. Euro gefördert.

Der BTU-Präsident Prof. Dr. Walther Zimmerli arbeitet derzeit noch daran, die BTU-Cottbus zu einer eigenständigen Energie-Universität umzuformen. Er sagte: „Es ist so, wie das Bundesforschungsministerium schon 2010 sagte: ‚Mit ihrem technikübergreifenden Ansatz hat sich die kleine BTU auf dem Forschungsfeld Umwelt/Energie zu einer der stärksten Stimmen im deutschsprachigen Raum entwickelt‘.“ Eine Zusammenlegung mit der Hochschule Lausitz, wie es von der Landeswissenschaftsministerin Sabine Kunst vorgesehen wird, lehnt er ab.

Wasserstoff steht wieder mehr im öffentlichen Interesse

„Wasserstoff und Brennstoffzellen sind – Gott sei Dank – doch wieder mehr ins öffentliche Interesse gerückt.“ Mit diesem Ausruf der Erleichterung beschrieb Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, während der Vollversammlung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP, s. S. 8 im Januar-Heft 2012 der HZwei) ganz passend die aktuelle Situation. Reine Batteriefahrzeuge scheinen demgegenüber in technischer Hinsicht momentan doch eher auf der Stelle zu treten. Dr. Christian Mohrdieck, Leiter Antriebsentwicklung für Elektrofahrzeuge bei Daimler, stellte denn auch fest: „Die Fortschritte bei der Batterie werden schwieriger.”

Wir erleben also – oh Wunder – nun doch keinen plötzlichen Siegeszug der E-Mobilisten und auch keine Schwemme zahlreicher nagelneuer Elektroflitzer, denn wie bereits prophezien wurde, gab es bei der Batteriespeicherkapazität immer noch keinen elementaren Durchbruch. Ende 2011 belegte dies auch eine neue Studie des Centers Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen: Demnach wurden in Deutschland 2011 innerhalb von elf Monaten lediglich 1.800 Elektrofahrzeuge verkauft, nur 101 davon gingen an Privatpersonen. In den Jahren 1996 (264), 1997 (262) und 1998 (209) lag diese Zahl schon mal deutlich höher – ganz ohne Hype.

Ähnlich mager sieht es in den USA und auch in Frankreich aus. In China hingegen besitzen E-Autos bereits einen hohen Stellenwert. Dort signalisierten 14 Prozent der befragten potenziellen E-Autofahrer eine „wahrscheinliche“ oder „sichere“ Kaufbereitschaft. In Deutschland waren es vier Prozent, in den USA zwei Prozent. In Frankreich, wo der Kauf jedes Elektroautos mit 5.000 Euro gefördert wird, war es nur ein Prozent.

Deutschland scheint somit im Elektromobilitätssektor noch ziemlich weit davon entfernt zu sein, Leitmarkt zu werden. Das sieht im Wasserstoff- und Brennstoffzellensektor schon ganz anders aus. Dort schaut das Ausland zum Teil „grün vor Neid“ nach Deutschland, wie ein Besuch auf der britischen Insel gezeigt hat (s. S. 16).

Im H2- und BZ-Sektor hat die Bundesrepublik innerhalb der vergangenen Jahre trotz zahlreicher Rückschläge ein umfassendes Know-how angesammelt. Mit Hilfe umfangreicher Förderprogramme ist es gelungen, verschiedene prestigeträchtige Demonstrationsprojekte aufzubauen, die weltweit ihresgleichen suchen. Im Ausland wird dies in Fachkreisen auch durchaus angemessen gewürdigt, aber im eigenen Land scheint dies kaum jemand zu sehen. Der Großteil der Forschungs- und Entwicklungsarbeit läuft nun mal immer noch im Verborgenen ab, so dass die potentiellen Kunden zu wenig von den bisherigen Errungenschaften der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik erfahren.

