Auf Lolland entsteht das Wasserstoff-Dorf 2.0

H2 Interaction – Info-Zentrum in Vestenskov
H2 Interaction – Info-Zentrum in Vestenskov

Vestenskov ist eine kleine Gemeinde auf Lolland, Dänemarks viertgrößter Insel. Auf dem äußerst ebenen Eiland, der so genannten „Pfannkuchen-Insel“ (pancake island), gibt es reichlich Wind. Da ist es nur logisch, dass nahe dem Küstenstreifen ein großer Offshore-Windpark steht, der so viel elektrische Energie ins Stromnetz speist, dass die rund 70.000 Insulaner damit 50 Prozent ihres Strombedarfs decken können. Zur Abdeckung der restlichen 50 Prozent, und weil der Windstrom nicht gespeichert wird, sind die Inselanwohner auf fossile Energien angewiesen. So war es jedenfalls bis 2006. Damals startete ein sechsjähriges Projekt zur Speicherung der Windenergie in Wasserstoff. Vestenskov wurde zum Wasserstoff-Dorf. Und weil es so gut lief, folgt jetzt Vestenskov 2.0.

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Induktion statt Batteriewechsel

Quelle: Conductix Wampfler

Shai Agassi hat das Batteriewechsel-Unternehmen Better Place bereits im Oktober 2012 verlassen. Auch der Vizegeschäftsführer Moshe Kaplinsky beendete dort im November seine Arbeit. Jetzt hat das israelische Unternehmen seinen Ankündigungen, sich aufs Kerngeschäft konzentrieren zu wollen, Taten folgen lassen und sein Engagement in den USA sowie in Australien zurückgeschraubt. Der Tätigkeitsschwerpunkt soll fortan in seinem Heimatland sowie in Dänemark liegen.

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Better Place eröffnet Wechselstationen in Dänemark und Israel

Better Place scheint jetzt wirklich ernst zu machen. Während etliche Kritiker aus Deutschland das Konzept der Batteriewechselstationen nach wie vor für unrealistisch halten, hat das kalifornische Start-up-Unternehmen jetzt seinen Ankündigungen Taten folgen lassen: Am 28. Juni 2011 weihte Better Place seine erste Akku-Wechselstation in Europa ein. Nachdem die vorherigen Versuche einer Testanlage in Tokio erfolgreich verlaufen waren, befindet sich nun auch bei Kopenhagen eine Wechselstation, an der innerhalb von fünf Minuten ein leerer Akku gegen einen vollen ausgetauscht werden kann. 19 weitere Standorte in Dänemark sollen bis zum Frühjahr 2012 folgen.

Shai Agassi, der Gründer und Geschäftsführer von Better Place, hatte bereits bei der ersten Vorstellung seines Batteriewechselkonzepts grundlegende Veränderungen im Mobilitätssektor angekündigt. Seitdem teilt sich seine Zuhörerschaft in zwei Lager: in die Anhänger, die er mit seinen visionären Plänen in seinen Bann ziehen konnte, und die Skeptiker, die seine Ideen als nicht umzusetzende Spinnereien abtun. Das Faszinierende dabei ist aber, und das müssen selbst seine Kritiker eingestehen, dass es ihm bisher stets gelungen ist, seine Vorhaben im angekündigten Zeitrahmen in die Tat umzusetzen. Allein die Tatsache, dass dieser Umstand in der Mobilitätsbranche besonders hervorgehoben werden muss, spricht Bände.

Die Einweihung der ersten europäischen Wechselstation in Gladsaxe am Stadtrand von Dänemarks Hauptstadt stellt einen weiteren Meilenstein in der bisherigen Erfolgsgeschichte des stetig wachsenden Unternehmens dar. Zuvor hatte das Unternehmen aus Palo Alto ab April 2010 einen mehrmonatigen Pilotversuch mit bis zu drei Elektrofahrzeugen in Tokio durchgeführt und dort gemeinsam mit Nihon Kotsu, Tokios größtem Taxiunternehmen, demonstriert, dass 87 % der Fahrgäste ein elektrisches Taxi gegenüber einem konventionellen bevorzugen. Außerdem wurde dort die erste Batterie-Wechselstation im Alltag erprobt. Die durchschnittliche Dauer für einen Akkuwechsel betrug weniger als eine Minute. Normalerweise dauert dies rund fünf Minuten.