Dies hat mittlerweile auch die Politik erkannt. Staatssekretär Bomba (s. auch Interview auf S. 26) forderte deswegen: „In den nächsten Monaten muss mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden, um dieses Thema zu verankern.“

Eine bessere Kommunikationspolitik allein bringt allerdings noch gar nichts. Wenn Deutschland seine Position als Leitanbieter und Leitmarkt im H2- und BZ-Sektor festigen will, muss jetzt – parallel zu einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit – nach der aktuell noch laufenden Marktvorbereitung auch zügig die Markteinführung folgen, so wie es bei der NOW-Mitgliederversammlung angekündigt wurde (s. S. 8). Gespräche über geeignete politische Instrumente würden bereits geführt, so heißt es.

Reden allein reicht aber nicht, dies weiß auch Rainer Bomba, der zum Jahresende deswegen deutliche Worte wählte. Während der Präsentation der neuen Wind-Wasserstoff-Plattform performing energy (s. S. 12) rief er den Zuhörern zu: „Unsere Bürger haben die Nase voll von Ankündigungen. […] Wir müssen endlich sehen, dass das, was wir entwickeln, auch umgesetzt wird. […] Wo es bisher gehapert hat, ist die Vermarktung.“ Erstmals drohte er sogar der Branche: „Wenn hier keine Taten folgen, ist die Politik nicht bereit, in Zukunft noch Gelder bereitzustellen.“

Na, wenn das kein Ansporn ist!

Sechs neue Technologiezentren für Elektromobilität

Der Hype um das Thema Elektromobilität, der jetzt schon zwei Jahre andauert, sowie die Förderpolitik der Bundesregierung haben dazu geführt, dass zahlreiche Institute ihre Forschungsaktivitäten im Elektromobilitätssektor intensivieren. Drei neue Elektromobilitätszentren haben bereits ihre Arbeit aufgenommen: Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) eröffnete in Ulm am 15. September 2011 das Labor für Batterietechnologie eLab. In dem dreigeschossigen Gebäude (6.600 m2) sollen neue Produktionstechnologien für Lithium-Akkus erforscht und Sicherheits- sowie Lebensdauertests durchgeführt werden. Insgesamt 27 Mio. Euro werden dafür ausgegeben. Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer sagte anlässlich der Eröffnung: „Mit dieser Investition stärken wir unsere nationale Kompetenz in Sachen Batterietechnologie erheblich.“

Gleich am nächsten Tag folgte die Einweihung des Fraunhofer Testzentrums für intelligente Netze und Elektromobilität IWES-SysTec, das für insgesamt 9,5 Mio. Euro mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II in Fuldatal-Rothwesten gebaut wurde. Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) will dort unter anderem Komponenten für die Elektromobilität entwickeln und testen. Institutsleiter Prof. Dr. Jürgen Schmid sagte: „Mit dieser Einrichtung hat das Kasseler IWES seine europaweit einzigartige Stellung als Forschungs- und Entwicklungszentrum zur Integration der erneuerbaren Energien in Versorgungsnetze weiter ausgebaut.“ Nur wenige Tage später, am 24. September, schlossen sich in Karlsruhe die Feierlichkeiten zur Eröffnung des eMobilitätszentrums an. 15 Partnerunternehmen präsentieren in dem am Ostring gelegenen Kompetenz-, Ausstellungs- und Testzentrum neueste Produkte und Technologien rund ums Thema Elektromobilität.

Etwas weiter im Norden, in Dortmund, wird derzeit noch gebaut, und zwar am TechnologieParkDortmund. Unter Federführung der Technischen Universität Dortmund sollen bis 2014 Fördergelder in Höhe von 7,2 Mio. Euro investiert werden, um ein Kompetenz- und Innovationszentrum für Elektromobilitätsinfrastruktur und Netze zu entwickeln und aufzubauen. Als Fünftes wird Bad Neustadt ein Technologiezentrum erhalten. Das bayerische Wissenschaftsministerium gab im August sein Okay für das auf fünf Jahre angelegte 4,5-Mio.-Euro-Förderprojekt. Die Leitung übernimmt zunächst kommissarisch Prof. Bernhard Arndt, bis ein Stiftungsprofessor gefunden worden ist.

Der Sechste im Bunde ist der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, der im September in Offenbach die Bauarbeiten des bundesweit ersten Batterie- und Umwelt-Testzentrums startete. Der VDE plant ein 2.500 Quadratmeter großes Labor, in dem nahezu alle Batterien getestet werden können. Anfang 2012 soll es seinen Betrieb aufnehmen. „Mit dem Labor erweitert der VDE sein Dienstleistungsspektrum im Bereich Elektromobilität und untermauert seine Expertise in dieser für Deutschland so wichtigen Zukunftstechnologie“, sagte Vorstands-Chef Dr. Hans Heinz Zimmer.

TU München macht Mute

Die Technische Universität München (TUM) will auf der Internationalen Automobilausstellung 2011 (IAA) die Konzeptstudie eines eigenen Elektroautos präsentieren. Für dieses ehrgeizige Ziel haben sich Wissenschaftler von insgesamt 20 Fachbereichen zusammengetan. Gemeinsam arbeiten sie an dem elektrisch angetriebenen Leichtbaumobil Mute (engl.: still), das eine Reichweite von 100 Kilometer schaffen und zudem alltagstauglich und bezahlbar sein soll.

Professor Markus Lienkamp vom Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik erklärte gegenüber der Frankfurter Rundschau: „Alles an diesem Auto ist neu. Das kann kein einzelner Lehrstuhl leisten, deshalb arbeiten hier 20 Lehrstühle zusammen.“ Professor Fritz Frenkler vom Lehrstuhl für Industrial Design fügte hinzu: „Mute könnte der neue ‚Volks-Wagen’ mit elektrischer Mobilität werden.“ Bis zum September 2011 soll der fahrbare Prototyp dieses zwei Personen fassenden Fahrzeugs fertig sein. Das Ziel des 30-jährigen Maschinenbau-Ingenieurs und Projektleiters Robert Pietsch ist, auf der IAA in Frankfurt am Main einen Automobilhersteller zu finden, der die Serienproduktion übernehmen könnte. Bevor es allerdings in die Fertigung gehen kann, sind zunächst für 2011 und 2012 Feldtests in Singapur an der Nanyang Technological University (NTU) geplant.

Bedarfsgerechte Bildung

Die Aus- und Weiterbildung ist ein ganz zentraler Punkt bei der Etablierung einer neuen Technologie, wie es die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik und auch die Elektromobilität sind. Dies haben auch einige Unternehmen und Hochschulen erkannt und deswegen neue Studiengänge eingerichtet. So richtete die Technische Universität Ilmenau im Oktober 2010 gemeinsam mit dem Zentralverband Oberflächentechnik die Stiftungsprofessur „Elektrochemie und Galvanotechnik“ ein, die von Prof. Andreas Bund geleitet wird. Ihr Ziel ist, die Entwicklung neuer elektrochemischer Verfahren zu fördern, weil diese für zukünftige Elektrofahrzeuge von elementarer Bedeutung sind – sei es bei der Energiespeicherung in Batterien oder bei der Energiewandlung in Brennstoffzellen.
Ähnlich lief es im November 2010 an der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) ab, wo der Autozulieferer ZF Friedrichshafen und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft eine Professur für Elektromobilität stifteten. An der dortigen Fakultät Elektro- und Informationstechnik soll zunächst für fünf Jahre „Elektrische Antriebstechnik für Fahrzeuge“ gelehrt und erforscht werden. Der Dekan Prof. Dr. Werner Kleinhempel erklärte: „Die Schwerpunkte Antriebsregelung, elektrische Antriebstechnik und Leistungselektronik werden künftige Ingenieure befähigen, auf einem der modernsten und zukunftsträchtigsten Gebiete der Fahrzeugindustrie zu arbeiten, und sie fügen sich sehr gut in das Profil der Fakultät ein.“ HTWG-Präsident Dr. Kai Handel bezeichnete die Einrichtung der Stiftungsprofessur deshalb als „klassische Win-Win-Situation, von der alle Seiten profitieren“.