Dann im März dieses Jahres weihte das Unternehmen, das sich mehr als Mobilitätsdienstleister denn als reine Elektromobilitätsfirma sieht, sein Better Place Center in Hellerup, Dänemark, ein. Renault verkündete zudem, in dem skandinavischen Land seinen Fluence Z.E. in der Prime-Time-Ausführung für 27.496 Euro (inkl. Steuern) ab Herbst 2011 anbieten zu wollen. Shai Agassi erklärte dazu: „Dies ist heute ein wichtiger Schritt vorwärts für Better Place zur Vorbereitung des Markteintritts unseres Gesamtpakets in Dänemark Ende des Jahres.“ Philippe Klein von Renault fügte hinzu: „Renault will mit seinen vier Elektrofahrzeugen, die ab Herbst 2011 verkauft werden, die europäische Automobilindustrie anführen auf dem Weg zu einer Null-Emissionen-Mobilität. Der Fluence Z.E. wird das erste Elektrofahrzeug mit praktisch keiner Reichweitenlimitierung sein.“ Zur Rolle von Deutschlands nördlichem Nachbarn sagte er: „Dänemark ist mit seinem starken Umweltbewusstsein und seiner positiven öffentlichen Haltung gegenüber sauberen Fahrzeugen ein sehr wichtiger Markt für Renault.“

Johnny Hansen, der erst im März 2011 zum Geschäftsführer von Better Place Dänemark ernannt worden war, erklärte: „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unserem Batteriewechselmodell die letzten Barrieren für den kommerziellen Durchbruch des Elektroautos überwunden haben: Die Reichweite. Bei dem Interesse, das wir bisher erzielt haben, gehe ich davon aus, dass dies in nur wenigen Jahren das am besten verkaufte Auto in Dänemark sein wird.“

In Israel ist ebenfalls im März 2011 eine erste Batteriewechselstation eröffnet worden. In Kiryat Ekron, nahe Tel Aviv, steht die erste von zunächst neun Stationen, die in diesem Jahr errichtet werden sollen. Insgesamt sollen es in Israel 40 Stück werden. Die ersten 200 Ladestationen in Parkhäusern wurden ebenfalls bereits installiert, und 10.000 Personen haben sich schon auf die Interessentenliste für E-Fahrzeuge in Israel setzen lassen. Agassi sagte bei der Einweihung: „Diese Vision war vor drei Jahren nichts als eine Vision. Jetzt ist sie real.“

Auch Australien zählt – mit Kalifornien und Hawaii – zu den ersten Testregionen. Better Place vereinbarte erst diesen Sommer gemeinsam mit Renault eine strategische Allianz für den südlichen Kontinent. Noch Ende des Jahres wird das kalifornische Unternehmen dort mit dem Aufbau der benötigten Infrastruktur beginnen. Im Sommer 2012 sollen dann die ersten Fahrzeuge für Kunden in Canberra vor Ort sein, und ab 2013 soll in der australischen Hauptstadt das weltweit größte Netzwerk zur Aufladung von Elektrofahrzeugen entstehen.

In Europa setzen neben Dänemark, wo der erste konkrete Schritt bereits getan wurde, auch die Verkehrsminister von fünf weiteren Ländern auf diese neue Technik. Belgien, Luxemburg, Österreich, Spanien und die Niederlande wollen ebenfalls Wechselstationen aufbauen. Im Rahmen eines von der Europäischen Kommission geförderten E-Fahrzeug-Projektes (Greening European Transportation Infrastructure for Electric Vehicles) haben sich insgesamt acht europäische Institutionen zusammengetan, um ein intelligentes Transportsystem mit Wechselstationen und Ladepunkten zu analysieren, zu testen und zu installieren. Die Wechselstation in Kopenhagen war erst der Auftakt für dieses Projekt. Eine weitere Anlage soll noch in Amsterdam entstehen, bevor dann ein Netz mit weiteren Standorten über West-Europa ausgebreitet wird. Der Strom für dieses mit 4,95 Mio. Euro geförderte Vorhaben, das zweieinhalb Jahre laufen wird, soll aus erneuerbaren Energien kommen.

Deutschland beschränkt sich bei diesem Thema indessen auf eine Außenseiterrolle. Abgesehen von Forschungsarbeiten am Projekt Grid-Surfer von Next Energy, dem EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e. V. (näheres dazu folgt im HZwei Januar-Heft 2012), haben deutsche Firmen Shai Agassi bisher abblitzen lassen. Als kleinen Bonbon erhielt Agassi in Mannheim am 24. Juli 2011 lediglich den ersten jemals verliehenen Bertha-und-Carl-Benz-Award. Dieser Preis wurde ihm für seine Dienste, die er bereits der Elektromobilitätsbranche geleistet hat, überreicht. Dr. Peter Kurz, der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, sagte: „Shai Agassi kombiniert Visionen und Innovation mit technischem Können sowie unternehmerischer Erfahrung. Darüber hinaus treibt ihn eine starke Verantwortung, die Herausforderungen beim Klimaschutz zu meistern.“ Dass sich dies auch beim heutigen Ölpreis schon lohnt, rechnete Amit Yudan, Leiter des Europageschäfts, während der Clean Tech Insights in Berlin vor: In Dänemark liegt der Preisvorteil eines Renault Fluence gegenüber einem Dieselfahrzeug bei 10 bis 20 %.